ID.Polo überzeugt

Auf der eCarExpo in Stockholm konnte ich mir den VW ID.Polo nun in natura ansehen (es muss nicht immer Cybercab sein…). Mein Eindruck ist erfreulich positiv: Volkswagen hat ein Elektroauto aufgestellt, bei dem viele Entscheidungen im Alltag sinnvoll erscheinen.

ID.Polo überzeugt bei der eCarExpo in Stockholm

Auch wenn es merkwürdig wirkt, hinten anzufangen: Der Kofferraum ist ein echtes Highlight. Da hat VW nun wirklich verstanden, dass dieser Raum den Kunden gehört und nicht den Ingenieuren, die das Packaging nicht hinbekommen. Ein derartig tiefer Kofferraum bringt im Zeitalter der SUV-Mikrokofferräume wirklich überzeugenden Nutzwert. Der größere und teurere Hyundai Ioniq 3 kommt mit dem gleichen Ladevolumen wie der ID.Polo. Viele neue Automodelle liefern deutlich weniger.

Auch innerhalb der Familie ist die BEV-Variante im Vorteil: Volkswagen nennt aktuell 441 Liter bei aufgestellten Rücksitzlehnen. Beim Polo mit Verbrennungsmotor sind es hingegen 351 Liter. Überzeugend!

Hier zeigt sich ein handfester Vorteil der MEB+-Plattform mit Frontantrieb: Die Technik sitzt vorn, hinten beansprucht kein Elektromotor den Platz unter dem Gepäckraum. Zusammen mit einer kompakt ausgeführten Hinterachse ermöglicht das den großen Kofferraum.

Dazu kommt die verbesserte Bedienung: Wieder logisch und ohne große Rätsel. Endlich wieder vier Schalter für vier Fensterheber! War denn das wirklich so schwierig?

Die Entscheidung für einen integrierten Türgriff an der Hintertür kann man als akzeptablen Designakzent durchaus hinnehmen. Hoffentlich war die Entscheidung kosteneffektiv, denn sie bricht die angenehm konventionelle Erscheinung ein wenig.

Ansonsten ist das Design des Autos angenehm unaufgeregt. Das war zu erwarten, nachdem im Prinzip die Form des Verbrenner-Polo als innovative Evolution des E-Autos präsentiert wurde und die Resonanz in der Presse und in sozialen Medien positiv war. Man sieht das Auto und vergisst es sofort wieder – das absolute Klassenziel eines Volkswagen!

Auch bei der Bedienung ist der Fortschritt sichtbar. Die separaten Tasten für zentrale Klimafunktionen und der Drehregler für die Lautstärke sind das richtige „Zurück in die Zukunft“. Häufig benötigte Funktionen bekommen wieder Bedienelemente, deren Aufgabe unmittelbar erkennbar ist. Ein Auto darf elektrisch sein und sich trotzdem selbstverständlich bedienen lassen.

Der Innenraum hinterlässt ebenfalls einen guten Eindruck. Gestaltung und Materialanmutung passen für mich zur Preisklasse. Selbst der chinesische oder koreanische Mitbewerb ist nach meinem Eindruck nicht weiter. Das gezeigte Fahrzeug wirkt mit den textilen Überzügen angenehm eingerichtet – zumindest für die kostengünstigen Versionen. Für 44.945 Euro in der Konfiguration „Style, volle Hütte in Schwarz“ ohne Auslieferungskosten (Stand Oktober 2026, Konfiguration VDNXM8DP) reicht das Gebotene allerdings nicht. Daran ändert die aktuelle VW-Kaufprämie nichts.

Das Platzangebot für die Insassen geht für diese Fahrzeuggröße in Ordnung. Hier würde ich mit Superlativen zurückhaltender sein als beim Kofferraum. Der ID.Polo bleibt ein kleines Auto, und entsprechend sollte man ihn beurteilen. Mein Eindruck auf der Messe: Der verfügbare Raum ist vernünftig genutzt. Ob die persönlichen Anforderungen erfüllt werden, lässt sich beim Probesitzen schnell feststellen: Meine Söhne würden hinten nur mit Blutergüssen hineinpassen, die müssten vorne sitzen. Zum Glück passe ich auf die hinteren Plätze.

Zwei Details dämpfen meine Begeisterung allerdings etwas.

Das erste ist das merkwürdig geformte Lenkrad. Der Sinn der oben und unten abgeflachten Kontur erschließt sich mir nicht so recht. Ein klassisch rundes Lenkrad wäre mir lieber. Wie sich die Form beim Rangieren und auf der Straße bewährt, müsste eine Probefahrt zeigen. Ein Lenkrad ist wohl auch reine Gewohnheitssache.

Das zweite ist der fehlende Frunk beim ausgestellten Modell – entgegen ersten Berichten. Ein zusätzliches Fach unter der vorderen Haube wäre gerade für das Ladekabel praktisch. Dort bliebe es erreichbar, wenn der hintere Kofferraum mit Gepäck gefüllt ist. Bei einem ansonsten so überzeugenden Raumkonzept vermisse ich diese Möglichkeit.

Von meinem Besuch bleibt ein insgesamt sehr guter Eindruck. Der ID.Polo verbindet einen bemerkenswert großen Kofferraum mit verständlicherer Bedienung und der Abkehr von Scheininnovationen. Volkswagen hat hier aus meiner Sicht an den richtigen Stellen nachgebessert. Jetzt bin ich gespannt, wie sich dieser positive erste Eindruck im Fahralltag der Kundschaft fortsetzen wird.


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