Der Toyota Mirai ist neben dem Hyundai Nexo eines der beiden noch auf dem Markt befindlichen Wasserstoffautos. Mirai bedeutet auf Japanisch zwar „Zukunft“, doch jetzt ist der Toyota Mirai in Schwierigkeiten.
Gelegentlich sieht man zwar Wasserstoffautos auf unseren Straßen (Nexo, Mirai), sie sind und bleiben aber eine Kuriosität.

Das Konzept reicht zurück zu einem Showcar auf der Japan Motor Show im Jahr 2011. Toyota arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten an der Technologie.
Doch Toyota scheint den Wasserstoffantrieb für Pkw aufzugeben. Der Markt hat sich sehr deutlich für das Elektroauto entschieden.
Die Vorstellung, Wasserstoff könne einfach über das bestehende Erdgasnetz verteilt werden, greift zu kurz. Wasserstoff stellt je nach Rohrmaterial, Druckstufe, Armaturen und angeschlossenen Geräten andere Anforderungen an das Gasnetz als Erdgas. Insbesondere Wasserstoffversprödung und die höhere Durchlässigkeit für Wasserstoff können bei bestimmten Werkstoffen und Komponenten zum Problem werden. Auch die vorhandenen Gasgeräte sind nicht automatisch für beliebige Wasserstoffanteile geeignet.
Ein flächendeckender Umbau des Gasnetzes wäre daher keineswegs eine einfache Beimischung, sondern eine erhebliche technische und wirtschaftliche Aufgabe. Der Austausch sämtlicher vorhandener Gasleitungen bis zum Verbraucher ist wirtschaftlich nicht darstellbar.
Immer weniger Tankstellen
Ohne Leitungsnetz ist aber auch der Betrieb von Wasserstofftankstellen schwierig, aufwendig und teuer. Das bekamen die Mirai-Eigentümerinnen und -Eigentümer in Kalifornien zu spüren.
Manche müssen mittlerweile Wege von 20 Kilometern und mehr in Kauf nehmen, um eine H2-Versorgungsstation zu erreichen. In den USA gab es im Juni 2024 lediglich 52 Wasserstofftankstellen – etwa halb so viele wie in Deutschland auf einem 27,5-mal so großen Gebiet.
Doch auch bei uns sinkt die Anzahl der verfügbaren Wasserstofftankstellen.

Selbst wenn man eine Tankstelle erreicht: Eine Garantie für einen Tankvorgang gibt es nicht. Tankstellen können außer Betrieb oder einfach leer sein, obwohl sie in der Toyota-App als verfügbar angezeigt werden.
Bis Reparaturen abgeschlossen sind oder neuer Treibstoff geliefert wird, können Tage vergehen. An manchen Tankstellen gibt es daher ein Tanklimit von 30 Prozent pro Tankvorgang. Würde es das bei E-Autos geben, wäre die Empörung riesig.
Hinzu kommt: Die Tankleitung friert häufig am Fahrzeug fest und es kann über eine Stunde dauern, bis entweder Personal eintrifft und die Störung beseitigt oder sich die Frostblockade von selbst gelöst hat.
Währenddessen müssen die anderen H2-Autos warten, denn sie haben zumeist zu wenig Restreichweite, um eine andere Tankstelle anzufahren. Daran änderte auch ein 15.000-Dollar-Tankgutschein (richtig, fünfzehntausend!) nichts, den Toyota dem Mirai zur Ankurbelung der Nachfrage mitgab.
Wasserstoff war ohnehin nie billig: Eine Tankfüllung konnte bis zu 200 Dollar kosten (Stand Juni 2024). Damit verursacht der Mirai dreimal so hohe Treibstoffkosten wie ein Pickup-Truck in der Größe des Ford F-150.
Manches davon erinnert an die Anfänge der Elektromobilität, mit einem entscheidenden Unterschied: Das E-Auto kann an jeder Steckdose geladen werden. Das wird es mit Wasserstoff niemals geben.
Der Wertverlust der Wasserstoffautos ist daher enorm. Die Kombination aus teurer Anschaffung, geringer Tankstellendichte, Reichweitenangst durch mangelnde Treibstoffverfügbarkeit und hohen Preisen für H2 zeigt das Ausmaß des Problems. Dennoch wurden die Schwierigkeiten von Händlern heruntergespielt und eine „dem Verbrennerauto ähnliche Nutzererfahrung“ versprochen.
Diese Schönfärberei rächt sich nun, denn viele Eigentümer haben sich zu einer Sammelklage zusammengeschlossen, um den Rückkauf der Autos durch Toyota zu erwirken. Toyota Mirai in Schwierigkeiten! Natürlich hat das Thema auch TikTok erreicht.
Die vielbeschworene Technologieoffenheit ist bei Pkw somit nachweislicher Unsinn. Während das Stromnetz bereits flächendeckend vorhanden ist und für Elektroautos lediglich um zusätzliche Ladepunkte und gegebenenfalls Netzkapazitäten ergänzt werden muss, erfordert Wasserstoff eine eigene Infrastruktur für Erzeugung, Transport, Speicherung und Betankung.
Der Mirai ist damit kein Beleg dafür, dass Wasserstoff technisch nicht funktioniert. Er zeigt vielmehr, wie schwierig es ist, für eine alternative Antriebstechnik gleichzeitig Fahrzeuge, Treibstoffversorgung und Infrastruktur im nötigen Umfang aufzubauen.
Selbst Toyota scheint die äußerst ungünstige Gesamtsituation des H2-Autos erkannt zu haben. Nur in Europa hängen manche Kreise noch immer an dieser Idee.
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