Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 8

Bisherige Folgen:

Das erste Quartal des Jahres ist vorbei und die neue Ladesäulenliste der Bundesnetzagentur, datiert mit 1. April 2022, wurde veröffentlicht. Kein Aprilscherz!

Es gab im ersten Quartal 2022 einen durchaus nennenswerten Zuwachs von 5.855 Ladepunkten in Deutschland. Nach einem starken Januar (plus 2.741 Stück) und einem schwachen Februar (nur 995 zusätzliche Ladepunkte) konnte im März wieder aufgeholt werden (2.119 neue Ladepunkte).

Ladesäulenstatistik Q1 2022

Die AC-Ladepunkte nahmen um 11,6 Prozent zu, die DC-Ladepunkte um 12,6 Prozent. Der Ausbau der schnellen bzw. ultraschnellen Lademöglichkeiten ist derzeit recht gut unterwegs.

Bei so vielen positiven Beobachtungen gibt es aber auch eine Schattenseite: Gegenüber dem Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung soll der Ausbaustand zu Jahresende 2022 100.000 Ladepunkte erreichen. Das hätte einen Zuwachs von 12.500 Ladepunkten im ersten Quartal 2022 erfordert, geschafft haben wir jedoch nur 5.855 Stück. Für das Ziel fehlen somit bereits mehr als 6.600 Ladepunkte, der Ausbau hätte mehr als doppelt so schnell erfolgen müssen.

Noch hat Tesla seine Ladesäulen für Fremdkunden in Deutschland nicht geöffnet, sie finden sich daher nicht in der Statistik. Mehr als 1.500 Ladepunkte wären damit ohnehin nicht gewonnen.

Natürlich ist es möglich, Ladepunkte bei der Bundesnetzagentur zu melden und der Veröffentlichung im Ladesäulenregister zu widersprechen. Nachdem ein Ladepunkt aber von E-AutonutzerInnen auch gefunden werden soll, kann das nicht für besonders viele Ladepunkte der Fall sein.

Wie man es dreht und wendet: Der Ausbau geht zu langsam und diese Tatsache wird bereits von einigen Marktteilnehmern genutzt, um die weitere Förderung von Plug-In-Hybriden zu fordern, obwohl Hybridautos vielfach zu einer Verschlechterung der Klimabilanz führen.

Andererseits: Die mehr als 620.000 KfW-Förderanträge für private Wallboxen sind noch nicht abgearbeitet und werden definitiv zu einer laufenden Entlastung der öffentlichen Ladeinfrastruktur beitragen. Dieser Effekt wird in den Vorhersagen über den Bedarf an Ladeinfrastruktur noch zu wenig berücksichtigt.

Zusätzlich drängen die steigenden Stromkosten an öffentlichen Lademöglichkeiten viele Kunden zum Laden zu Hause, weil der Hausstromtarif fast immer günstiger ist oder der Strom kostenlos vom Dach kommen kann.

Von den tausenden vorgesehenen Ladepunkten des Deutschlandnetzes wurde auch noch kein einziger Ladepunkt errichtet, während andere Anbieter ordentlich auf die Tube drücken und Elektroautos aufgrund der Liefersituation derzeit immer langsamer in Betrieb kommen.

Für das Ausrufen einer Ladekrise ist es also deutlich zu früh!


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