Sono Motors hat es nicht geschafft

Die Diskussion um Sono Motors ist derzeit einer der heißesten Schauplätze in der deutschen Elektromobilität, angestoßen durch die vom Unternehmen gestartete Community-Geldsammelaktion unter dem Titel „Wir haben es nicht geschafft“ und dem Hashtag #savesion. Dabei werden gerne extreme Standpunkte vertreten, die jedoch nicht unbedingt weiterhelfen.

  1. Das eine Extrem: Sono Motors ist bereits pleite, betreibt nur Kridaverschleppung und Betrug an den neuen Einzahlerinnen / Reservierinnen / Investorinnen, um den eigenen Spielplatz noch weiter am Laufen zu halten.
  2. Das andere Extrem: Der Sion ist beinahe fertig und für die letzten Kleinigkeiten bis zur Produktion wird es schon reichen, neue Investoren werden gefunden werden, alles in Ordnung.

Werfen wir einen Blick auf die Fakten: Sono Motors hat entsprechend jeglicher industriegängigen Definition kein fertiges Produkt, keine laufende Produktion, keine Händler, kein Werkstattnetz. Das alles sind für ein dramatisch unterfinanziertes Startup im Automobilsektor erhebliche Risikofaktoren.

Sono Motors hat es seit 2016 tatsächlich nicht geschafft, ein Auto auf die Straße zu bringen und vor 2024 wird das nach den firmeneigenen Plänen auch nicht mehr stattfinden. Acht Jahre sind eine lange Zeit und die Jungs sehen auch nicht besonders glücklich aus.

Gründer von Sono Motors sind nicht happy
Quelle: Sono Motors

Allerdings: Werbung lebt von der positiven Darstellung und von Sono Motors zu verlangen, dass man bei jedem Schritt große Negativ-Banner anzeigt, soviel Selbstbeschädigungsneigung darf man von keinem Unternehmen verlangen. Eine Mission / Vision musst man als Unternehmen heutzutage einfach haben und als Startup muss sie zumindest weltverändernd sein – darüber braucht man nicht diskutieren.

Den Vergleich mit GM, VW oder Toyota (z.B. in Videos von Youtubern) finde ich nicht sinnvoll, das ist wie Fisch und Fahrrad. Die gelegentlich spürbare Vollkasko-Mentalität der Investorinnen und möglichen Autokäuferinnen geht mir persönlich zu weit: Wer hunderte oder auch tausende Euro weggibt, muss auch ein bisschen Zeit in Informationsbeschaffung investieren und nicht nur den – derzeit leider inhaltlich falschen und offensichtlich sorgsam im Sinne von Sono Motors kuratierten – Wikipedia-Artikel lesen.

Auch der Ruf nach der Finanzmarktaufsicht hinsichtlich der Anzahlungen / Investitionen / Reservierungsgelder ist sinnlos, weil die Aufsicht real eher wirkungsarm ist (siehe Wirecard, Eyemaxx, …). (Das heißt nicht, dass ich gegen Finanzmarktregulierung bin, im Gegenteil. Aber es bedeutet, dass sie heute nur wenig effektiv ist. Klar kann man immer argumentieren, dass es ohne die derzeitige Regulierung noch viel schlimmer wäre – das klassische „Polizeiargument“. Nun ja.)

Sono Motors geht einen hochriskanten Weg und ist nach Eigeneinschätzung, die offen ausgesprochen wird, kurz vor dem Ende: “Wir haben es nicht geschafft”. Die Antworten des Accounts @SonoMotorsOfficial auf goingelectric.de fallen mittlerweile teilweise etwas schnippisch aus, scheint mir. Ein Zeichen von erheblichem Stress, das ist zumindest verständlich.

Etwas schnippische Antwort von Sono Motors

Dennoch werden die Angebote an Zahler laufend verbessert: Rabatt auf den Kaufpreis des Autos, dann eine Wallbox zusätzlich, danach Teilzahlungsmöglichkeit – was darf es noch sein? Mehr Versprechen für eine Zukunft, die es möglicherweise nicht geben wird.

Wenn relativ unbedeutende Formalien (z.B. die Anfangsbewertung des KBA für Autohersteller, die im Kern mit einer aus vielen Gründen notwendigen ISO 9001-Zertifizierung erledigt ist) als tolle Meilensteine abgefeiert werden, dann tut der der Sache Sono Motors aus meiner Sicht eher nicht gut.

Je „enger“ es finanziell wird, desto exotischer werden die (Finanzierungs-)Instrumente, das darf niemanden überraschen. Finanzierung wird die Gründer und anderen Eigentümer zunehmend eigene Anteile kosten, siehe Berenberg-Deal.

Den „glatten Weg zurück“ mit Rückführung aller Anzahlungen, Befriedigung der Gläubiger und stiller Schließung des Unternehmens gibt es nicht mehr. Der CFO hat auf eine entsprechende Frage gemeint, es müsste zumindest Teilzahlungen geben, die Zahlungen würden somit zumindest in Teilen in der Zukunft liegen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Rückzahlung aus aktuellen Geldbeständen nicht möglich ist.

Es ist also mehr als eng bei Sono Motors, was immerhin offen dargestellt wird. Aus eigener Kraft wird es den Sion nicht mehr geben, denn die „Community“ liefert nicht genügend Geld und die Investoren stehen derzeit nicht Schlange, weil durch steigende Zinsen andere Asset-Klassen für Anleger zunehmend attraktiver werden.

Ich persönlich denke, nur eine Übernahme kann den Sion noch retten…

Relevante Diskussionen auf goingelectric.de:

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4 Gedanken zu „Sono Motors hat es nicht geschafft

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