Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 5

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 5

Bisherige Folgen:

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 1

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 2

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 3

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 4

Mit der Jahresmitte 2021 und den Daten vom 1. Juli 2021 ist wieder ein guter Zeitpunkt gekommen, um die Entwicklung der Lademöglichkeiten in Deutschland zu beleuchten.

Die Juli-Statistik zeigt nach dem Durchhänger im April einen erfreulichen Anstieg seit Jahresbeginn, der auf einen sehr starken Februar und einen starken Juni zurückgeht: 8.550 mehr Ladepunkte (+ 26 Prozent), deutschlandweit. Die kombinierte Ladeleistung aller Ladepunkte liegt nun bei 1.182 MW, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Jahresanfang.

Zum Vergleich: Die Anzahl der Elektroautos ist bis April 2021 um gewaltige 267 Prozent angestiegen. Kein Wunder, dass die private Ladeinfrastruktur mit dem Programm 440 (900 Euro Zuschuss pro privatem Ladepunkt) gefördert wird, um die Lücke zu füllen. 500 Millionen Euro (etwa 556.000 Wallboxen) sind bereits in dieses Programm geflossen, weitere 300 Millionen (etwa 333.000 Stück) kommen nun hinzu. Auch wenn die Wallboxen aufgrund der Lieferzeiten derzeit erst deutlich nach dem Förderantrag in Betrieb gehen: Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte liegt bei etwa einem Prozent (!) der im gleichen Zeitraum aufgebauten privaten Wallboxen. Das Förderprogramm ist also sehr erfolgreich, allerdings könnte man den Eindruck haben, dass der Zuschuss von 900 Euro tatsächlich höher ist als er zur Stimulierung des Ausbaus privater Lademöglichkeiten sein müsste.

Doch zurück zur öffentlichen Infrastruktur: Deutlich zugelegt haben die DC-Ladepunkte: Nach einem sehr schwachen Plus im ersten Quartal gab es allein im Juli einen Sprung um fast 950 Stück. Der Ausbau von Schnellladern entlang der Autobahnen, die mittlerweile jeweils zumindest vier Ladepunkte umfassen, ist also auch in den Zahlen erkennbar.

Ladesäulen in Wolfsburg

Die Steigerung ist größer als in früheren Monaten des Jahres und erweist sich als erfreulich Corona-resistent. Das Jahresziel von 50.000 bis zum Jahresende erscheint derzeit noch erreichbar, wenn der Ausbau so weitergeht (zumindest wenn man nur die Daten von 2021 heranzieht, siehe nächste Abbildung).

Entlastet der Ausbau privater Wallboxen also die öffentliche Ladeinfrastruktur? Ich würde diesen Effekt aus zwei Gründen für eher gering halten: Erstens sind Lademöglichkeiten außerhalb des eigenen Haushalts für längere Strecken unverzichtbar, und zweitens ist eine private Wallbox für viele auch mit Förderung einfach nicht möglich.

Der Bedarf wird im öffentlichen Raum weiterhin ansteigen, wenn es nicht im Handel und im Bereich der Arbeitgeber zu verstärktem Ausbau kommt.

Ladepunkte in Wolfsburg

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 4

Vorgeschichte

Mit der Anzahl der Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland hatte ich mich bereits im Juni 2020 beschäftigt und auch auf Goingelectric andiskutiert. User GrillSgt gab es den Hinweis, die Daten der Bundesnetzagentur als Autorität heranzuziehen. Ich bleibe weiterhin bei dieser Datenquelle.

Aktuelle Daten der Ladepunkte in Deutschland

Wie sehen die aktuellen Daten also aus?

Die Februar-Statistik zeigt einen erfreulichen Anstieg von Januar 2021 zu Februar 2021: 6,7 % mehr Ladepunkte, 9,8 % mehr Ladeleistung deutschlandweit. Die kombinierte Ladeleistung aller Ladepunkt hat mit 1.011 kW zum ersten Mal die Hürde von einem Gigawatt übersprungen.

Selbst wenn das eine sehr vereinfachte Rechnung ist: Bei einer Ladeleistung von 11 kW könnten mit dieser Ladeleistung über 93.000 Elektroautos gleichzeitig geladen werden. Selbst wenn ein Ladevorgang vier oder fünf Stunden dauern sollte, ist damit Raum für eine halbe Million Elektroautos, jeden Tag vollgeladen. Oder 1,2 Millionen Fahrzeugkilometer täglich. Oder ausreichend für mehr als 44 Milliarden Kilometer Fahrleistung pro Jahr.

Sehr markant zugelegt haben die DC-Ladepunkte: Nach einem sehr schwachen Plus im Januar 2021 von lediglich 102 Ladepunkten, gab es im Februar einen Sprung um 889 Stück – mehr als acht Mal mehr. Es könnte somit eine erhebliche Anzahl von Nachmeldungen enthalten sein. Wir werden in den März-Zahlen sehen können, ob diese hohe Steigerungsrate dauerhaft gehalten werden kann. Das wäre doch sehr schön!

Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in Deutschland seit Mai 2020
Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in Deutschland seit Mai 2020

Entwicklung der Ladepunkte in Deutschland

Die Steigerung der Anzahl der Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland ist größer als in früheren Monaten, aber nach wie vor zu gering, um die 50.000 Ladepunkte mit Jahresende 2021 erreichen zu können, 46.500 ist die wahrscheinlichere Zahl.

Man könnte nun argumentieren, dass die geringeren Steigerungen 2020 die Extrapolation für 2021 negativ verzerren, also zu pessimistisch sind.

Kein Problem, sehen wir uns die Daten für 2021 an, die beiden Datenpunkte von Januar und Februar reichen zum Glück für eine Trendlinie aus.

Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte für 2021
Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte für 2021

Mit diesem Datenschnitt reicht die Steigerung aus, um sogar über 60.000 Ladepunkte im Dezember 2021 zu erreichen. Dafür müssen Zuwächse lediglich auf dem derzeitigen Niveau bleiben!

Für 2022 wird es jedoch nochmal deutlich schwieriger, denn bereits dann soll der jährliche Zuwachs zumindest 100.000 Ladepunkte ausmachen. Das wird nicht einfach, aber noch ist es möglich…

Wolfsburg Special

Zwei neue Ladepunkte wurden in Wolfsburg im Verzeichnis der Bundesnetzagentur eingetragen, aufgebaut vom Autohaus Koller, in der Wolfsburger Straße 22 in – erraten – Wolfsburg. Mehr Wolfsburg geht heute nicht mehr 😉

Was bisher geschah

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 1
Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 2
Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 3


Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 3

Vorgeschichte

Mit der Anzahl der Ladesäulen in Deutschland hatte ich mich bereits im Juni 2020 beschäftigt und auch auf Goingelectric andiskutiert und zwischendurch in Teil 2 aktualisiert.

Damals war ich optimistisch. Jetzt zu Jahresende können wir sehen, was erreicht wurde.

Aktuelle Daten

In den Daten vom 3.12.2020 (Datenauszug 37) der Bundesnetzagentur werden 33.249 Ladepunkte angegeben, das sind 1.137 (3,4 %) mehr als im Vormonat. Von Oktober auf November war der gemeldete Zuwachs nur schwache 454 Ladepunkte, der Ausbau geht jetzt zu Jahresende wieder etwas schneller voran.

Vergleichen wir diese Zahlen nun wieder mit dem Masterplan der Bundesregierung. Darin waren 50.000 öffentliche Ladepunkte bis Ende 2021 vorgesehen.

Grafik Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in Deutschland 2020
Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in 2020

Das Ergebnis: Der Trend ist eindeutig positiv, liegt aber ca. 10 % unter Plan. Während der Corona-Zeiten ist der Ausbau nicht signifikant zurückgegangen, das ist eindeutig positiv. Etwas mehr Anstrengung ist allerdings noch erforderlich! Ebenfalls zu bedenken: Im Jahr 2022 sollen laut Masterplan noch zusätzliche 100.000 Ladepunkte entstehen. Das ist kein Schreibfehler, tatsächlich enthält der Plan einhunderttausend mehr Ladepunkte innerhalb eines Jahres! Und weitere 100.000 in jedem Folgejahr, bis 2030. Das erscheint nach einem geplanten Zuwachs von etwa 15.000 Ladepunkten im Jahr 2021 als völlig unrealistisch. Eine Steigerung um beinahe das Siebenfache ist praktisch unmöglich.

Ist das der Grund für die recht hastig auf den Markt geworfene Förderung für private Ladepunkte?

Mit den derzeitigen Wachstumsraten bei den Zulassungszahlen von E-Autos wird die Ladeinfrastruktur zunehmend und spürbar zum Flaschenhals, der durch die Schnellladefähigkeit der neuen Modellgenerationen nur wenig entschärft wird.

Entwicklung in Wolfsburg

Von den in Wolfsburg gemeldeten 437 Ladepunkten werden 340 Stück von der VW Kraftwerk GmbH betrieben und sind in den Parkhäusern der Volkswagen AG installiert. Damit stehen sie für die allgemeine Öffentlichkeit nicht ernsthaft zur Verfügung. Aber für den Rest der Welt hat sich die Anzahl der Ladepunkte immerhin von 36 auf 97 fast verdreifacht, dank der 55 neuen Ladepunkte in der renovierten Rathausgarage.

Nahezu unverändert schwach ist das Angebot von einfachen AC-Ladern, die von Hybriden oder auch mal über Nacht genutzt werden könnten. Diese Fahrzeuge findet man zunehmend als Langzeitparker im Umfeld der flexiblen Ladesäulen. Freundlicherweise stehen die meisten dann so, dass sie die CCS-Anschlüsse nicht blockieren, aber es gibt leider auch Ausnahmen.

Ein weiteres Problem: Mit dem Ende von Alpiq am 31.12.2020 bietet nur noch eCharge einen Tarif ohne Zeitkomponente an, um in der Bahnhofsgarage am Hauptbahnhof über längere Zeit laden zu können. Ich hoffe, er bleibt uns erhalten, sonst wäre elektrisches Park & Ride mit der DB vollkommen gestorben.

Die Ladeszene ist also weiterhin in erheblicher Bewegung und jedes Angebot kann monatlich verschwinden oder anders ausgestaltet sein. Das fördert zwar die geistige Beweglichkeit, ist aber der Verbreitung der E-Mobilität eher hinderlich. Für echte Newcomer kann das schon ärgerlich sein.

Mein Lade-Weihnachtswunsch: Mehr Stabilität auf Anbieterseite und Aufholen des Rückstands bei den Ladesäulen!

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Wer mehr lesen möchte: „Das E-Dilemma und die Freude am Fahren

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 2

Aus der Abteilung Wiedergänger

Mit der Anzahl der Ladesäulen in Deutschland hatte ich mich bereits im Juni 2020 beschäftigt und auch auf Goingelectric andiskutiert.

Eine abschließende Erkenntnis gab es nicht, aber vom User GrillSgt gab es den Hinweis, die Daten der Bundesnetzagentur als Autorität heranzuziehen. Dazu kann man Einwände aller Arten vorbringen, aber immerhin, es ist eine amtlich erhobene Zahl, die jeder von der Internet-Präsenz der Bundesnetzagentur herunterladen kann. Man muss auch keine großen Interpretationen vornehmen, sondern kann einfach die Summe der Ladepunkte berechnen.

Also gut: Challenge accepted! Am 15. Juli 2020 wurde die neueste Statistik veröffentlicht.

In den Daten vom 5.5.2020 (Datenauszug 31) fanden sich 26.499 Ladepunkte aller Arten. Im Datenauszug 32 vom 15.7.2020 gab es deren 28.835, also 2.336 mehr Ladepunkte innerhalb von 71 Tagen (ein Plus von 32,9 Ladepunkten pro Tag).

Die gesamte (nominelle) Ladeleistung hat von 763,8 MW auf 845,5 MW (plus 82 MW bzw. 10,9 %) deutlich zugelegt, wobei diese Werte mit Vorsicht zu genießen sind: Die volle Gleichzeitigkeit ist nicht immer gegeben. Bestes Beispiel ist der häufig anzutreffende Triple-Charger: Die Anschlüsse CCS und Chademo schließen einander aus, was aber aus der Liste der Bundesnetzagentur nicht hervorgeht.

Die Anzahl der öffentlichen DC-Ladepunkte ist nur um schwache 28 Stück gestiegen.

Dennoch: Es gibt Fortschritt!

Vergleichen wir diese Zahlen aber auch mit dem Masterplan der Bundesregierung. Zur Erinnerung: Dieser Plan sah 50.000 öffentliche Ladepunkte bis Ende 2021 vor. Die folgende Grafik enthält dieselben Daten, ist aber um die Extrapolationsgerade erweitert.

Man kann bereits mit dem freien Auge feststellen: Die Entwicklung der Ladeinfrastruktur liegt ziemlich exakt im Plan der Bundesregierung, Corona zum Trotz. Das muss man positiv anerkennen!

Der weiteren Verbreitung von E-Autos steht also nichts im Wege! Ich werde den Trend natürlich weiter verfolgen.


Wer mehr lesen möchte: Hier sind alle Informationen zu meinem Buch über Elektromobilität „Das E-Dilemma und die Freude am Fahren“ zu finden.


Ein Verweis zu diesem Text findet sich auch auf dem Blog der Wolfsburger E-Mobilisten.