Nicht leicht

Die Autoindustrie hat es derzeit nicht leicht: Fehlende elektronische Bauteile, Mangel bei Kabelbäumen, Personal im Corona-Krankenstand, steigende Energiepreise und noch vieles mehr.

Aber die Kunden haben es auch nicht leicht: Explodierende Lieferzeiten, eingeschränkte Auswahl bei Fahrzeugmodellen und Ausstattungsmerkmalen, Streichung von kostengünstigen Modellen, Bestellstopps, Preiserhöhungen.

Cupra Formentor in nicht bestellbarer Farbe

Trotzdem werden weiterhin in der Werbung viele Versprechungen gemacht. Im Bild wird ein Fahrzeugmodell mit einer Farbe gezeigt, die überhaupt nicht bestellt werden kann. Ist das schlau?

Für Käuferinnen und Käufer von Elektroautos ist das derzeit besonders bitter. Die Preisanstiege und Ausweitungen der Lieferzeiten sind besonders ausgeprägt. Die Aussichten auf volle Innovationsprämie schwinden, weil Lieferzeiten in diesem Jahr immer unwahrscheinlicher werden und die Regierungskoalition an der Prämienlandschaft schraubt.

Manche argumentieren, dass Förderungen von Elektroautos besonders angesichts der hohen Treibstoffpreise ohnehin eine Überförderung für die Vermögenden darstellt. Außerdem müsste man den Absatz eines Produkts nicht anregen, wenn dessen Nachfrage das Angebot mehrfach übersteigt.

Ob das tatsächlich so ist, wissen wir natürlich nicht so genau. Der Rest des Jahres bleibt jedenfalls spannend.

Auch jeden Fall: Schöne Ostern!

Recycling von Elektroautos

Recycling von Elektroautos

Lange wurde über die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos diskutiert. Dabei ist ein Aspekt häufig zu kurz gekommen, nämlich das Recycling von Elektroautos.

Recycling
Foto von Jeremy Bishop auf Unsplash

Wie wir wissen, wird im E-Auto selbst nichts verbraucht, die gesamte Batterie mit allen Inhaltsstoffen ist auch am Ende der Lebensdauer noch vorhanden. Nicht einmal Abnutzung, wie bei Bremsen oder Reifen, findet in der Batterie statt.

Das sind ideale Voraussetzungen, um alle Inhaltsstoffe wiederzugewinnen. Mit den Großteilen aus Aluminium, Magnesium und natürlich Kupfer aus Kabeln und Leitungen wird das bereits heute gemacht, wenn auch noch mit geringen Mengen.

Teslas vormaliger CTO Jeffrey Straubel, den man beinahe für Elon Musks jüngeren Bruder halten könnte, hat mit seiner Firma Redwood Materials ein Batterierecyclingprogramm gestartet, um am Ende ein vollständiges stoffliches Recycling zu erreichen (Press Release). Damit sollen alle wiedergewonnenen Materialien wieder zur Herstellung neuer Batterien dienen können.

Auch in Europa soll nun ein Standort von Redwood Materials aufgebaut werden – offene Stellen gibt es bereits, aber noch keinen konkreten Ort.

Natürlich sind derzeitige Ankündigungen noch voll von Übertreibungen, denn im ersten Schritt möchte Redwood Materials hauptsächlich Kupferanodenmaterial für neue Batterien aus wiedergewonnenem Kupfer herstellen. Das ist die einfachere Übung, weil das Abtrennen von Kupfer ziemlich nicht besonders schwierig ist.

Die Königsklasse ist das Wiedergewinnen von Lithium, Mangan, Graphit, Aluminium und Kobalt aus dem aktiven Batteriematerial. Davon sind alle Wiederverwerter beim Recycling von Elektroautos leider noch weit entfernt, diese Anteile werden heute meistens einfach nur verbrannt bzw. eingeschmolzen. Dabei entstehen neben CO2 auch Sondermüll durch Fluor-belastete Flugasche. Die Abgase müssen aufwendig gereinigt werden, um die Emission von Dioxinverbindungen zu vermeiden.

In einer Studie des Ökoinstituts von 2020 wird dieser Weg euphemistisch als „pyrolytische Verwertung“ bezeichnet. Gleichzeitig stellt die Studie fest, dass die Wiederverwertung der aktiven Batteriemasse, also dem Elektronenspeichermaterial selbst, „noch stark verbesserungswürdig“ ist. Auch bei der Transparenz der Entsorgung werden erheblich Mängel gesehen.

Eine unkontrollierte Verbrennung von Antriebsbatterien würde eine Reihe von krebserregenden Stoffen erzeugen, muss also vermieden werden. Die bei Verbrennerfahrzeugen übliche Nachnutzung und unkontrollierte Entsorgung in Ländern der zweiten und dritten Welt ist bei Elektroautos also ohne kontrollierte Entsorgung wesentlich problematischer.

Der Weg ist also noch weit. Aber die Ziele und die Richtung stimmen!

Weihnachtswünsche

So kurz vor Weihnachten sinniert man manchmal über die merkwürdigsten Dinge…

  • Weihnachtsgeschenke?
  • Vergangene elektrische Erlebnisse?
  • Jahresrückblicke?
  • Erreichtes und Dinge, die vielleicht noch in der Zukunft liegen?
  • Wünsche an die neue Bundesregierung?
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass der e-Up! vielleicht doch nochmal produziert wird?

In meinem Fall war es nichts von alledem. Mir ging es um das schönste Kennzeichen für ein E-Auto, das man in Deutschland bekommen kann. Immerhin hat Wolfsburg unlängst das zusätzliche Kürzel WBG beantragt, und zwar mit Hinweis auf die durch die E-Autos knapp werdenden Kennzeichen.

Nach einigem Suchen stellte sich für mich heraus: Der Landkreis Elbe-Ester scheint das Optimum zu sein, denn dort gibt es das Kennzeichen EE!

EE E 33 E
Mein elektrisches Wunschkennzeichen

In etwa 280 Kilometern Entfernung von Wolfsburg gibt es also das große Glück der E-Kennzeichen.

Könnte Wolfsburg anstelle des WBG das EE annektieren oder einfach mitbenutzen? Falls das nicht geht, wäre WEE eine Option, klingt aber im englischsprachigen Raum nicht so gut – es heißt nämlich „sehr klein“. Das kann niemand wollen!

EEW als Alternative ist besser, gilt aber als englisches Füllwort, so wie das deutsche „ähh“.

Mit einem spontaner Kurzumzug nach Bad Liebenwerda mit anschließender Rücksiedelung und Kennzeichenmitnahme könnte ich mein persönliches Lieblingskennzeichen nach Hause bringen.

Doch leider nein, vor Weihnachten schaffe ich das nicht mehr.

Was ich aber stattdessen vor Weihnachten noch schaffe: Euch allen schöne Feiertage und einen guten Rutsch zu wünschen und immer mehr als 3 Prozent im Akku!

Weihnachtskater

Supercharger Wolfsburg heißt jetzt Lehre

Zu Beginn der Geschichte war es merkwürdig, dass der neue Supercharger an der A2 den Namen „Wolfsburg“ tragen würde. Immerhin liegt er viel näher an Braunschweig als an Wolfsburg!

Bis zur Inbetriebnahme blieb die Bezeichnung „Supercharger Wolfsburg“.

Nun wurde die Information aktualisiert und – Überraschung – der neue Standort heißt mittlerweile „Supercharger Lehre“. Das ist eine überraschende Wendung, löst aber zumindest das Dilemma, ob der Supercharger in Wolfsburg oder doch eher in Braunschweig liegt. Tatsächlich liegt Lehre im Landkreis Helmstedt, genau zwischen Wolfsburg und Braunschweig.

Die Umbenennung ist somit folgerichtig, faktisch korrekt und sicher weniger verwirrend, wenn man entlang der A2 eine Lademöglichkeit sucht. Wolfsburg liegt immerhin an der A39 und das wäre ein deutlicher Umweg von der A2. Tesla hat möglicherweise erkannt, dass die Benennung „Wolfsburg“ beim oberflächlichen Hinsehen zu Verwirrungen führen kann.

Wenn Tesla eine Sache vermeiden möchte, dann sind es unangenehme Nutzererlebnisse. Volkswagen möglicherweise ein bisschen zu ärgern, muss demgegenüber offenbar zurückstehen – gute Entscheidung!


Hier sind meine vorigen Posts zum Supercharger Wolfsburg:

Tesla Model 3 mit 12 kW laden

Tesla Model 3 mit 12 kW laden

Wer ein Model 3 benutzt, hat sich sicherlich irgendwann ein schnelleres Laden an der AC-Ladesäule gewünscht. Häufig ist die Leistung von 22 kW verfügbar, wird aber vom Auto nicht genützt.

Früher konnte man das Model S optional mit 22 kW AC-Ladeleistung bestellen, heute sind davon nur noch 16 kW übrig.

Ab hier wird es relativ zahlenorientiert, weiterlesen also auf eigene Gefahr…

Rechnen wir das kurz durch: Bei 77 kWh Batteriekapazität bedeutet ein Ladevorgang von 10 bis 90 Prozent gut 62 Kilowattstunden Ladebedarf, mit fünf Prozent Ladeverlusten etwa 65 kWh. Bei einer Ladeleistung von 11 kW dauert das knappe sechs Stunden. Das klingt nicht nur lang, das ist es auch. Bei 22 kW Ladeleistung wären es nur drei Stunden – diese Zeit liegt in vielen Städten noch innerhalb der maximalen Kurzparkdauer.

Eine Verbesserung auf 22 kW habe ich mit dem Model 3 nicht geschafft, aber eine Ladeleistung von 12 kW kann man dem Auto schon entlocken.

Der Trick dabei: Man muss nur eine Ladesäule mit sehr hoher Netzspannung finden! Gemäß DIN EN 60038 darf sie nämlich bis zu 10 Prozent über dem Nennwert von 230 Volt liegen, also bei maximal 253 Volt. Bei einem Dreiphasenanschluss ergibt das eine maximale Ladeleistung von 3 * 16 * 253 Volt = 12,1 kW.

Soweit die Theorie!

Klappt das auch in der Praxis? Ja das funktioniert tatsächlich.

Als ich das Auto bei Seed & Greet in Hilden an den AC-Anschluss hängte, war ich einigermaßen überrascht: 242 Volt, kurzzeitig auch 243 Volt! So viel hatte ich davor noch nirgends beobachtet. An der Sonneneinstrahlung auf die Solaranlage lag es nicht, es war stockfinster. Bis zur maximal zulässigen Spannung sind noch 10 Volt „Luft“, auf jeden Fall alles im grünen Bereich.

242 Volt an der Ladesäule

Das sind zwar nur 11,7 kW Leistung, aber das Auto rundet auf und zeigt tatsächlich 12 kW Ladeleistung an.

Die errechnete Ladedauer lag bei 5 Stunden und 40 Minuten – immerhin 20 Minuten Einsparung, gänzlich kostenlos und ohne Mods am Fahrzeug.

Tesla Model 3 beim AC-Laden in Hilden

Klappt das auch mit den VWs, Renaults, Opels und anderen Fabrikaten?

Wer sonstige Tricks zur AC-Beschleunigung kennt: Bitte melden! Und vielleicht ist das wieder eine Anlass, um den ausgebauten Ladepark in Hilden zu besuchen…