Wien über Tschechien – Teil 3

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Nach dem Aufenthalt folgt der Rückweg! Wie kann man diese Fahrt weniger langweilig gestalten?

Mit einer kleinen Zusatzaufgabe: Möglichst geringen Verbrauch ohne absurdes Schleichen. LKWs sind am Sonntag ziemlich spärlich, die Versuchung für Windschattenfahren ist dementsprechend gering.

Von Wien nach Tschechien
Das ungewaschene Auto unterwegs…

Der Knaller wäre klarerweise, die gesamte Strecke mit nur einer einzigen Ladung zurückzulegen. Das erscheint zwar möglich, könnte aber eine ziemlich langweilige Angelegenheit werden. Das spare ich mir für eine andere Fahrt auf…

Also erstmal auf günstig fahren: Start um 10:54 mit 100 %ig knallvollem Akku und 17 Grad Außentemperatur! Zielgeschwindigkeit 100 bis 110 km/h. Zurückhaltendes Fahren brachte eine Fahrtstrecke von 405 Kilometern in 4:22 Stunden und 92,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, außerdem waren noch 16 Prozent im Akku. 56 Kilowattstunden sind durchgelaufen., was 13,8 kWh pro 100 Kilometer ergab. Das war ein sehr guter Wert für die gefahrene Geschwindigkeit. Die Strecke auf der tschechischen Autobahn war eine Berg- und Talfahrt, was der Effizienz nicht unbedingt weiterhalf.

Merkwürdig war nur, dass das Auto einen Durchschnittsverbrauch von 14,2 kWh/100 km anzeigte. Mit Rundungsdifferenzen kann die Differenz zu 13,8 kWh/100 km kaum erklärt werden. Möglicherweise rechnet Tesla hier gewisse Ladeverluste mit ein, wer weiß?

Der Ladehalt in Humpolec war entfallen und Tesla schickte mich weiter zum Supercharger Lovosice. Im Teil 1 hatte ich erwähnt, dass es an diesem Standort möglicherweise kostenlose AC-Lader gibt. Das wollte ich nun testen – und es stimmt! Vier AC-Ladepunkte mit zumindest 11 kW stehen links und rechts neben den Supercharger-Säulen.

Kostenlos an AC in CZ

Die Ladedauer wäre mehrere Stunden gewesen, kostenloses Laden war deshalb nicht im Plan. Also umparken und an den Supercharger V3 anschließen! Das Ergebnis war meine höchste jemals gemessene Ladeleistung, 250 kW exakt, knapp 1.600 km/h Ladegeschwindigkeit. Die geplante Ladezeit war sehr überschaubare 25 Minuten, durch das AC-Experiment war allerdings etwas Zeit verloren gegangen, die ich in der Gesamtzeit nicht berücksichtigen werde.

Laderekord bei 250 kW

Der vom Auto geplante Ladestand am Ende des Ladevorgangs war mit 40 Prozent erstaunlich gering. Die Entladekurve würde mich auf nur 9 Prozent hinunterführen, was aber immer noch oberhalb des roten Bereichs bei 7 Prozent lag.

Also alles in Ordnung, Tesla rechnet ohnehin ziemlich konservativ und das eine oder andere Prozent wäre vielleicht noch einzusammeln. Natürlich war Aufladen am Ziel zum Zweck der Akkuschonung angesagt.

Die zweite Teilstrecke war nur noch 272 Kilometer, für die ich 2:56 Stunden fahren musste. 39 kWh waren erforderlich. Tesla gab den Durchschnittsverbrauch mit exakt demselben Wert wie bei der ersten Teilstrecke an: 14,2 kWh/100 km. Diesmal war auch der rechnerische Wert mit 14,3 kWh/100 km fast exakt identisch.

Allerdings war ich im zweiten Teil etwas schneller gefahren als das Auto erwartet hatte und landete bei einem Ladestand von nur 6 Prozent – „Batterie ist sehr schwach“, teilte mir das Auto bei der Ankunft mit und empfahl sofortiges Aufladen.

Das habe ich selbstverständlich gerne gemacht!

Wie sah nun das Endergebnis aus?

StreckeZeitVerbrauchkW/100 kmDurchschnitt
405 km4:2256 kWh13,892,7 km/h
272 km2:5639 kWh14,292,7 km/h
677 km7:1895 kWh14,092,7 km/h

Wenn man noch die 25 Minuten Ladezeit berücksichtigt, war die Reisezeit 7:43 Stunden. Damit lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei eher gemächlichen 87,7 km/h.

Auf der Hinfahrt hatte ich 113 kWh verbraucht, ein Mehrverbrauch von knapp 19 Prozent. Ist das ein gutes Argument für ein Tempolimit auf der Autobahn? Aus energetischer Sicht sicherlich – jede Kilowattstunde zählt bekanntlich 😉

Wichtiger als ein Tempolimit wären mehr liefer- und bezahlbare Elektroautos. Die derzeitigen Lieferzeiten sind eher ein Elektroverhinderungsprogrann…

Wien über Tschechien – Teil 2

Zu Teil 1

Wien ist zweifellos eine schöne Stadt!

Schöne Bauwerke.

Museum Wien

Kunst und Kultur.

Schiele in Wien

1000 Ladepunkte! Und das Aufladen kostet zwischen 22:00 und 8:00 lediglich 80 Cent pro Stunde für 11 kW AC-Ladeleistung bzw. 22 kW, wenn nur ein Auto an der Ladesäule hängt und das Auto das auch ziehen kann.

Natürlich ist es bereits spät am Abend, wenn man zwischen 22:00 und Mitternacht lädt. Doch für einen Euro und sechzig Cent kann man 22 kWh bekommen, echt günstige 7,3 Cent pro Stück. Voraussetzung ist allerdings eine Ladekarte von Tanke Wien. Spontanes Laden kostet 3,60 Euro pro Stunde, was den Strompreis auf 32,7 Cent erhöht. Das ist allerdings immer noch billiger als die meisten deutschen Ladeverträge im Roaming-Betrieb.

Batterieelektrischer Bus in Wien
Batterieelektrischer Innenstadtbus beim Nachladen an der Endstation

Doch ob der Ladevorgang in Wien nun 5 Euro oder 20 kostet, das spielt kaum eine Rolle. Einer der Gründe ist die Dichte der Kaffeehäuser und Heurigen in der Stadt. Ein anderer Grund ist das heikle Thema Maut.

Deutschland ist diesbezüglich durch die kapitale Leistung eines vergangenen Verkehrsministers begünstigt. Man könnte fast absichtliche Sabotage der deutschen PKW-Maut unterstellen, wenn es nicht so dilettantisch gemacht worden wäre.

In Tschechien und in Österreich gibt es die PKW-Straßenmaut und sie wird ziemlich aktiv überwacht. Mautvergehen kosten weit jenseits der 200 Euro pro Land.

Zehn Tage Maut kosten in Tschechien 19,80 Euro, in Österreich 9,60 Euro. Man erkennt ein gewisses Missverhältnis, doch kann man in Tschechien zumindest eine Mautbefreiung für batterieelektrische Autos, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge beantragen. Informationen und den Link zum Download gibt es auf der Website des Mautbetreibers. Wenn man allerdings nicht über eine elektronische Signatur verfügt, die in Tschechien funktioniert, dann muss man die Unterschrift notariell beglaubigen lassen.

Das sieht hübsch aus und kostet nicht viel, deshalb habe ich das natürlich gemacht und die Unterlagen per Post zum Mautbetreiber geschickt. Der Brief hat sein Ziel gefunden, denn per Email wurde mir mitgeteilt:

Dobrý den,

v příloze tohoto e-mailu naleznete odpověď ve věci oznámení osvobození od úhrady časového poplatku, které bylo z Vaší strany učiněno.

Tým zákaznické péče

Elektronické dálniční známky

In Kürze: Meine Angaben wären nicht ausreichend gewesen. Ich bin also noch nicht am Ziel der Mautbefreiung angelangt, ich werde es jedoch ein zweites Mal versuchen. Sobald ich Zeit habe.

Enzos in Wien
Diese farbigen Sitzgelegenheiten, die Enzos, gibt es mittlerweile auch in Wolfsburg beim Südkopf…

Fassen wir also zusammen: Die Maut für die Fahrt nach Wien kam auf knapp 30 Euro, der Ladestrom auf etwa die Hälfte. Das erklärt, weshalb der Preis des Ladestroms auf der Langstrecke nicht ganz so wesentlich ist, wie gelegentlich diskutiert wird…


Zu Teil 1

Wien über Tschechien elektrisch – Teil 1

Vor kurzem wollte ich wieder Wien besuchen. Normalerweise nehme ich die etwas bequemere, aber längere Route über Nürnberg und Passau. Diesmal wollte ich Wien über Tschechien – oder genauer die Tschechische Republik – erreichen, also die deutlich kürzere Route nehmen.

Allerdings bin ich von Berlin gestartet, das verkürzte den Weg zusätzlich: 6:59 für 622 Kilometer gemäß ABRP, 6:39 laut Google Maps.

Der Tesla-Routenplaner plante zwei Supercharger für mich, in Losovice und Humpolec. Dort steht ein ziemlich früh errichteter Supercharger und zusätzlich eine eon-Ladestation mit fünf Ladesäulen. Humpolec hatte ich bereits vor vier Jahren besucht, damals mit dem Renault Zoe… also in der grauen Vorzeit der Elektromobilität 😉 Immerhin konnte ich bereits damals mit einer einzigen Akkuladung bis Wien durchfahren.

Doch zuerst nach Losovice! Abfahrt 7:41 und das Wetter war elektrofreundlich: 17 Grad und schwacher Wind von hinten oder im schlechtesten Fall von der Seite.

Elektrofreundliches Wetter von Wien nach Tschechien elektrisch

Die erste Etappe dauerte 2 Stunden und 45 Minuten für 272 Kilometer, der Verbrauch betrug 49 kWh insgesamt, bzw. 18,1 kWh pro 100 Kilometer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug knapp 98,9 km/h, das Ergebnis der Tempomateinstellung von 120 km/h.

Verbrauchswerte in Losovice

Der Supercharger Losovice ist interessant, weil er eigentlich in einem Dorf liegt. Nicht im Zentrum, aber doch im Dorf, am Rand der dortigen Mondelez-Fabrik.

Supercharger Losovice von Wien nach Tschechien elektrisch

Erfreulicherweise gab es dort auch AC-Anschlüsse, die tatsächlich kostenlos waren. Das stellte ich aber erst auf dem Rückweg fest, als ich genügend Zeit zum Ausprobieren hatte.

Kostenlose AC-Ladesäule am Supercharger Losovice

Es gab auch eine Art Tesla-Lounge, oder zumindest einen Zugang zu einem Gang mit zwei Toiletten und zwei Automaten. Skandalöserweise dürfen da auch Kunden der neben dem Supercharger befindlichen Ionity-Lader hinein 😉

Zwei Stunden später ging es durch Prag. Das Navi hat sich für die Durchfahrung des Zentrum entschieden – eine schöne Strecke, aber durch Kopfsteinpflaster und dichten Verkehr ein wenig mühsam.

Nächster Stop in Humpolec, nach nur 165 Kilometern und einer Stunde und 49 Minuten. 31 kWh sind verbraucht, 18,8 kWh pro 100 Kilometer.

Supercharger und eon-Ladeplätze in Humpolec

Humpolec präsentiert sich vollkommen unverändert: Der Supercharger, die eon-Lader, die Tankstelle, die Sitzgruppe vor der Tankstelle. Das hat tatsächlich etwas Vertrautes und der Supercharger funktioniert problemlos. Mit den eon-Ladesäulen für den Zoe hatte ich seinerzeit mehr Mühe gehabt…

Nach weiteren 96 Kilometern in 55 Minuten und 14 Kilowattstunden rief die Arbeit, trotz Urlaubstag. Es war ein geplanter Termin, also konnte ich mich an einer der Ladesäulen einer Autobahnraststätte einparken und gleichzeitig einige Kilowattstunden nachladen.

Dabei fällt auf, dass absolut jede Tankstelle entlang der Autobahn mit einem Triple-Charger ausgestattet ist, egal wie klein oder heruntergekommen sie sein mag. Hervorragend!

Schönes Wetter kurz nach Prag

Weitere 100 Kilometer weiter und 1 Stunde und 13 Minuten später konnte ich nicht umhin, einen biologischen Stopp einzulegen. Weitere 12 kWh (exakt 12,3 kWh auf 100 Kilometer) standen auf dem Zähler. In diesem Teilstück lag ein Stück Bundesstraße, was Verbrauch und Geschwindigkeit reduzierte. An der neuen Raststation Hochleithen war die Ladeausstattung recht großzügig: Vier Ionity-Säulen mit Fundamenten für weitere zwei, ein Triple-Charger und ein Doppel-AC-Lader.

Mein Ladestand war ohnehin noch bei 48 Prozent, schnelles Laden also überflüssig und AC-Laden reichte völlig.

Raststation Hochleithen nach Wien über Tschechien elektrisch

Die letzte Etappe nach Wien machte nur noch 47 Kilometer aus, dauerte 53 Minuten und verbrauchte 7 kWh bzw. 15,3 kWh pro 100 Kilometer.

Wie sieht die Statistik der gesamten Fahrt aus?

680 Kilometer, 113 Kilowattstunden insgesamt, 7 Stunden und 59 Minuten Fahrzeit. Dazu kommen allerdings noch 25 Minuten für den ersten Ladestopp und 35 Minuten für den zweiten, also eine zusätzliche Stunde und damit 9 Stunden gesamte Reisezeit. Der Verbrauchsdurchschnitt betrug sehr gute 16,6 kWh pro 100 Kilometer, nicht viel mehr als der WLTP-Verbrauch von 16,0 kWh.

Diese Zeit wäre jedoch mühelos zu unterbieten, wenn man an oder leicht über den Geschwindigkeitsbegrenzungen fährt. Doch dafür hatte ich es an diesem Tag schlichtweg nicht eilig genug!


Weitere Langstreckenerlebnisse

Elektrisch fahren bei -7 Grad

Elektrisch fahren bei -7 Grad

Bei einer unserer weihnachtlichen Fahrten hatten wir eine Strecke, bei der sich die Temperatur zwischen minus 4 und minus 7 Grad bewegte. Funktioniert elektrisch fahren bei -7 Grad ohne Probleme?

Laden in Nempitz

So kalte Etappen hatte ich bisher selten und die Frage nach der Performance bei Kälte wird im Winter häufig gestellt. Und so habe ich die Leistungsdaten getrennt aufgezeichnet.

Allerdings muss ich die Randbedingungen ausführlich beleuchten. Wir waren vor dieser Strecke bereits einige hundert Kilometer unterwegs, das Innere des Autos, die Reifen und die Batterie waren also bereits sehr gut temperiert. Das ist nicht die typische Ausgangslage für eine winterliche Testfahrt.

Gerade deshalb möchte ich jedoch mit einem relativen Irrglauben aufräumen, nämlich dass die Leistung von E-Autos im Winter grundsätzlich schlecht und problematisch sei. Das E-Auto funktioniert im Winter ähnlich gut wie im Sommer, wenn es einmal aufgewärmt ist, was klarerweise Zeit und Energie benötigt. Es handelt sich also um ein Kurzstreckenproblem, das bei längeren Fahrten kaum eine Rolle spielt.

Wir fuhren vom Supercharger Nempitz nach Wolfsburg und wollten keinen weiteren Ladestopp einlegen, wie es uns Tesla anfänglich empfohlen hatte. Der Supercharger war sehr gut besucht und voll belegt, während wir uns näherten. Erst wenige Minuten vor unserer Ankunft wurden zwei Ladepunkte fei. Durch die geteilten Lader war die Ladeleistung nur bei etwa 70 kW. Als das Fahrzeug neben uns absteckte, stieg die Ladeleistung auf 120 kW. Wir wollten trotzdem nicht lange laden und mit der minimalen Ladung losfahren – bei 68 Prozent Ladestand starteten wir.

Die Vorhersage für den SOC bei Ankunft lag bei schmalen 3 Prozent und sorgte für leichte Unruhe in der Besatzung. Die erfahrenen Tesla-Nutzerinnen und Nutzer wissen: Tesla rechnet ziemlich konservativ und drei Prozent sollten ausreichen.

Einen kleinen Kompromiss bin ich als Vorsichtsmaßnahme eingegangen, nämlich die Klimaanlage im Ove-Modus: 19 Grad, Lüftung Stufe 3 ohne Klimaanlage und saubere Fenster. Mit vier Personen an Bord beschlugen die hinteren Scheiben trotzdem, was aber nur ein rein kosmetisches Problem darstellte. Die Geschwindigkeit war etwas zurückhalten, mit Geschwindigkeiten in der Gegend von 110 km/h und einer Steigerung in Richtung 125 km/h, sobald der vom Auto am Ziel vorhergesagte Ladestand in Richtung 10 Prozent angestiegen war.

Der Verkehr war relativ dünn, es gab also nahezu keine stromfressenden Manöver zu erledigen.

Kalte Autobahn

Wir kamen letztendlich dann auch mit 10 Prozent Ladestand an. Auf 193,7 Kilometern verbrauchten wir 39 Kilowattstunden, also 20,2 kW Verbrauch auf 100 Kilometer. Die Fahrzeit betrug eine Stunde und 43 Minuten, die Durchschnittsgeschwindigkeit respektable 112,6 km/h.

Der Verbrauch geht für diese Durchschnittsgeschwindigkeit bei Temperaturen um die -7 Grad für mich vollkommen in Ordnung. Wer also auf einer längeren Fahrt auf sehr kalte Etappen stößt, muss keine massiven Verschlechterungen der Performance des Elektroautos befürchten.

Keine Angst vor der elektrischen Langstrecke!

Wolfsburg – Paris – Wolfsburg elektrisch: Fazit

Wolfsburg – Paris – Wolfsburg elektrisch: Fazit

Teil 1

Teil 2


Kommen wir zu den Kosten, die immer wieder ein Diskussionsthema bei der Elektromobilität sind.

1.709 Kilometer und 347 kWh Verbrauch beim Fahren, plus etwa 22 kWh Standverbrauch im Camp-Mode. Die verbrauchte Strommenge daheim und im Hotel konnte ich nicht genau bestimmen, aber habe gute Schätzungen aufgrund der geladenen Prozente eingetragen.

Der Gesamtverbrauch inklusive Ladeverlusten lag bei etwa 382 kWh (22 kWh Standverbrauch habe ich abgezogen), damit lagen die Verluste bei rund 10 Prozent.

Die Gesamtkosten lagen bei etwa 125 Euro oder 7,3 Cent pro Kilometer. Das war etwas mehr als die 6 Cent bei meiner Dreiecksfahrt WOB – Wien – Velden – WOB, bei der ich mehr kostenlosen Strom und wärmeres Wetter in der Kalkulation hatte.

Vergleichen wir kurz mit meinem historischen Audi A4, der 7,6 Liter Durchschnittsverbrauch über die Haltedauer hatte: Die Treibstoffkosten bei derzeitigen Preisen (1,65 Euro pro Liter E10) hätten über 211 Euro ausgemacht, 12,4 Cent pro Kilometer. Das sind knapp 70 Prozent mehr als die elektrischen Kosten, ein gewaltiger Unterschied! Und natürlich ohne Ölverbrauch und wesentlich geringeren kilometerabhängigen Wartungskosten, denn bei Tesla gibt es keine Inspektionsintervalle.

Eiffelturm Paris

Eine weitere Erkenntnis: Die Stromkosten an den Superchargern fallen sehr unterschiedlich aus und können auch innerhalb eines Landes unterschiedlich sein – wie in Frankreich und Belgien. Belgien war am billigsten und – wenig überraschend – Deutschland am teuersten. Dafür haben hier alle Supercharger denselben Preis und es gibt keinen Unterschied zwischen V2- und V3-Ladepunkten.

Dennoch: Die hohen Strompreise in Deutschland sind nach wie vor durchaus auffällig. Dafür kann die Elektromobilität aber nichts, es gibt sicherlich noch nicht genügend E-Autos in Deutschland, um den Strompreis zu beeinflussen. Zum Glück hat das noch niemand behauptet – noch.

Wo stehen wir heute bei den Fähigkeiten der elektrischen Fahrzeuge?

Das Tesla Model 3 (2020) legt mit weniger als achteinhalb Stunden (8:23 gemäß ABRP für 850 Kilometer) eine sehr gute Zeit vor. Google Maps liefert erstaunlicherweise mit 8:46 Stunden für Verbrennerautos eine längere Zeit!

Die Fahrzeit mit einem Audi eTron 55 2020 (9:05), BMW iX xDrive 50 (8:57) oder ID.3 Pro 77 kWh mit Wärmepumpe (8:42) ist aufgrund der höheren Verbräuche länger, aber durchaus vergleichbar. Der ID.3 bringt erstaunlicherweise in diesem Trio die kürzeste Reisezeit, erreicht aber die Fahrtdauer des Tesla nicht.

Mit einem Modell aus 2013 ohne CCS, dem Renault Zoe mit 22 kWh, ist die Strecke durchaus möglich, dauert jedoch knapp 18 Stunden pro Richtung. Mit dem e-Up! mit CCS aus 2013 sind es immer noch 13 Stunden. Das geht nur als Hobby oder aus Interesse an der Technik…

Welche Erkenntnisse bleiben?

  1. Mit einem Fahrzeug der Generation 2020 ist eine derartige Langstrecke völlig problemfrei und bezüglich der Reisezeit wie im Verbrenner, auch bei kühlen Temperaturen. Echte Kälte steht als Experiment noch aus.
  2. Ein einzelner Stadtstau (1,5 Stunden) kann länger als sämtliche Ladestopps dauern.
  3. Die Ladeinfrastruktur für diese Strecke ist für alle Fabrikate ausreichend ausgebaut. Das Tesla-Supercharger-Netz ist sicherlich komfortabel und die Einbindung in die Navigation eine echte Stärke. Es geht auch ohne, allerdings muss man unter Umständen vier oder fünf Ladenetze in Anspruch nehmen und dafür mit zwei oder drei Ladekarten bzw. Apps vorbereitet sein.
  4. Gegenüber der Technik von 2013 hat sich die Reisezeit halbiert. Eine weitere Halbierung wird es naturgemäß nicht geben, das ist verkehrsbedingt unmöglich. Müssen wir auf den nächsten Wunderakku oder höhere Ladeleistungen warten? Offenbar nicht!
  5. Die Ladepausen sorgen für periodische Erholungsmöglichkeiten, das finde ich angenehm und hebt möglicherweise die Verkehrssicherheit.

Man muss es einfach mal ausprobieren!


Hier hat ein Freund über seine Perspektive über die Stromkosten mit E-Autos geschrieben!


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