Wolfsburg – Paris – Wolfsburg elektrisch: Teil 2

Teil 1 noch nicht gelesen?


Die Strategie für den Rückweg war einerseits komplizierter, andererseits aber interessanter und unterhaltsamer.

Ich konnte erst nach 17:00 abfahren, ein Durchfahren nach Wolfsburg war unrealistisch. Ich wollte auch nicht erst am nächsten Tag losfahren, dann hätte ich den gesamten Folgetag verloren. Irgendwo musste also ein Zwischenstopp ins Programm, dann wäre ich gegen Mittag in Wolfsburg. Also eine Hotelübernachtung auf dem Weg? Es hätte im Hotel eine Lademöglichkeit geben müssen uns das fand ich etwas zu unsicher. Am Supercharger Eindhoven gab es ein Hotel mit ausreichend vielen Ladepunkten, das wäre eine Option gewesen. Für nur wenige Stunden fand ich das aber nicht besonders effizient, auch wenn die Kosten mein Arbeitgeber übernommen hätte.

ABRP schlug für die Route einen Stopp in Hilden vor und das gab den Ausschlag für den Plan: Am Abend bis nach Hilden fahren, Ankunft gegen 23:00. Dort eine sanfte AC-Ladung über fünf oder sechs Stunden, in denen ich den Camp-Mode des Autos schlafend genießen konnte. Bäcker Schüren würde um 6:30 öffnen, Kaffee und Frühstück waren somit gesichert. Dann in drei Stunden nach Wolfsburg fahren!

Dementsprechend: Abfahrt um 17:30, Ladestand 100 Prozent, das Auto ist vorgewärmt. Außentemperatur acht Grad.

Allerdings hatte ich den Plan gemacht, ohne mit dem mörderischen Pariser Verkehr gerechnet zu haben. Die erste Stunde verging bereits mit den ersten wenigen Kilometern, um auf die Peripherique zu kommen und es dann zähen Verkehr bis hinter Charles de Gaulle zu schaffen.

Viereinhalb Stunden dauerte die Fahrt über 294 Kilometer bis zum Supercharger Namur in Belgien, der auf den großen Parkplatz eines neuen Hotels gelegen war. Das Navi hatte sich für einen Weg größtenteils über die Bundesstraße entschieden, vermutlich um Staus auszuweichen. Das dämpfte den Energieverbrauch, kostete aber Zeit. Es gab Supercharger V3, also bestmögliche Ladeleistung. 25 Minuten reichten für die Weiterfahrt aus.

Statistik: Etappe 294,3 km (1.160 km gesamt), 55 kWh Verbrauch (gesamt 250 kWh), Durchschnitt 21,5 kWh/100 km. Fahrzeit: 4 Stunden und 31 Minuten.

Die Fahrt nach Hilden ist etwas mühsam, Ankunft um kurz nach Mitternacht mit 10 Prozent im Akku.

Statistik: Etappe 203,3 km (1.364 km gesamt), 40 kWh Verbrauch (gesamt 290 kWh), Durchschnitt 21,3 kWh/100 km. Fahrzeit gesamt: 7 Stunden und 11 Minuten.

Der Ladepark Seed & Greet in Hilden ist bekanntermaßen ein Traum, auch die Toiletten sind 24×7 zugänglich. Seit meinem letzten Besuch ist er weiter gewachsen.

Hilden erweitert

Alle AC-Ladepunkte waren frei, außer mir waren nur noch zwei andere Teslas da. Ich suchte mir einen der 22 kW-Anschlüsse aus, 25 Cent pro Kilowattstunde war der angekündigte Preis. Da man die Ladeleistung im Auto einstellen kann, konnte ich die geplante Ladezeit auf 6:30 einregeln. Regen klopfte aufs Autodach und die Lüftung rauschte vor sich hin, um gegen die sechs Grad Außentemperatur anzukämpfen. Irgendwann muss ich dann eingeschlafen sein…

6:20 piepste der Wecker und der Akku war auch beinahe voll. Zeit fürs Frühstück!

Schüren bürgt für Qualität – Kaffee war super, Brötchen auch und der Service superfreundlich, trotz der sehr frühen Stunde. Nur eine Frage blieb: Laut Abrechnung der Ladung hatte ich in der Nacht 97 kWh konsumiert. Die reine Akkuladung sollte maximal 75 kWh ausmachen, dann bleiben 22 kWh für die nächtliche Heizung, mehr als 3 kWh pro Stunde. Derartiger Verbrauch ist nicht unmöglich, aber doch eher viel. Anderseits musste das Handy ebenfalls geladen werden 😉

Andererseits sind das weniger wichtige Details. Abfahrt um 7:00 pünktlich, direkt in den morgendlichen Stau rund um Wuppertal. Das Auto wollte mir sicherheitshalber einen frühen Ladestopp am Supercharger Kamen aufdrücken, der völlig überflüssig gewesen wäre. Wegklicken auf dem Navigationsplan erledigt das Problem.

Den Hannover-Stau umfährt das Navi zum Glück relativ elegant, aber es kostet Zeit. Es ist eine mühsame Strecke gefüllt mit Baustellen. Dafür regnet es schon wieder. Ankunft 10:39!

Statistik: Etappe 345 km (1.709 km gesamt), 57 kWh Verbrauch (gesamt 347 kWh), Durchschnitt 20,3 kWh/100 km. Fahrzeit gesamt: 10 Stunden und 50 Minuten. Sicher kein Geschwindigkeitsrekord, aber insgesamt in Ordnung. Wolfsburg – Paris – Wolfsburg elektrisch funktioniert ziemlich gut.

Mit einem Verbrennerauto wäre es kaum schneller gegangen, außerdem hätte ich in der Nacht übel gefroren…


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