Nun ist der ID.Polo schon ordentlich durch die Presse gegangen und jeder mehr oder minder ernsthafte YouTuber hat Videos dazu abgesetzt. Ist der ID.Polo interessant? Wie würde ich ihn kaufen?

Zunächst einmal: der ID.Polo hat die Optik der ID-Familie verbessert. Volkswagen hat verstanden, dass ein Elektroauto nicht herausschreien muss, ein Elektroauto zu sein. Kein Wunder, dass die sehr konventionell aussehenden E-Autos von Renault und Tesla den Markt aufbereitet haben und nicht die „UFOs“.
Was hat VW noch dazugelernt? Ganz entscheidend: Dass der Raum im Auto den Kunden gehört und nicht der Technik.
So gibt es nun endlich viel mehr Platz im Heck durch eine tiefe Wanne im Kofferraumboden und einen Frunk in Kleinstausführung. Die platzfressende Technik des MEB+ im Vorderwagen ließ keine größere Lösung zu, doch immerhin hat es für ca. 22 Liter gereicht – ein Anfang!

Dass der Innenraum nun bedeutend gemütlicher und ergonomischer gestaltet wurde, ist hinlänglich bekannt.
Ein ernsthaftes Angebot ist das Auto tatsächlich.
Wie würde ich ihn kaufen?
Für mich gibt es dafür zwei Möglichkeiten.
Günstiges Stadtauto
Dafür gibt es die schwächste Variante mit der kleinen Batteriekapazität von 37 kWh für eine WLTP-Reichweite von 334 Kilometern. Mit dem Optimismus-Abschlag vom WLTP von etwa 20 Prozent und nochmal 20 Prozent für batterieschonende Zyklen bleiben etwa 215 Kilometer übrig.
Das wirkt nicht gewaltig, ist aber schon sehr brauchbar und bedeutet die doppelte Reichweite gegenüber bisher verfügbaren Stadtautos vom Typ Renault Twingo (vorherige dritte Generation) oder Smart Forfour.
Als Ausstattung „Trend“ kostet das Auto die publizierten 24.995 Euro. Die Ausstattung ist in Ordnung und der wichtige CCS-Anschluss ist ohne Aufpreis dabei. 17-Zoll-Stahlräder passen perfekt zum Energiesparen.
Die kostenlose Farbe „Pythongelb Metallic“ rückt das Auto in Richtung Zitrone, aber macht es hoffentlich nicht zur „Lemon“. Für ein Spar-Auto würde ich bei dieser Farbe bleiben. Mit 420 bis 690 Euro kann man neben dunkelblau eine Farbe aus dem „deutschen Auto-Regenbogen“ (weiß, silber, dunkelgrau, schwarz) wählen.
Diese vier Extras wären bei mir mit dabei:
- Die Wärmepumpenfunktion. Mit 990 Euro ist sie geradezu unverschämt teuer, hilft aber bei der Nutzung der knappen Batteriekapazität und spart Energie. In meinem Ratgeber „Umstieg aufs Elektroauto“ habe ich vorgerechnet, dass man in Summe über ein typisches Autoleben finanziell kaum Gewinn hat, aber die Nutzbarkeit des Autos steigt spürbar.
- Das Winterpaket. Für 545 Euro bedeutet es nicht nur Komfort, sondern auch eine Möglichkeit zum Energiesparen, wenn man nicht unbedingt das ganze Auto, sondern nur die Sitze und das Lenkrad heizt. Besonders für Kurzstrecken und in der Übergangszeit eine echte Reichweitenverlängerung.
- Wireless Connect für Apple Carplay bzw. Android Auto. Nachdem in der Basisversion kein Navi enthalten ist, kann man für 225 Euro das eigene Mobiltelefon komfortabler nutzen.
- Assistenzpaket ACC. Der adaptive Tempomat für 380 Euro kann in vielen Fahrsituationen entlasten. Bei VW enthält das Paket auch einen Kreuzungswarner, der zur Sicherheit beiträgt. Ich bin ein intensiver Tempomat-Nutzer und würde auch in einem Stadtauto nicht darauf verzichten wollen. Angenehmerweise bietet VW diese Option auch im absoluten Basismodell.
Mit 2.140 Euro für die vier Extras stehen dann 27.135 Euro unter dem Strich. Für die Ausstattung „Trend“ gibt es derzeit zwar keine ID.Kaufprämie und die Händler werden da nicht mehr sehr viel an Nachlass zu bieten haben, aber die staatliche Förderung wie für jedes neu zugelassene Elektroauto gibt es für förderberechtigte Kundschaft.
Kommen wir aber nun zur zweiten Option.
Kompakter Komfort
Dass auch betuchtere Klientel mit kompakten Autos unterwegs sein möchte, haben der Erfolg des Mini und auch des konventionellen Polo bewiesen.
Volkswagen ist das selbstverständlich nicht verborgen geblieben und bietet dafür die Ausstattungsvariante „Style“. In Kombination mit der größeren Batterie mit 52 kWh Energieinhalt und den serienmäßigen 17-Zoll-Rädern kommt das Auto mit 452 Kilometern Reichweite nach WLTP. Mit dem Abschlag von zweimal 20 Prozent (siehe oben) ergeben sich 290 Kilometer Praxisreichweite.
Dazu – natürlich! – die Wärmepumpenfunktion für 990 Euro, eine Wunschfarbe für 690 Euro, das Navi für 750 Euro und die abgedunkelten Heckscheiben für 300 Euro tragen zum Energiesparen und zum Komfort bei.
Ob man nun die elektrisch verstellbaren Massagesitze für 750 Euro bei einem Auto ohne echte Langstreckenfähigkeit benötigt, darf jeder für sich entscheiden – ich würde sie nicht kaufen.
Mit diesem Extra würde man auch bereits die 40.000 Euro-Schwelle überspringen. Den Preis eines Tesla Model Y in Standardausstattung (= kostengünstig ausgeführt) um 38.970 Euro mit 534 Kilometern WLTP-Reichweite hat man ohnehin bereits deutlich hinter sich gelassen.
Aber wie bereits erwähnt: Viele möchten ein kompaktes Auto fahren und keine SUV-Kiste.
Immerhin gibt es die ID.Kaufprämie (vermutlich etwa 2.000 Euro) und der Händler legt möglicherweise auch noch einen Rabatt dazu. Staatliche Kaufpräme gibt es für Berechtigte ebenfalls.
Fazit
Auch wenn Volkswagen das möglicherweise nicht gerne hört: Ich halte die Variante „Günstiges Stadtauto“ für den besten Deal.
In Preishöhen von 40.000 Euro gibt es starke Konkurrenz aus dem eigenen Haus, aber auch von anderen Herstellern. Klarerweise sind die nicht alle besser als der ID.Polo, im Gegenteil. Doch die Luft wird schon deutlich dünner.
Allerdings: Derzeit gibt es auch sehr gute Leasingangebote von VW, die einen höheren Preis durchaus wieder ausbügeln können.
Auf jeden Fall: Ich wünsche dem ID.Polo viel Erfolg!
Schreibe einen Kommentar