Ladepunkte in Wolfsburg

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 4

Vorgeschichte

Mit der Anzahl der Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland hatte ich mich bereits im Juni 2020 beschäftigt und auch auf Goingelectric andiskutiert. User GrillSgt gab es den Hinweis, die Daten der Bundesnetzagentur als Autorität heranzuziehen. Ich bleibe weiterhin bei dieser Datenquelle.

Aktuelle Daten der Ladepunkte in Deutschland

Wie sehen die aktuellen Daten also aus?

Die Februar-Statistik zeigt einen erfreulichen Anstieg von Januar 2021 zu Februar 2021: 6,7 % mehr Ladepunkte, 9,8 % mehr Ladeleistung deutschlandweit. Die kombinierte Ladeleistung aller Ladepunkt hat mit 1.011 kW zum ersten Mal die Hürde von einem Gigawatt übersprungen.

Selbst wenn das eine sehr vereinfachte Rechnung ist: Bei einer Ladeleistung von 11 kW könnten mit dieser Ladeleistung über 93.000 Elektroautos gleichzeitig geladen werden. Selbst wenn ein Ladevorgang vier oder fünf Stunden dauern sollte, ist damit Raum für eine halbe Million Elektroautos, jeden Tag vollgeladen. Oder 1,2 Millionen Fahrzeugkilometer täglich. Oder ausreichend für mehr als 44 Milliarden Kilometer Fahrleistung pro Jahr.

Sehr markant zugelegt haben die DC-Ladepunkte: Nach einem sehr schwachen Plus im Januar 2021 von lediglich 102 Ladepunkten, gab es im Februar einen Sprung um 889 Stück – mehr als acht Mal mehr. Es könnte somit eine erhebliche Anzahl von Nachmeldungen enthalten sein. Wir werden in den März-Zahlen sehen können, ob diese hohe Steigerungsrate dauerhaft gehalten werden kann. Das wäre doch sehr schön!

Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in Deutschland seit Mai 2020
Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in Deutschland seit Mai 2020

Entwicklung der Ladepunkte in Deutschland

Die Steigerung der Anzahl der Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland ist größer als in früheren Monaten, aber nach wie vor zu gering, um die 50.000 Ladepunkte mit Jahresende 2021 erreichen zu können, 46.500 ist die wahrscheinlichere Zahl.

Man könnte nun argumentieren, dass die geringeren Steigerungen 2020 die Extrapolation für 2021 negativ verzerren, also zu pessimistisch sind.

Kein Problem, sehen wir uns die Daten für 2021 an, die beiden Datenpunkte von Januar und Februar reichen zum Glück für eine Trendlinie aus.

Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte für 2021
Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte für 2021

Mit diesem Datenschnitt reicht die Steigerung aus, um sogar über 60.000 Ladepunkte im Dezember 2021 zu erreichen. Dafür müssen Zuwächse lediglich auf dem derzeitigen Niveau bleiben!

Für 2022 wird es jedoch nochmal deutlich schwieriger, denn bereits dann soll der jährliche Zuwachs zumindest 100.000 Ladepunkte ausmachen. Das wird nicht einfach, aber noch ist es möglich…

Wolfsburg Special

Zwei neue Ladepunkte wurden in Wolfsburg im Verzeichnis der Bundesnetzagentur eingetragen, aufgebaut vom Autohaus Koller, in der Wolfsburger Straße 22 in – erraten – Wolfsburg. Mehr Wolfsburg geht heute nicht mehr 😉

Was bisher geschah

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 1
Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 2
Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 3


Laden in Wolfsburg: Bitte vor den Vorhang!

Laden in Wolfsburg: Bitte vor den Vorhang!

Wo stehen wir?

In 2020 hat sich in der Ladeinfrastruktur vieles getan, einiges erfreulich und manches weniger angenehm: Der Maingau-Gau, die Einführung der ENBW-Zeitgebühr, Installation der Tesla V3-Lader, Eröffnung des Ladeparks Hilden, neue Ladeparks und Ladesäulen (aber immer noch zu wenige), eine schwache EEG-Gesetzesnovelle, eine neue Förderung privater Ladesäulen, aber auch generelle Kostenerhöhungen beim Fahrstrom. Im Handel hat sich beim Laden in Wolfsburg hingegen nicht viel weiterentwickelt.

Es ist erfreulich, wenn Firmen ihren Kunden kostenlose Lademöglichkeiten zur Verfügung stellen. Die bei Standorten mit hoher Kundenfrequenz aufgestellten “Flexiblen Ladesäulen” waren in Wolfsburg ein Fortschritt. Sie haben praktisch über Nacht an einem Dutzend Standorte zwei schnelle CCS-Ladepunkte (bis 100 kW) und zwei AC-Ladepunkte (bis 22 kW) realisiert. Nach der ersten Überraschung (Ladesäule nach zwei Tagen leer) wurden sie mit Nachspeisungen aus dem Stromnetz versehen. Damit wurde aber auch das Problem dieses Konzepts offensichtlich: Mit den Schnellladern können in kürzester Zeit wesentlich größere Energiemengen abgesaugt werden als die Nachspeisung liefern kann. Dementsprechend sind die flexiblen Ladesäulen häufig leer.

Diese Schnelllader haben gefühlt eine größere Menge von „Ladetouristen“ angezogen, die häufig schon zu frühen Tageszeiten die Ladesäule per CCS entleeren. Dabei ist es egal, ob sie dabei z.B. tatsächlich einkaufen oder das zugehörige Restaurant wirklich besuchen, oder nicht. Mein Eindruck ist allerdings, dass doch relativ viele nur zum Laden und nicht zum Shopping kommen. Damit ist dieses Konzept eigentlich gescheitert: Die Ladesäulen liefern große Energiemengen, ohne dass das dahinterliegende Unternehmen damit Umsätze generiert, andererseits weil die Ladesäulen nicht zuverlässig verfügbar sind.

Ein neues Angebot

Szenenwechsel zum brandneuen Edeka Center in Wolfsburg-Tiergartenbreite: Dort wurden 10 AC-Ladepunkte mit einer Leistung von jeweils 22 kW installiert und das Laden in Wolfsburg vorwärts gebracht.

Ladepunkte im Edeka-Center Teichbreite in Wolfsburg
Ladepunkte im Edeka Center Teichbreite

Selbst im vorweihnachtlichen Einkaufstrubel waren sie niemals alle belegt. AC-Anschlüsse bieten keinen großen Anreiz für Schnellladetouristen. Bei zehn Ladepunkten fallen ein oder zwei ohnehin nicht besonders auf! Das war in 2020 wohl die einzige Neuinstallation einer für Kunden kostenlosen Ladeanlage durch ein Unternehmen in Wolfsburg… Und das kann man nicht positiv genug hervorheben. Danke Edeka Center Wolfsburg Teichbreite!

Mein Lade-Neujahrswunsch: Mehr davon, bitte!

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Wer mehr lesen möchte: „Das E-Dilemma und die Freude am Fahren“ zu finden.

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 3

Vorgeschichte

Mit der Anzahl der Ladesäulen in Deutschland hatte ich mich bereits im Juni 2020 beschäftigt und auch auf Goingelectric andiskutiert und zwischendurch in Teil 2 aktualisiert.

Damals war ich optimistisch. Jetzt zu Jahresende können wir sehen, was erreicht wurde.

Aktuelle Daten

In den Daten vom 3.12.2020 (Datenauszug 37) der Bundesnetzagentur werden 33.249 Ladepunkte angegeben, das sind 1.137 (3,4 %) mehr als im Vormonat. Von Oktober auf November war der gemeldete Zuwachs nur schwache 454 Ladepunkte, der Ausbau geht jetzt zu Jahresende wieder etwas schneller voran.

Vergleichen wir diese Zahlen nun wieder mit dem Masterplan der Bundesregierung. Darin waren 50.000 öffentliche Ladepunkte bis Ende 2021 vorgesehen.

Grafik Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in Deutschland 2020
Entwicklung der Ladesäulen und Ladepunkte in 2020

Das Ergebnis: Der Trend ist eindeutig positiv, liegt aber ca. 10 % unter Plan. Während der Corona-Zeiten ist der Ausbau nicht signifikant zurückgegangen, das ist eindeutig positiv. Etwas mehr Anstrengung ist allerdings noch erforderlich! Ebenfalls zu bedenken: Im Jahr 2022 sollen laut Masterplan noch zusätzliche 100.000 Ladepunkte entstehen. Das ist kein Schreibfehler, tatsächlich enthält der Plan einhunderttausend mehr Ladepunkte innerhalb eines Jahres! Und weitere 100.000 in jedem Folgejahr, bis 2030. Das erscheint nach einem geplanten Zuwachs von etwa 15.000 Ladepunkten im Jahr 2021 als völlig unrealistisch. Eine Steigerung um beinahe das Siebenfache ist praktisch unmöglich.

Ist das der Grund für die recht hastig auf den Markt geworfene Förderung für private Ladepunkte?

Mit den derzeitigen Wachstumsraten bei den Zulassungszahlen von E-Autos wird die Ladeinfrastruktur zunehmend und spürbar zum Flaschenhals, der durch die Schnellladefähigkeit der neuen Modellgenerationen nur wenig entschärft wird.

Entwicklung in Wolfsburg

Von den in Wolfsburg gemeldeten 437 Ladepunkten werden 340 Stück von der VW Kraftwerk GmbH betrieben und sind in den Parkhäusern der Volkswagen AG installiert. Damit stehen sie für die allgemeine Öffentlichkeit nicht ernsthaft zur Verfügung. Aber für den Rest der Welt hat sich die Anzahl der Ladepunkte immerhin von 36 auf 97 fast verdreifacht, dank der 55 neuen Ladepunkte in der renovierten Rathausgarage.

Nahezu unverändert schwach ist das Angebot von einfachen AC-Ladern, die von Hybriden oder auch mal über Nacht genutzt werden könnten. Diese Fahrzeuge findet man zunehmend als Langzeitparker im Umfeld der flexiblen Ladesäulen. Freundlicherweise stehen die meisten dann so, dass sie die CCS-Anschlüsse nicht blockieren, aber es gibt leider auch Ausnahmen.

Ein weiteres Problem: Mit dem Ende von Alpiq am 31.12.2020 bietet nur noch eCharge einen Tarif ohne Zeitkomponente an, um in der Bahnhofsgarage am Hauptbahnhof über längere Zeit laden zu können. Ich hoffe, er bleibt uns erhalten, sonst wäre elektrisches Park & Ride mit der DB vollkommen gestorben.

Die Ladeszene ist also weiterhin in erheblicher Bewegung und jedes Angebot kann monatlich verschwinden oder anders ausgestaltet sein. Das fördert zwar die geistige Beweglichkeit, ist aber der Verbreitung der E-Mobilität eher hinderlich. Für echte Newcomer kann das schon ärgerlich sein.

Mein Lade-Weihnachtswunsch: Mehr Stabilität auf Anbieterseite und Aufholen des Rückstands bei den Ladesäulen!

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Wer mehr lesen möchte: „Das E-Dilemma und die Freude am Fahren

Ladepark Hilden im ID.3

Ladepark Hilden im ID.3

Wie es begann

Für uns ist das die Standard-Tour mit jedem Elektroauto. Also auch mit dem ID.3: Die Fahrt zum Ladepark Hilden steht an!

Andere Fahrten nach Hilden zum Nachlesen:
Hilden mit dem Tesla Model 3
Hilden mit dem Renault Zoe

Nun hatte Oliver überraschend seinen ID.3 bekommen: Nachdem sein Autohändler den Liefertermin im ersten Quartal 2021 angegeben hatte, kam vier Tage nach dieser Information die Nachricht, das Auto wäre bereits zur Anmeldung angeliefert worden. Das bedeutet, dass das Fahrzeug mindestens zwei Wochen vorher gefertigt worden sein musste.

ID.3 von Musicus am Ladepark Hilden

Der logistische Durchblick ist also durchaus verbesserbar, Autos fallen ja nicht zufällig vom Band! Allerspätestens bei Produktionsbeginn sollte es auch bei Volkswagen klar sein, dass das Auto nicht erst nächstes Jahr geliefert wird. Dem Kunden wird mit derart großen Unsicherheiten schon einiges zugemutet.

Egal, schnell war der Plan klar: Es musste wieder die Fahrt zum Ladepark Hilden werden, Folge drei! Die Strategie: Hinfahrt mit etwa 90 km/h ohne Ladestopp und mit Windschatten, Rückfahrt mit 130 km/h und einer kurzen Zwischenladung.

Beide Richtungen waren allerdings mit einer Autobahnsperre bei Lehrte belastet, die jeweils etwa 20 km Umweg bedeutete und den Geschwindigkeitsschnitt drückte. Insofern sind die Ergebnisse nur bedingt mit Zoe und Model 3 vergleichbar. Aber so ist das reale Leben auf der Langstrecke eben!

Wir rollen los

Mit Kilometerstand 419 starteten wir um 7:20 bei der E-Mobility-Station, wie es die Tradition vorsieht. Trotz Mitte November waren die Wetterverhältnisse nahezu gleich wie bei den beiden anderen Fahrten: 10 Grad und leicht feucht beim Losfahren, angenehm warm (19 Grad!) und trocken gegen die Mittagszeit. Wir rollten auf 19 Zoll-Ganzjahresreifen im Eco-Modus los.

Abfahrt an der E-Mobility-Station in Wolfsburg

Der ID.3 ist ein leises, angenehmes und zurückhaltendes Auto, dessen Assistenzsystem im Hintergrund bleiben, im Gegensatz zu den Assistenten von Tesla, da muss man gelegentlich schon beinahe kämpfen. Der Zoe hat nur einen konstanten Geschwindigkeitstempomaten, da gibt es wenig zu vergleichen.

Die Strecke war laut Navi 385 Kilometer und das Auto zeigte bei 100 % Ladestand eine Reichweite von 343 Kilometern an, wir starteten also tief im Minus. Die Fahrtstrecke war jedoch viel zu hoch berechnet, wir ignorierten einige Umleitungsvorschläge bei Staus, die wir dann auch nicht antrafen.

Ich war entspannt, Oliver etwas weniger. Nach 15 Minuten stieg die Spannung bei uns beiden kurz an, denn die erste Fehlermeldung kam hoch: „Störung Scheibenwischer“, und das bei beginnendem Nieseln. Es schien dann doch nur der Regensensor gewesen zu sein, die Wischer kamen ihrer Aufgabe problemlos nach.

ID.3 Scheibenwischer

Bei 20 % Ladestand gab das Auto die erste Ladewarnung aus, da hatten wir noch über 90 Kilometer Reichweite und nur noch 35 km Reststrecke. Also erreichten wir Hilden ohne weitere Überraschungen und mit einer Fahrzeit von 4:18, da waren noch 13 % bzw. 74 Kilometer im Akku. Bei Olivers Zoe Q210 ist das die Reichweite bei fast voller Batterie, so ändern sich die Zeiten…

Der ID.3 zeigt ärgerlicherweise keinen Energieverbrauch an, wir mussten aus dem (sehr guten!) Durchschnittswert von 14,3 kWh pro 100 km zurückrechnen und kamen auf einen absoluten Verbrauch von 49,8 kWh.

Verbrauchsdaten Wolfsburg-Hilden im ID.3

Die Katalogwerte des ID.3 Pro sind übrigens 13,4 kWh/100 km nach NEFZ und 15,4 kWh/100 km bzw. 426 km Reichweite nach WLTP. Wie bei 58 kWh Kapazität und einem Durchschnittsverbrauch von 15,4 kWh eine Reichweite von 426 km herauskommt und nicht 58 / 15,4 = 377 km ist ein kleines Wochenendrätsel.

Der Entladehub von rund 87 % ergab etwa 57,1 kWh entnehmbare Energie, mit Ungenauigkeiten und Rundungseffekten nahe genug an den 58 kWh aus dem Prospekt.

In Hilden konnten wir uns zwischen dem Fastned-CCS-Lader oder mindestens fünf Stunden am AC-Anschluss entscheiden. Fastned machte das Rennen und obwohl der ID.3 eine Ladezeit von 1:24 angab, war er nach 1:02 und 51 Sekunden wieder bei 100 % angekommen.

Ladevorgang ID.3 in Hilden

Die Ladesäule meldete 53,32 kWh geladene Energie, mit denen wir die verbrauchten 49,8 kWh ersetzt hatten. Das ergab 6,5 % Ladeverlust im Auto selbst, ein guter Wert. In der Ladesäule kamen nochmals 5 % Verlust dazu, die wir zum Glück nicht bezahlen mussten.

Seed & Greet war geöffnet, die Sitzgelegenheiten waren jedoch abgesperrt. Dank guten Wetters konnten wir draußen Kaffee und Kuchen genießen, wir hatten uns diesmal nur einen kurzen Stopp vorgenommen. Trotz aller Lockdowns waren wieder einige Stammgäste an den Ladesäulen aufzufinden. Auch Nino vom DanzeiBlog durfte nicht fehlen. Ein weiterer Youtuber hatte seine Freundin als Kameraperson mitgebracht und schien bereits nach nur drei Takes vor einem Model 3 zufrieden zu sein. Mit einem VW waren wir zwischen den vielen Teslas und Zoes eher der Exot des Tages, die WeCharge-Karte funktionierte bei Fastned nämlich nicht. Der Fahrer des neben dem ID.3 ladenden Porsche Taycan wirkte etwas verhärmt, weil sich das Interesse der Anwesenden praktisch ausschließlich auf den ID.3 konzentrierte…

Wir rollen zurück

Wir begaben uns bereits um 12:58 auf die Rückfahrt, das Auto zeigte 404 Kilometer Reichweite an. Die Rückfahrt sollte aber nach Möglichkeit mit 130 km/h erfolgen und damit war ein rasches Absinken der Reichweite zu erwarten.

Der Akku des ID.3 ist voll: 404 Kilometer Reichweite

Im ersten Tunnel passierte es dann: Die Außenbeleuchtung meldete einen Ausfall. In der Detailansicht wurde der rechte hintere Blinker als defekt gemeldet. Oliver kannte das bereits von der Probefahrt und war nicht weiter beunruhigt.

Für die Zwischenladung hatten wir uns die Raststation Ahlsfeld vorgenommen, an der wir aber dank einer Baustelle und unserer spontanen Begeisterung über die ersten 1000 Kilometer des ID.3 vorbeirauschten 😲.

Die Restreichweite hätte uns noch bis weit nach Hannover gebracht, der Puls blieb also niedrig. Nach kurzer Suche in mehreren Apps entschieden wir uns für eine Lademöglichkeit in Garbsen, direkt vor einem leider geschlossenen Restaurant. Dort standen vier Schnellladesäulen mit CCS und CHAdeMO bereit, alle vier überraschenderweise kostenlos. So kam es, dass wir statt der geplanten 12 Minuten dann doch für 35 Minuten pausierten. Vielleicht lag es aber auch an den Gesprächen, die wir mit den Eigentümern eines Peugeot e-208 und denen eines brandneuen Mazda MX-30 führten…

Angekommen!

Die restlichen 105 Kilometer blieben vollkommen frei von Überraschungen und um 17:35 erreichten wir wieder Wolfsburg. Eigentümlich war allerdings, dass wir bei Addition der Teilstrecken auf 713 Gesamtkilometer kamen, das Auto aber auf 721 Kilometer. Optimierungspotenzial ist im Bordcomputer wohl noch vorhanden.

Verbrauchsdaten der gesamten Fahrt im ID.3

Die Wertung

Die eingerechnete Ladepause setzen wir auf die geplante Zeit, da waren wir uns einig. Dann bleiben noch diese drei Wertungsvarianten:

  • Schnelle Variante – beide Richtungen mit 130 km/h Zielgeschwindigkeit gerechnet: 7:56 h Fahrzeit plus 24 Minuten Ladezeit = 8:20 Gesamtzeit und 144 kWh Verbrauch.
  • Langsame Variante – beide Richtungen mit 90 km/h Zielgeschwindigkeit gerechnet: 8:36 Gesamtzeit und 99,6 kWh Verbrauch.
  • Die reale Fahrt: 8:16 Fahrzeit plus 12 Minuten Ladezeit = 8:28 Gesamtzeit und 121,8 kWh Verbrauch.

Die schnelle Variante ist um 16 Minuten schneller, benötigt aber fast 50 % mehr Energie. Das lohnt sich kaum, schafft aber Zeit für Toilettenpausen…

Und wie schlägt sich der ID.3 im Vergleich zu Zoe und Tesla Model 3?

FahrzeugRenault Zoe R90Tesla Model 3 LRID.3 real
Fahrzeit11:537:358:28
Energieverbrauch93 kWh133 kWh122 kWh

Zum Nachlesen:
Hilden mit dem Tesla Model 3
Hilden mit dem Renault Zoe

Auch in der schnellen Variante ist der ID.3 etwa eine Stunde langsamer als das Model 3, allerdings täuscht dieses Ergebnis: Ohne die Streckensperrung auf der Autobahn wäre der Unterschied viel kleiner ausgefallen, eher in Richtung 30 Minuten. Der Verbrauch ist durchaus ebenbürtig, da schaffen die Wärmepumpe und die innere Stoffabdeckung des Glasdachs einiges an Energieeinsparung.

Sollten wir das Experiment vielleicht der Genauigkeit wegen aber doch noch wiederholen müssen?

😉


Wie ein Leben vom Elektroauto ruiniert wird

Fiktion und Wirklichkeit

Es ist 2020 und das Elektroauto hat es in die Mitte der Gesellschaft geschafft, im Guten und im Merkwürdigen. Aber wer hätte gedacht, dass ein Leben vom Elektroauto ruiniert werden kann! Einer meiner Freunde hat mir unlängst die Netflix-Serie „Black Mirror“ empfohlen, die eine Ansammlung unterschiedlicher dystopischer Zukunftsansichten serviert. Natürlich sind sie letztlich die Reflexion aktueller Geschehnisse…

Nosedive – der Sturzflug

Beispielsweise die Folge „Nosedive“, die eigentlich bereits in der Gegenwart angesiedelt sein könnte: Jeder bewertet jeden mit Sternchen, das ergibt ein persönliches Rating. Die sozialen Möglichkeiten des Einzelnen werden durch genau dieses Rating bestimmt. Das führt naturgemäß zu Stress auf den unterschiedlichen Ebenen des Lebens.

Folgerichtig arbeitet die Hauptperson eifrigst an ihrer sozialen Sternchen-Reputation. Weil sie sich dabei tüchtig anstrengt, wird sie von einer alten Schulfreundin zu deren Glamour-Hochzeit eingeladen. Beide sind in der Erwartung, dass damit ihre Sternchen noch einen kleinen Push nach oben bekommen. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als der Flug der Protagonistin zum Schauplatz der Hochzeit ersatzlos gestrichen wird. Ihr Rating erleidet durch ihre vergleichsweise robuste Wortwahl am Check In-Schalter und den darauf folgenden Hinauswurf aus dem Flughafen einen entscheidenden Knick. So etwas wird nämlich mit dem Verlust von Sternchen geahndet! Sie nimmt als einzige Alternative zum Flug ein Mietauto der kleinsten Klasse, natürlich elektrisch. Wir befinden uns immerhin in der Zukunft!

In dieser Serie gibt übrigens jedes Auto das Betriebsgeräusch eines E-Autos ab, auch wenn es sich ganz offensichtlich um Verbrenner handelt…

Die Reise wird endgültig zur Farce, als die Hauptfigur am ersten Ladestopp vergeblich versucht, das Auto an einer erfreulich großen Autobahn-Ladestation aufzufüllen. Der alles entscheidende Adapter fehlt! Der sehr gelangweilte Platzaufseher ist auf keinerlei Weise hilfreich. Schlimmer noch, er bewertet die Hilfesuchende mit schwachen zwei Sternen. Ab nun ist die Verspätung nicht mehr aufzuholen und so geht es auf der Sternchenskala in einer Steilspirale weiter bergab.

Die Geschichte ist hier nicht zu Ende, aber die weiteren Missgeschicke haben nichts mehr mit Elektromobilität zu tun und bringen die Hauptfigur letztlich ins Gefängnis.

Die Moral von der Geschichte

In einer fiktiven Zukunft kann ein fehlender Ladeadapter das soziale Ende bedeuten! Zweifellos ist das Wasser auf die Mühlen der Kritiker der elektrischen Fortbewegung.

Hat hier jemand Teslas CCS-Adapter in eine düstere Zukunftsvision verwandelt? Eigentlich ist das Problem der Ladesäulenstecker nachhaltig geklärt. Zumindest für die großen zusammenhängenden Wirtschaftsräume EU, USA und China.

Und für die wirklich ungünstigen Lebenslagen bleibt die konventionelle Wandsteckdose und der Reiseadapter!

Kein einziges Leben muss also durch die Elektromobilität ruiniert werden 😉