Second Use

Viel wurde bereits über die Zweitnutzung – Second Use – von Antriebsbatterien als Hausspeicher geschrieben, als noch Zweifel über die Lebensdauer von Batterien für E-Autos gestreut wurden. Heute überrascht es kaum noch, wenn Batterien 15 Jahre und länger durchhalten und danach noch als stationäre Speicher eine zweite Karriere starten.

Doch wie steht es um die Zweitnutzung von Hausspeichern selbst? Gerade an Wochenenden im Sommer, wenn die PV-Produktion den Eigenbedarf enorm übersteigt, die Elektroautos im Haushalt bereits prall gefüllt sind und der Strompreis die meiste Zeit am Boden liegt, stellt sich diese Frage besonders dringend.

Hausspeicher sind sehr haltbar und mittlerweile enorm günstig geworden und jede neue PV-Anlage wird heute damit ausgestattet. Auch für viele Bestandsanlagen kann sich ein zusätzlicher Stromspeicher lohnen.

Gerade deshalb ist die Zweitnutzung dieser Speicher interessant. Denn beim Laden und Entladen gibt auch ein Hausspeicher – wie jede Batterie – Wärme ab. Genau diese Abwärme eröffnet eine hervorragende und bisher kaum beachtete Form der Zweitnutzung: Sie lässt sich direkt beim Prozess des Brotbackens nutzen, denn die meisten Rezepte erfordern das „Gehen“ des Teiges an einem warmen Ort vor. Mein Hausspeicher hat ziemlich kontinuierlich eine Temperatur von etwa 28 Grad an der wärmsten Zelle und liegt damit am oberen Ende des idealen Bereichs für die Teigfermentation.

Der Speicher wird so nicht nur zum Stromspeicher, sondern zusätzlich zum Wärmelieferanten. Dadurch wird der überschüssige Solarstrom doppelt verwertet: einmal als Abwärme bei der Teigvorbereitung und einmal als gespeicherte Energie für den tatsächlichen Backvorgang.

Nun liegt es mir fern, die sehr erwachsen gewordene Elektromobilität und die moderne Speichertechnik wieder in die Müsliecke zu befördern. Dennoch: Zur Erhöhung des Eigenverbrauchs in den Sommermonaten bei Strompreisen unter Null kann man durchaus zu solchen kreativen Zweitnutzungen greifen.

Es ist eine charmante und praktische Möglichkeit, den Second-Use-Gedanken konsequent weiterzudenken.

Warum die Erhöhung des Eigenverbrauchs – und damit die Zweitnutzung – so wichtig ist

Gerade in Zeiten häufiger negativer Strompreise (2025 bereits über 570 Stunden, Tendenz steigend) wird ein hoher Eigenverbrauch zum entscheidenden Hebel. Wer seinen selbst erzeugten Solarstrom möglichst vollständig vor Ort nutzt und dabei noch die Abwärme des Speichers als Zweitnutzung einsetzt, profitiert in mehrfacher Hinsicht:

Wirtschaftlich lohnt sich der Eigenverbrauch massiv. Der Haushaltsstrompreis liegt aktuell bei rund 37 Cent pro Kilowattstunde, während die Einspeisevergütung bei Negativpreisen für viele Anlagen entfällt oder sogar Kosten verursachen kann. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart teuren Netzstrom und vermeidet den Verlust durch niedrige oder negative Börsenpreise. Die zusätzliche Wärmenutzung durch die Zweitnutzung des Speichers verstärkt diesen Effekt weiter.

Netztechnisch entlastet mehr Eigenverbrauch das Stromnetz. An sonnigen Sommerwochenenden entsteht oft ein enormer Überschuss an Solarstrom. Wenn Haushalte diesen Strom selbst aufnehmen und gleichzeitig die Abwärme sinnvoll verwerten, sinkt die Notwendigkeit, Anlagen abzuregeln.

Ökologisch bedeutet höherer Eigenverbrauch in Kombination mit der Zweitnutzung, dass mehr erneuerbare Energie tatsächlich genutzt wird, statt verloren zu gehen. Weniger Abregelung und eine doppelte Verwertung der Energie verbessern die CO₂-Bilanz spürbar.

Schließlich steigt mit dem Eigenverbrauch und der konsequenten Zweitnutzung auch die Autarkie, die für manche Anlagennutzer im Vordergrund steht: Die Unabhängigkeit von schwankenden Strompreisen.

Die Idee, die Abwärme des Hausspeichers fürs Brotbacken zu nutzen, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken. Sie zeigt aber, wie man den Second-Use-Gedanken kreativ und alltagstauglich weiterführen kann: Überschüssigen Strom nicht „wegwerfen“, sondern in ein nützliches Produkt – frisches Brot – umwandeln.

Natürlich ist das hier kein ernster Technikratgeber und auch keine Anleitung, wie man seinen Hausspeicher zum Profi-Gärschrank umfunktioniert. Es ist lediglich ein kleiner Sonntagsgedanke: Manchmal steckt in den Dingen, die ohnehin da sind, mehr Nutzen, als man auf den ersten Blick vermutet.

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