Nur dumm!

Auf dem YouTube-Kanal von nextmove hat Stefan Moeller in den letzten Monaten wiederholt über Kabeldiebstahl an Schnellladesäulen in Leipzig und Umgebung berichtet. Die Schäden sind erheblich. AC-Ladesäulen waren davon bislang nicht betroffen, weil sie in der Regel gar kein fest angeschlagenes Kabel besitzen.

Umso überraschender war es für mich, in Braunschweig auf eine vandalisierte AC-Ladesäule zu stoßen. Auch das Sichtfenster des Energiezählers war übermalt.

Nur dumm: Eine beschmierte Ladesäule in Braunschweig

Ein Blick in die geltenden Vorgaben zeigt immerhin: Der Manipulationsschutz wurde anscheinend nicht verletzt. Die abgerechnete Energiemenge kann weiterhin auf einem digitalen Beleg ausgewiesen werden. Der Betrieb der Ladesäule bleibt damit grundsätzlich zulässig.

Trotzdem ist der Schaden mehr als nur ein optisches Ärgernis. Bei diesem Ladesäulentyp gibt es ohnehin keine separate Preisanzeige. Wenn dann zusätzlich der Status vor Ort nicht mehr erkennbar ist, leidet die Nutzbarkeit unmittelbar.

Worum es hier überhaupt gehen kann, bleibt ein Rätsel für mich.

  • Sollte das eine Form von Kunst sein?
  • Ist es eine nutzlose Bekundung, dass Ladesäulen ein Teil von Deutschland sind?
  • Ist es Protest gegen die Elektromobilität an sich?
  • Protest gegen das Establishment oder die Energiebranche?
  • Kapitalismuskritik?

Das wirkt alles konstruiert. Nein, hier handelt es sich um Vandalismus, Sachbeschädigung und damit Kriminalität. Hier werden normale Menschen negativ getroffen, die einfach nur ihr Fahrzeug laden wollen und auf funktionierende Infrastruktur angewiesen sind.

Die Beseitigung des Schadens wird viel Geld kosten und zu Lasten der Ladepreise gehen.

Der öffentliche Raum kann nicht als Spielwiese für Unsinn, allgemeiner Mülleimer und Projektionsfläche für Frust und Beliebigkeit herhalten.

Der Vergleich mit Japan drängt sich auf: Öffentliche Räume werden dort nicht als Ort individueller Entfaltung verstanden, sondern als gemeinsam genutzter Raum, in dem man andere möglichst wenig beeinträchtigen soll. Dazu kommt ein starkes Verantwortungsgefühl für Ordnung und Sauberkeit des gemeinsam genutzten Raums: Man nimmt Müll mit sich, hinterlässt Plätze ordentlich für die nächste Person und behandelt die Umgebung pfleglich. Nicht aus Romantik, sondern aus Respekt vor den Mitmenschen.

Genau dieser Respekt scheint in Deutschland an manchen Stellen verloren zu gehen.

Unabhängig davon: Das Beschmieren von Ladesäulen ist nicht originell, nicht mutig und nicht rebellisch. Es ist einfach nur dumm.


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