Newcomer am Ladepark Hilden

Aus der Abteilung „Up to date“

Über den neuen Ladepark Hilden zum Zeitpunkt der Eröffnung habe ich schon einem früheren Blogeintrag geschrieben.

Nun, drei Wochen später, haben Oliver von Musicus und ich einen weiteren Besuch unternommen. Zum Glück war er nicht mehr so extrem ausgelastet, aber immer noch sehr gut besucht.

Uns stachen besonders zwei neue E-Autos ins Auge: Der Ford Mustang Mach E4-X, das Extended Range-Modell mit Allradantrieb – eines von nur 12 Modellen in Europa!

Das Fahrzeug bringt einige interessante Details mit, beispielsweise die Türgriffe: Sie bestehen aus seinem Fingerabdrucksensor und einer recht kleinen Griffleiste. Der Frunk wird durch eine Dichtung in der Motorhaube vor Wassereinbrüchen geschützt.

Und so sieht das ganze Auto aus.

Formschön, aber doch ein SUV: Von einem Mustang zu sprechen erscheint etwas übertrieben, das Auto ist stolze 1,6 m hoch. Der originale Benzin-Mustang ist mit 1,38 m Höhe immerhin 22 Zentimeter (fast 14 %) niedriger und ein Tesla Model 3 bringt es auf 1,44 m, das Model X ist mit 1,68 m immerhin noch höher. Aber natürlich, der Name Mustang hat einen gewissen Bekanntheitsgrad und die Kosten für die Namensfindungsagenturen konnten auch gleich eingespart werden.

Soviel zur oberen Mitte des Marktes. Nun aber zum günstigen Teil: Ein chinesisches Quartett, bestehend aus drei Herren und einer Dame, hatte ein Auto mitgebracht, das an eine Mischung aus Spät-Lada und Früh-Korea erinnerte.

Hier ist das Modell SA01 von Suda EV und diese Firma verkauft immerhin seit 10 Jahren E-Autos in China. Die Auto-Motor-Sport hatte bereits im Mai 2020 über das Auto berichtet und gezweifelt, dass dieses Auto jemals in Deutschland auftauchen könnte.

Und nun: Das Auto mit regulärem deutschen E-Kennzeichen! Angeblich lieferbar innerhalb von drei Tagen und mit 220 Kilometern Reichweite, aber nach welcher Norm war im Gespräch nicht so genau festzustellen.

Die Ladepark-Hilden-Konstante Nino hat auch ein Video von der Probefahrt veröffentlicht (ab 2:54).

Fertigungsgünstig und konstruktiv einfach gemacht ist das Auto schon, dafür soll es in Deutschland unter 19.000 Euro kosten – vor Förderung! Auf der derzeitigen BAFA-Liste (Stand 21.10.2020) steht das Auto im Eintrag Nr. 373 – direkt vor den Teslas. Die ganze Liste umfasst mittlerweile 396 rein batterieelektrische Fahrzeuge, das zeigt die Bewegung, die in den Markt gekommen ist, auch wenn gefühlt Opel und Nissan schon mal jeweils 100 Einträge belegt haben. Auf Platz 395 und 396 findet sich übrigens ein weiterer unbekannter chinesischer Hersteller: Zhidou mit dem D2S, der allerdings kein vollwertiges Auto ist. JAC und SAIC stehen auch auf der Liste, sind aber bereits etwas bekannter.

Zurück zum Suda: Auch bei anderen Herstellern findet man manche der einfachen Lösungen, die sind wohl im Rahmen der großflächigen Technologietransfers der Autoindustrie nach China angekommen. Jetzt kommen sie wieder zurück…

Das Fahrzeug ist mit Typ 2- und CCS-Lademöglichkeit ausgestattet, wenn auch die Ladeleistung in beiden Fällen (etwa 20 kW bei CCS und 2,1 kW bei AC, anscheinend doch nur ein einphasiger Lader) eher bescheiden war, wobei viele Details aber nicht zu bestimmen waren.

Im Motorraum gab es viel Luft und es herrscht einfaches Plastik vor, aber es ist schon solide zusammengebaut. Einen Crash möchte ich mit diesem Auto aber eher nicht haben, die tragenden Teile wirken doch eher dünn.

Die Batterie ist eher unspektakulär unters Auto gehängt, wie das folgende Bild zeigt. Im Bereich des Kofferraums wird viel Raum verschenkt und die Bodenfreiheit ist gerade in der Mitte des Fahrzeugs deutlich geringer als man erwarten könnte, man sollte also nicht allzu sorglos unterwegs sein.

Den Innenraum muss man als schlicht bis wenig anmutig bezeichnen, lediglich bei den Sitzbezügen wurde Wert auf ein gutes Aussehen gelegt. Zwei Bildschirme (einer hinterm Lenkrad, einer fürs Infotainment) gibt es aber. Insgesamt beim aufgerufenen Preis aber auch alles ok, wenn auch nicht mein Geschmack.

Kurz gesagt, ich möchte dieses Auto weder kaufen noch fahren. Allerdings: Das Modell hat es bis zur Zulassung in Deutschland geschafft und damit viele Hürden genommen. Die grundlegende Technologien eines BEV bringt das Auto ebenfalls mit.

Die ersten Digitalkameras wurden belächelt, die ersten Mobiltelefone ebenfalls. Wir wissen, wie es dann gekommen ist und wo die starken Player sitzen. Respekt ist also sicher angesagt, auch wenn Suda wohl noch einige Modellzyklen der Reife benötigen wird. So gigantisch ist der Abstand zu einem Dacia (Verbrenner) oder einem Renault aber nun auch wieder nicht. Geschmäcker sind naturgemäß verschieden und kleine Stufenheckfahrzeuge sind in Deutschland nicht beliebt, beim Nachbarn Polen beispielsweise aber schon. Und da kann man ja auch nachlegen.

Mehr tatsächlich lieferbare BEVs sind jedenfalls eine gute Nachricht. Dass sie auch aus China kommen können demonstrieren Tesla und Polestar derzeit bereits…


Wer mehr lesen möchte: Hier sind alle Informationen zu meinem Buch über Elektromobilität „Das E-Dilemma und die Freude am Fahren“ zu finden.

Ein Gedanke zu „Newcomer am Ladepark Hilden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.