Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 6

Bisherige Folgen:



Letzte Woche erschien die neue Ladesäulenliste der Bundesnetzagentur, datiert mit 1. November 2021. Mit diesen Daten gibt es eine hervorragende Basis für die Hochrechnung zu Jahresende.

Die gute Nachricht: Der Ausbau hat sich leicht beschleunigt (3 Prozent Zuwachs anstatt 2,1 Prozent im Monat davor). Der Anschlusswert ist auf 1,3 GW gestiegen, ein Plus von 3,7 Prozent.

Wieviele Ladesäulen hat Deutschland?

Das bedeutet, dass der Anteil von Schnellladeanschlüssen in dieser zurückliegenden Periode relativ gesehen hoch war: Von den 1.346 zusätzlichen Ladepunkten waren 377 Stück DC-Ladepunkte. Durch die hohe Ladeleistung treiben sie den Anschlusswert wesentlich stärker hoch als zusätzliche AC-Ladepunkte. Diese sind nahezu durchwegs 22 kW-Anschlüsse, neue 43 kW-Ladepunkte finden sich kaum mehr. Für AC gilt mittlerweile: Öffentliche Ladepunkte haben maximal 22 kW, private Ladepunkte aufgrund des ausgelaufenen Förderprogramms 11 kW.

Nach wie vor sind keine Tesla-Ladepunkte in der Liste der Bundesnetzagentur aufgeführt. Ich nehme an, wenn es wirklich zu einer Netzöffnung in Deutschland kommt, dann werden die allgemein zugänglichen Ladepunkte auch bei der Bundesnetzagentur registriert werden. Das wäre ein guter Sprung vorwärts, den ich aber nicht mehr für 2021 erwarte. Um überhaupt noch in der nächsten Ausgabe im Dezember 2021 zu landen, müsste Tesla seine Ladesäulen in den nächsten drei Wochen registrieren – das finde ich unwahrscheinlich.

Kommen wir aber zur schlechten Nachricht: Der Ladesäulenausbau wird absehbar das Ziel des Masterplans Ladeinfrastruktur der Bundesregierung von 50.000 Ladepunkten zum Ende 2021 verfehlen, um etwa 2.500 Ladepunkte oder 5 Prozent.

Das alleine wäre in Zeiten von COVID-19 durchaus verständlich und entschuldbar. Das Problem allerdings: Im Masterplan ist im kommenden Jahr ein Zuwachs von 100.000 Ladepunkten vorgesehen! In den zurückliegenden 12 Monaten wurden jedoch nur 13.434 neue Ladepunkte in Betrieb genommen, es müsste 2022 also ein mehr als sieben Mal erhöhter Ausbau stattfinden.

Ist das denkbar? Ich würde sagen: eine derartige Steigerung ist praktisch ausgeschlossen.


Wolfsburg Special:

In den vergangenen drei Monaten hat es in der Statistik keine nennenswerten Veränderungen gegeben. Die zusätzlichen vier Schnelllader am fünften IONITY-Ladepark in Kästorf sind erst vor zwei Wochen in Betrieb gegangen und fehlen wohl deshalb noch in der Liste.


Bisherige Folgen:

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 1

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 2

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 3

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 4

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 5

Tesla Logo

35 Prozent der Teile von Tesla sind deutsch

In meinem Beitrag über meine Entscheidung Volkswagen ID.3 vs. Tesla Model 3 habe ich angesprochen, dass das Modell von Tesla zu einem erheblichen Teil aus deutscher Technologie besteht. Nun haben wir dazu eine konkrete Zahl: 35 Prozent der Teile von Tesla sind deutsch.

In einer neuen Studie von Prof. Dr. Jan-Philipp Büchler von der Fachhochschule Dortmund hat das nun eindrucksvoll und wissenschaftlich bestätigt: 35 Prozent der Teile stammt von deutschen Unternehmen, die vielfach vollkommen unbekannt sind. Es handelt sich also um die typischen „Hidden Champions“, die in der Lieferkette von Tesla mithalten können.

Bild: Prof. Dr. Jan-Philipp Büchler

In der Studie, die als Vorabdruck veröffentlicht wurde, werden auch einige weitere Strategien von Tesla analysiert. Beispielsweise übernimmt Tesla gezielt Lieferanten, um sich einerseits den Zugang zu deren Leistungen zu sichern, andererseits aber auch um den Mitbewerb davon abzuschneiden.

So wird das Beispiel der Übernahme von Grohmann Engineering als Beispiel angegeben. Nach der Übernahme kündigte das Unternehmen alle Verträge mit Mercedes Benz, was 2019 zu einem akuten Lieferengpass beim Modell EQC führte.

Das war sicher nicht die Hauptmotivation für die Übernahme, aber sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt. Letztlich ist das auch das Designprinzip eines erfolgreichen Autoherstellers: Jedes Teil muss mehrere Funktionen ausführen und damit einen Mehrwert zusätzlich zur Einzelfunktion schaffen.

Die Strategie geht also weit darüber hinaus, Autos in einigen Stunden weniger herzustellen als der Mitbewerb.  Volkswagen plant eine komplett neue Fabrikshalle für E-Autos in Wolfsburg, aber ist das wirklich der entscheidende nächste Schritt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit? Oder sieht es nur gut nach außen aus und simuliert einen Fortschritt gegenüber dem Tesla-Werk in Grünheide, den es in Wirklichkeit nicht gibt? VWs Transformation kann nicht nur in neuen Hallen bestehen.

Die Zukunft wird es zeigen und das Match bleibt spannend und ich weiß nur zu gut, wie aufreibend dieser Weg ist: Auch in der Signaltechnik hat sich der Fokus von Mechanik und Relais zu enorm Software-lastigen Systemen gewandelt, die aus Millionen Codezeilen zusammengesetzt sind. Viele Hersteller sind dafür nicht ideal positioniert: Management und Belegschaft kommt vielfach nicht aus dem Bereich Software und die derzeitigen EntscheidungsträgerInnen haben die technische Ebene verlassen, als Relais noch innovativ waren oder – schlimmer – haben überhaupt keinen technischen Background. Ich übertreibe an dieser Stelle sicherlich, aber das Grundprinzip stimmt einigermaßen.

Mutmaßlich ist das bei den OEMs auch nicht fundamental anders und das Umlernen ist weder einfach noch reibungsfrei oder gar ein kurzfristiger Prozess. Zusätzliche Heerscharen von im Schnellsiedeverfahren angelernten Softwerkerinnen helfen bei dieser Herausforderung nicht unbedingt weiter, auch wenn sie ein Teil der Lösung sein können.

Tiefes organisatorisches Wissen und Verhalten lässt sich leider nicht beliebig rasch in ein System hineinbefehlen, selbst wenn es das Gehorchen gut gelernt hat. Oder gerade dann. Agilität lässt sich nicht verordnen, sie muss kooperativ wachsen können.

Als zertifizierter Scrum Master möchte ich den Blick darauf lenken, dass sich die Werte des Manifest für Agile Softwareentwicklung („Agile Manifesto“) um Humanität, Individualität und systemische Dynamik drehen, nicht um Befehlshierarchien, „Command and Control“-Strukturen oder rigide Formalismen.

Oder VW geht den Weg der britischen Monarchie: Immer noch vorhanden, aber zunehmend weniger ernst genommen…

Supercharger Wolfsburg am Samstag

Supercharger Wolfsburg am Samstag

Auch am Samstagnachmittag wird am Supercharger Wolfsburg gearbeitet: Tesla möchte den ganz offensichtlich rasch in Betrieb bringen. Nach den Fundamenten stehen nun auch die Ladesäulen, die Anschlüsse sind erledigt. Auch die Platzbeleuchtung ist gestellt und die letzten Pflasterarbeiten finden statt. Die Inbetriebnahme im November sollte klappen! Anstelle der angekündigten 30 Ladepunkte werden es aber vorerst lediglich 12 Stück, aber dafür alle V3. Jedenfalls ist das eine deutliche Verbesserung der Ladeinfrastruktur am der A2.

Supercharger Wolfsburg am Samstag

Auch die Allego-Ladesäulen am hinteren Ende der Fläche stehen bereits. Dem Vernehmen nach wird es neben CCS-Anschlüssen auch einen CHAdeMO-Ladepunkt geben.

Das ist aber noch nicht alles in Lehre! Auch die beiden Ladesäulen beim Burger King stehen bereits, sind aber noch in Plastikfolie verpackt. Das geplante Dach steht allerdings noch nicht. Auch dort wird es neben vier CCS-Ladepunkten auch einen CHAdeMO-Anschluss geben (geteilt mit einem der CCS-Anschlüsse).

Klar ist aber nun: Einen Typ 2-Anschluss wird es in Lehre auf Sicht nicht geben, Fahrzeuge ohne CCS-Anschluss geraten in der öffentlichen Ladeinfrastruktur zunehmend in Schwierigkeiten. Die Sinnhaftigkeit des Nachladens von Hybriden auf der Langstrecke kann man diskutieren – die Ladeleistung ist einfach zu gering. Deshalb geht auch bei diesen Fahrzeugen der Trend zum CCS-Anschluss (z.B. Audi Q5 55 TFSI e quattro, BMW 330e iPerformance, Mercedes-Benz E 350 e).

Für E-Auto-Käufer bedeutet das auf jeden Fall: CCS-Anschluss unbedingt mitkaufen, auch wenn es etwas mehr Geld kostet.

Korrektur vom 13.11.2021: Es gibt doch zwei Typ 2-Anschlüsse! Mehr dazu im Update!

Tesla Supercharger Wolfsburg Update

Tesla Supercharger Wolfsburg Update

Der Bau des Tesla Supercharger Wolfsburg geht voran!

Die Podeste für die Ladesäulen stehen bereits, die Kabel sind verlegt. Derzeit sieht es nach 21 Ladepunkten aus, angeordnet in drei Reihen zu jeweils sieben Ladepunkten.

Aufbau des Tesla-Superchargers Wolfsburg

Interessant: Die Ladepunkte stehen nicht mehr hinter dem Parkplatz, sondern sind seitlich zwischen den Stellflächen. Ist das ein Ausblick auf die Verwendung durch andere E-Autos, die nicht von Tesla kommen?

Damit können Fahrzeuge mit seitlichem CCS-Anschluss (z.B. alles von Audi, Volkswagen, Mercedes, BMW oder auch Peugeot) angeschlossen werden, ohne zwei oder drei Stellplätze zu blockieren.

Auf der Restfläche daneben werden anscheinend die anderen Ladepunkte anderer Betreiber installiert. Der alte Triple-Charger ist damit aber wohl Geschichte und damit auch das AC-Laden in Lehre.

Im Hintergrund ist noch der Flüssiggas-Behälter der angrenzenden Shell-Tankstelle zu sehen – ein Monument der Vergangenheit!

Bei Tesla ist der neue Supercharger bereits verzeichnet, allerdings wurde das Fertigstellungsdatum von Q3/2021 auf Q4 verschoben. Bis dahin können Durchreisende aller Fabrikate an einem der vier 300 kW-Superschnelllader von Aral (Hansestraße 47, Braunschweig) laden. Die befinden sich etwa zehn Kilometer entfernt ebenfalls an der A2, also tatsächlich in Braunschweig. So wie der Supercharger Wolfsburg auch 😉

Adieu Flexible Ladesäulen

Adieu Flexible Ladesäulen

Fast zwei Jahre lang haben sie das Ortsbild in Wolfsburg mitgeprägt und die elektrifizierten Autoströme magisch angezogen: Die Flexiblen Ladesäulen in Wolfsburg. Nun ist die Zeit des Abschieds gekommen…

Sie haben zum Stadtbild gehört und man konnte sich kaum vorstellen, dass sie eines Tages verschwinden würden. Obwohl es immer klar war, dass es nur ein Gastspiel auf Zeit werden würde: 80 Wochen Einsatz war der Plan, einige wenige mehr sind es dann geworden.

Volkswagen hatte sie beschafft und dann der Stadt Wolfsburg zur weiteren Verwendung geschenkt. Ursprünglich hießen sie Mobile Ladesäulen und waren sie für den Einsatz bei Veranstaltungen vorgesehen, die aber Corona-bedingt niemals stattgefunden haben. Also wurden die Geräte in der Stadt verteilt: Sie standen bei Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und in Wohngebieten.

Auf jeden Fall haben die Betreiber schnell bemerkt: Die Nachfrage war riesig! Innerhalb der ersten drei Tage nach der Installation waren sämtliche Ladesäulen leer und mussten eilig mit Stromanschlüssen zum Nachladen ausgestattet werden. Trotzdem konnte sie per CCS häufig innerhalb weniger Minuten entleert werden, Rotlicht war die Folge.

Flexible Ladesäule in Wolfsburg - leer

Mein erster Ladevorgang an einer Flexiblen Ladesäule fand übrigens am 29. November 2019 um 16:00 statt. Lange ist es her! Prompt hatte der Zoe sie damals abgeschossen – danach Dark Mode… Mein bisher letzter Ladevorgang erfolgte am 27. Juni 2021, an derselben Säule an der E-Tankstelle.

Ausgefallene Flexible Ladesäule in Wolfsburg

Häufig fand man die Flexible Ladesäule umringt von Ladewilligen vor, beliebt wie nur wenige Einrichtungen in Wolfsburg!

Flexible Ladesäule in Wolfsburg in Vollauslastung

Erst spät habe ich gelernt, dass eine Flexible Ladesäule auch blau leuchten kann, nämlich während des etwa zweiminütigen Bootvorgangs. Eines Abends gelang es mir, diesen seltenen Zustand in Detmerode einzufangen.

Nach einem Bericht des Wolfsburger Kuriers wurden in 70.000 Ladevorgängen 930 MWh abgegeben. Bei einem Haushaltstarif von 30 Cent entspricht das etwa 280.000 Euro an Stromkosten, bei 4 Cent Gewerbetarif immerhin noch 38.000 Euro!

Mein Dank gilt allen Unternehmen, die dafür aufgekommen sind – sie werden uns in positiver Erinnerung bleiben! Nun ist dieses Wolfsburger Kapitel zu Ende und hoffentlich haben möglichst viele ihre KfW-geförderten Wallboxen mittlerweile installiert…

Außerdem denke ich mit Zuneigung an die e-Pyranha-App von Yannik Weißflog zurück, die den Umgang mit Gratisstrom mit einem der gefräßigsten Schwarmtiere dieser Erde versinnbildlichte. Sinkt das Verhalten von E-Mobilisten tatsächlich auf dieses Niveau, sobald der Strom kostenlos ist? Diese Diskussion bei goingelectric lässt es tatsächlich vermuten 😉

Lade-App e-Pyranha

Wer noch die letzte Vertreterin dieser vergangenen Lademöglichkeit besuchen möchte: Auf dem Parkplatz der Autostadt kann die Flexible Ladesäule noch bestaunt werden. Wer weiß, wie lange noch!

Tesla Model 3 an der Flexiblen Ladesäule in Wolfsburg

Adieu, Flexible Ladesäule – wir werden dein einladendes grünes Leuchten vermissen! Vielleicht tauchst du irgendwann wieder auf…