Toyota-Mirai-Katastrophe

Wie läuft es derzeit für einen privaten Autokäufer, der den verlockenden Klängen der Politik gefolgt ist und ein Wasserstoffauto erworben hat?

Der Toyota Mirai kostete 78.600 Euro in der Basisausstattung im Jahr 2020, knapp 100.000 Euro nach heutigem Geldwert.

Heute werden viele Fahrzeuge für rund 15.000 Euro angeboten, die billigsten um etwa 7.000 Euro (beispielsweise Erstzulassung März 2020, 47.500 Kilometer). Bei diesem Fahrzeug beträgt der Wertverlust gegenüber dem damaligen Listenpreis über 91 Prozent. Das entspricht rechnerisch durchschnittlich rund 31 Prozent pro Jahr. Die Realität könnte noch unerfreulicher sein, denn der Händlereinkaufspreis ist zwar nicht bekannt, lag vermutlich aber noch einmal deutlich niedriger, bei etwa 4.000 Euro.

Beim Wiederverkaufswert könnte man also von einem nahezu vollständigen Verlust sprechen.

Außerdem: 7.000 Euro sind bestenfalls für einen passenden Nischenkäufer plausibel. Einen verlässlich erzielbaren Marktwert in dieser Höhe belegt das Angebot aber nicht. Entscheidend ist, ob der Käufer das Fahrzeug dauerhaft mit Wasserstoff versorgen kann.

Quelle: AutoUncle.de

Die Versorgungslage ist regional sehr unterschiedlich. H2 Mobility kündigte allein für Ende 2025 die Schließung von 14 Stationen an, darunter Braunschweig, Laatzen und Limburg. Die Station in Hannover-Langenhagen wurde auf h2.live am 25.10.2026 als „außer Betrieb seit mehr als 24 Stunden“ angezeigt. Andererseits bleiben Pkw-Tankstellen bestehen, doch eine flächendeckend gesicherte Versorgung lässt sich daraus nicht ableiten.

Für den genannten Mirai bedeutet das:

  • Mit gut erreichbarer, zuverlässiger Tankstelle und einer Ausweichmöglichkeit können rund 7.000 Euro bei technisch einwandfreiem Zustand vertretbar sein.
  • Bei Abhängigkeit von einer einzigen Tankstelle müsste der Käufer einen erheblichen Risikoabschlag verlangen. Deren Schließung würde die Alltagstauglichkeit praktisch beseitigen.
  • Ohne brauchbare Tankmöglichkeit liegt der persönliche Gebrauchswert als Alltagsauto nahe null. Ein möglicher Weiterverkaufs-, Export- oder Teilewert bleibt davon getrennt.

Bei AutoUncle stehen andere Mirai von 2020 teilweise seit drei bis fünf Monaten. Das zeigt vor allem die Preisvorstellungen der Verkäufer. Tatsächlich abgeschlossene Verkäufe zu diesen Preisen sind damit nicht belegt. Die Einstufung des Angebots als „Superpreis“ würde ich deshalb vorsichtig interpretieren.

Bei den Zulassungen sind zwei Bezugsgrößen zu unterscheiden. Die veröffentlichte, auf KBA-Daten beruhende Jahresreihe ergibt bis Ende 2025 insgesamt 1.297 Neuzulassungen, also rund 1.300 Mirai beider Generationen (Wikipedia).

Eine zusätzliche KBA-Auswertung von Fahrzeugstatistik.de nennt dagegen einen Bestand von 702 Fahrzeugen zum 1. Januar 2026. Dem standen 110 Inserate am 25.10.2026 gegenüber. Damit wurden an diesem Tag etwa 16 Prozent des ausgewiesenen Mirai-Bestands auf dem Markt angeboten, oder mit anderen Worten: Die Eigentümer scheinen zu versuchen, die Fahrzeuge abzustoßen – mit enormen Wertverlusten.

Natürlich: Die Technologie-Pioniere müssen auch manchmal mit erheblichen Verlusten leben. Doch eigentlich war es absehbar, dass der Einsatz von Wasserstoff auf breiter Basis gegen die Gesetze von Physik und Materialtechnik positioniert war.

Wasserstoffautos funktionieren technisch. Doch die hohen Umwandlungsverluste und der Aufwand für die Wasserstoffversorgung waren lange bekannt. Zudem: Auch Brennstoffzellen altern; dabei können Leistung und Wirkungsgrad abnehmen, was jedoch deutlich weniger diskutiert wurde als die Degradation von Antriebsbatterien. Für einen Pkw-Massenmarkt waren das schlechte Voraussetzungen.

All das lässt sich nicht einfach wegfördern oder politisch wegwünschen. Die Zeche zahlen nun jene, die auf diese Versprechen gesetzt haben. Zum Glück sind es nicht allzu viele Betroffene.


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