Der Weiße Riese aus China

Auf der eCarExpo traf ich rasch auf ein ziemlich großes Auto aus chinesischer Produktion: Den E-HS9 von Honqqi in der höchsten Ausstattungsvariante Exclusive, der weiße Riese aus China.

E-HS9 von Honqui, der Weiße Riese aus China

Das Fahrzeug wirkt wie eine weiße Chinesische Mauer und ist ganz offensichtlich primär für den US-amerikanischen Markt gebaut. Die Front erinnert spürbar an ein Design von Rolls Royce oder BMW.

Es gibt Luftfederung, Massagesitze vorne, Vehicle-to-Load-Steckdosen, Soft-Close-Türen, 5 Jahre Garantie, natürlich Allradantrieb mit ausreichend vielen Kilowatt (0-100 km/h: 4,9 Sekunden, bei 200 km/h wird abgeregelt) und Newtonmeter (670 Nm), aber nur 465 Kilometern Normreichweite.

Mit dem typischen Praxisabschlag bleiben etwa 350 Kilometer reale Reichweite im gemischten Betrieb übrig. Das ist kein echter Rekordwert, aber mehr als brauchbar. Über das Ladeverhalten wird elegant geschwiegen.

Zu Beginn dachte ich, dass der Kofferraum unglaublich klein ist, wenn man die Größe des Fahrzeugs betrachtet. Dann allerdings fiel mir auf, dass es eine dritte Sitzreihe im Auto gibt…

Das hat bisher keiner der Hersteller geschafft, der ID.Buzz (ebenfalls auf der Messe vertreten) bot dieses Feature nicht und auch das Tesla Model Y ist die dritte Reihe bisher schuldig geblieben. Aus China kann man sie bekommen und der E-HS9 ist nicht das einzige Fahrzeug aus China mit dritter Sitzreihe.

Der Fahrer hat ein luxuriöses Umfeld, der allerdings ein vollgestopftes Lenkrad mit beladenen Lenkstockhebeln kombiniert. Dazu gibt es noch ein Tastenmenü auf der Mittelkonsole und zwei Touchscreens. Über einen Mangel von Entdeckungsmöglichkeiten währen des Ladevorgangs kann man sich definitiv nicht beklagen.

Der Schalthebel ist leider ein Anachronismus, denn zu schalten gibt es beim E-Auto nichts und so steht er nur mächtig im Weg. Nun gut, für die etwas traditionalistische Kundschaft ist das möglicherweise eine derartig vertrautes Bedienelement, dass man es einfach nicht weglassen möchte, trotz der Kosten.

Auch Klavierlack ist mit an Bord, für seine Funktion als Fingerabdruck-Speicher ideal am Lenkrad positioniert. Auch bei anderen Herstellern ist das Zeug einfach nicht wegzubekommen, insbesondere an Berührungsflächen.

Ein großes Glasdach gibt es mit dazu. Auf dem Bild ist es allerdings gut zu sehen: Der Träger ist so breit, dass die linke Kante des Glasdachs etwa über der Mitte des Lenkrads steht. Die Sicht nach oben ist für den Fahrer unangenehm eingeschränkt, das können andere besser.

Auch der Beifahrer hat einen Bildschirm für seinen persönlichen Unterhaltungsspaß, wie man das heute eben zusätzlich zum Smartphone haben muss. Kein Wunder, weil Lärmschutzwände die Fortbewegung auf der Autobahn optisch immer weniger attraktiv gestalten…

Die Nähte sind tadellos und die Luftdüsen sind perfekt eingebaut, auch wenn es sich hier um ein Showcar des Herstellers handelt.

Die hinteren Türen sind völlig konventionell gestaltet, aber luxuriöser gebaut als bei anderen Herstellern – in China sitzen die wichtigen Menschen in der zweiten Reihe.

So gesehen ist die hintere Mittelkonsole eher langweilig und mit den typischen Basics ausgestattet, Bildschirme sucht man hinten vergeblich.

Der Preis liegt in Schweden bei 1.169.900 Kronen, was optisch viel wirkt. Umgerechnet sind es knapp 105.000 Euro (Listenpreis auf der niederländischen Website von Hongqi: 103.590 Euro als Variante „Business“), also kein echtes Schnäppchen. Zudem wurde die E-Auto-Förderung in Schweden im letzten Jahr abgeschafft.

Die Basisversion Comfort gäbe es in Schweden bereits für 80.300 Euro (Listenpreis auf der niederländischen Website von Hongqi: 83.590 Euro als Variante „Business“), hat allerdings nur die 84 kWh-Batterie (brutto) und 320 kW Leistung, während das teurere Modell 99 kWh (brutto) und 405 kW eingebaut bekommt.

Insgesamt ist der Hongqi E-HS9 eine weitere automobile Schrankwand mit viel Platz und viel Luxus zum stattlichen Preis. Das wird sicher kein Massenmodell, aber das automobile China zeigt mit diesem Auto, was es von den europäischen Premiumherstellern gelernt hat – und das ist eine Menge!


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