Aral macht es clever

Die Zahlen der Bundesnetzagentur zur Ladeinfrastruktur vom Januar 2026 sprechen eine klare Sprache: Der Ausbau von Ladepunkten hat 2025 wieder kräftig zugelegt.

Die Anzahl der Schnellladepunkte ist um 33 Prozent gestiegen – 48.729 Stück in absoluten Zahlen. Die Normalladepunkte haben zwar nur um 13 Prozent zugenommen, allerdings auf dem viel höheren Level von 145.256 Anschlüssen.

Da stellt sich natürlich die Frage: Wo stehen diese vielen Schnelllader eigentlich? Der beliebte HYC 300 bzw. HYC 400 von Alpitronic ist ja nicht gerade unauffällig.

Quelle: Alpitronic

Natürlich stehen viele dieser Ladekisten mittlerweile auf Supermarkt- und Baumarktparkplätzen, aber auch auf Raststation, Autobahnparkplätzen und Autohöfen.

Aber auch Tankstellen haben diesen Markt entdeckt und bauen Lademöglichkeiten auf.

Das Problem: Bei einer durchschnittlichen Tankstelle im Stadtgebiet ist zwar oft ein leistungsfähiger Stromanschluss vorhanden – freie Fläche dagegen nicht unbedingt.

Und so rasch möchte man sich von den bisherigen Geschäftsfeldern wohl nicht verabschieden, wenn mit Tankstellenshops, Paketstation, Geldautomat, Waschanlage, Reparaturdienstleistungen und – natürlich – dem Verkauf von Treibstoffen noch gut verdient werden kann. All das braucht Platz. Gleichzeitig muss das Zu- und Abfahren für die Kundschaft bequem bleiben.

Aral hat offenbar genau mitgezählt und die am geringsten beanspruchten Flächen identifiziert: Staubsauger und Reifendrucksäule.

Genau dort werden die Ladesäulen von Aral mit dazugepackt, sozusagen als „Dual Use Area“, wohl in der Erwartung, dass sich Ladewillige und Luft- bzw. Saugbedürftige nur selten in die Quere kommen werden.

Im Gegenteil: Vielleicht erwartet Aral, dass beim Laden gleich das Auto ausgesaugt wird, womit noch ein kleines Zubrot erwirtschaftet werden könnte – sozusagen als Vertreiber der Ladeweile mit Wertausgleich.

Aral macht es clever: Neue Lademöglichkeiten

Es ist deutlich zu erkennen, wie dicht hier die letzten Quadratmeter genutzt werden.

Noch eine Auffälligkeit: Gleich beide neuen – und noch nicht in Betrieb befindlichen – Ladesäulen sind mit CHAdeMO-Anschlüssen ausgestattet. Das ist für eine neue Installation im Jahr 2026 durchaus erstaunlich, denn die Anzahl der Fahrzeuge mit diesem Ladeanschluss geht seit Jahren ständig zurück. Der Kundenkreis für CHAdeMO wird einfach nie wieder größer, egal wie sich die E-Auto-Zulassungszahlen entwickeln werden.

Derzeit sind in Deutschland etwa 70.000 Fahrzeuge mit CHAdeMO-Ladeanschluss unterwegs, wobei diese Zahl pro Jahr zumindest um geschätzte 3.000 Stück abnimmt.

Wer dringend auf einen CHAdeMO-Schnelllader angewiesen ist, wird sich naturgemäß freuen und es sei ihm auch gegönnt. Fehlinvestitionen dieser Art müssen aber von allen Ladekunden getragen werden, was nicht unbedingt ideal ist.

Gerade an einer 24h-Tankstelle könnte man auch Adapter gegen Pfand ausleihen, falls sich doch mal der Bedarfsfall ergeben sollte. Ein derartiger Adapter ist wesentlich günstiger als zwei CHAdeMO-Anschlüsse von Alpitronic.

Aber klar: Aral ist frei in seinen Entscheidungen und wird den Fall hoffentlich betriebswirtschaftlich sauber analysiert haben, denn darin sind die Mineralölkonzerne außerordentlich gut.

AC-Ladepunkte gibt es übrigens nicht. Die Ladezeit wurde mit der Parkordnung auf eine Stunde beschränkt, eine Parkscheibe ist dabei Pflicht. Daher hätte langsames Laden auch nur wenig Sinn.

Der Umschwung zur Elektromobilität nimmt nun auch im Tankstellenbereich Fahrt auf und ob das nun nur als grünes Feigenblatt, Steuerabsetzposten, Fördertatbestand oder Prinzip Hoffnung gewertet werden sollte, ist eigentlich unerheblich.

Entscheidend ist doch: Es entstehen mehr Ladepunkte!

Und es zeigt sich aus Erfahrung, dass neue Ladeangebote zunehmend auch angenommen werden. An manchen Standorten dauert es unter Umständen länger, bis es sich herumgesprochen hat – doch nach einiger Zeit kann man praktisch an jedem neuen Standort den einen oder anderen Ladevorgang beobachten, Tendenz steigend.

Auch bei Aral natürlich.


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