Eine häufige Frage der Elektromobilität bezieht sich auf die Lademöglichkeiten: Was tun, wenn man daheim nicht laden kann, weil man in einem Mehrfamilienhaus wohnt? Das Thema kam auch beim Besuch bei der rbb Antenne Brandenburg zur Sprache.
Die gute Nachricht: Die Ladeinfrastruktur ist mittlerweile deutlich dichter als noch vor wenigen Jahren und sie wächst weiter.
Laut Zahlen der Bundesnetzagentur gab es zum 1. Mai 2026 bereits 151.452 Normalladepunkte und 52.499 Schnellladepunkte. Und die Zahlen wachsen nach wie vor.
Auffällig ist, dass immer mehr Schnellladeparks an Einkaufsstandorten, Baumärkten, Möbelhäusern und Supermärkten entstehen.
So kann man den Ladebedarf beim Einkaufen, einem Restaurantbesuch und ähnlichen Erledigungen immer häufiger problemlos decken.
Kurzes Zwischenladen schadet der Batterie nicht, im Gegenteil: Wenn es die Gelegenheit gibt, einfach kurz anstecken und Strom mitnehmen. Selbst mit einem kurzen Einkauf sind mit bei guten Bedingungen schnell mal 30 oder 50 Prozent nachgeladen. Mehr muss es beim Zwischenladen selten sein, denn der Ladestand unter 80 Prozent schont die Antriebsbatterie.

Praxisbeispiel: Hier werden beispielsweise vier Schnelllader vor einem Baumarkt aufgebaut und der ziemlich mächtige Transformator wurde bereits angeliefert.
Er erscheint etwas größer, als nur für diese vier Lader erforderlich ist, immerhin hat das Modulgebäude gut 5 Meter Länge. Möglicherweise wird der Baumarkt gleich mit angeschlossen oder es wird noch an deutlichem Ausbau geplant.

Dazu muss man wissen: Dieser Standort war bisher nicht völlig unversorgt, denn auf der anderen Straßenseite gab es vor einem Möbelhaus bereits zwei 50 kW-Lader und acht Schnellladepunkte, von denen einige allerdings unlängst Opfer des „Kabelns“ wurden.

Hier ist das freigelegte Mittelspannungskabel zu sehen, das den neuen Transformator künftig versorgen dürfte. Genau solche Arbeiten zeigen, dass Schnellladeinfrastruktur nicht einfach nur aus ein paar Säulen auf einem Parkplatz besteht. Dahinter stehen Netzanschluss, Tiefbau, Trafotechnik, Genehmigungen, Baukoordination und erhebliche Investitionen.
Einige kleine Haken hat der Ausbau mit sehr leistungsfähigen Ladesäulen allerdings:
- Für leistungsfähige Schnellladeparks ist teures Equipment erforderlich, obwohl die theoretische Spitzenlast nur selten vollständig abgerufen wird.
- Viele Anbieter erheben nach 45 oder 60 Minuten eine Blockiergebühr. Für einen normalen Einkauf ist das meist beherrschbar. Bei Kino, Veranstaltung, Restaurantbesuch oder der Übertragung eines Fußballspiels können Blockiergebühren schnell ärgerlich werden.
- Wer noch ein älteres Elektroauto mit CHAdeMO-Anschluss fährt oder auf AC-Laden angewiesen ist, findet an neuen Schnellladestandorten nicht immer die passende Lösung. Solche Fahrzeuge verschwinden zwar langsam aus dem Neuwagenmarkt, bleiben aber noch lange als günstige Gebrauchte unterwegs. Für deren Nutzerinnen und Nutzer bleibt etwas zusätzliche Planung nötig.
Trotzdem ist die Richtung klar: Die Ladeinfrastruktur wächst, sie wird leistungsfähiger und sie rückt stärker in den Alltag. Für Menschen ohne eigene Wallbox ist das entscheidend. Öffentliche Ladeinfrastruktur ersetzt das Laden zu Hause nicht immer vollständig, aber sie macht den Umstieg deutlich einfacher.
Die Ladeinfrastruktur ist schon lange nicht mehr der zentrale Bremsklotz der Elektromobilität und für Mieter ohne eigene Wallbox ist das Laden unterwegs heute eine echte Alternative.
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