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10 Dinge, die man von Tesla lernen könnte

Tesla und andere Autohersteller

In 12 Dinge, die Tesla von Renault lernen könnte und 10 Dinge, die Tesla vom ID.3 lernen könnte habe ich ein paar Dinge angesprochen, in denen bei Tesla noch ein paar Fortschritte möglich sind. Beide Beiträge wurden bisher mehrere hundert Male gelesen, danke für das Interesse! Aber weshalb 10 Dinge, die man von Tesla lernen könnte?

Auf goingelectric wurde ich dann angesprochen, weshalb ich das nicht einmal umgekehrt betrachte…

Challenge accepted! Hier also 10 Dinge, die andere Autohersteller von Tesla lernen könnten.

Model 3 am Palettenlader Kamen: 10 Dinge, die man von Tesla lernen könnte
Model 3 am Palettenlader Kamen

Tesla Logo Dynamischer Preis

Bei Tesla werden die Autos billiger und nicht von Modelljahr zu Modelljahr teurer. Oder man bekommt mehr fürs gleiche Geld. Oder beides. Ein Model 3 ist heute etwa 2.000 Euro billiger als vor einem Jahr, bringt aber zusätzlich die Wärmepumpenfunktion und die elektrische Heckklappe mit. Bei vielen anderen Herstellern wären das schnell 2.000 Euro Aufpreis.

Mancher Schokoriegel hält seinen Preis und wird einfach nur kleiner. Mehr fürs gleiche Geld: In fast allen Produktbereichen gibt es da keine Kritik.

Für manche ist das ein Reizthema, weil sie den Wiederverkaufswert ihrer Fahrzeuge dahinschmelzen sehen. Ganz so ist es aber nicht: Die massivste Entwertung der E-Gebrauchtwagenpreise hat die gelobte (und auch richtige) BAFA-Förderung bewirkt. Zum Glück kann man auch ins Ausland verkaufen.

Wer früher kauft, fährt das Auto immerhin länger als jemand, der später kauft. Dem Leasingnehmer kann es auch eher egal sein, wenn er nach zwei oder drei Jahren ohnehin wechselt.

Tesla Logo Wenige Optionen

Es gibt bei Tesla keinen Optionendschungel. Mit maximal 6 Klicks kommt man zum finalen Auto.

Bei einem Golf muss ich mich heute gleich zu Beginn durch die Auswahl von 11 Motoren quälen. Es folgen weitere dutzende Optionen, teilweise mit wenig nachvollziehbaren wechselseitigen Ausschlüssen.

Ein Sicherheitsfeature wie die hinteren Airbags sind ein Aufpreis-Extra, darüber wundere ich mich seit meinem ersten Audi vor 15 Jahren.

Die guten Ansätze beim ID.3 werden mittlerweile durch Versions- und Options-Wildwuchs zunichte gemacht. Mercedes-Benz macht es noch komplizierter, da gibt es 16 Motorvarianten für die C-Klasse. BMW schießt mit 17 Motoren im 3er den Vogel ab, dabei sind die Allrad-Varianten aber mitgezählt.

Tesla Logo Das Ladenetz

Eines der besten Features von Tesla ist überhaupt nicht in den verkauften Autos verbaut: Das Ladenetz, bestehend aus Superchargern und Destination Chargern, die häufig kostenlos sind. VW als Konzern (schon wieder VW!) hat es geschafft, die Audi etrons mit einem Navi voller Tankstellen auszuliefern und hat aus diesem Fehler auch nichts gelernt: Olivers ID.3, der übrigens keine 1st Edition ist, wurde ebenfalls ohne eine einzige Ladesäule im Navigationssystem ausgeliefert, kannte dafür aber alle Tankstellen.

Da fehlt es einfach noch an jenem systemischen Denken, das Tesla hervorragend beherrscht. Die problemfreie elektrische Langstrecke heißt nach wie vor Tesla.

Fußnote zum systemischen Denken: Es kann nicht überraschen, dass Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX das weltweite Satellitennetz Starlink als Kommunikationsmittel ins All befördert, gibt es doch bei Tesla pro Jahr 500.000 garantierte Neukunden – eben alle neuen Autos. So ein Satellitennetz gab es bereits einmal: Iridium. Es funktioniert in Gebäuden nicht, was für viele Kunden ein No Go war, für Autos hingegen kein Problem darstellt. Hohe Tarife und die hohen Preise für Endgeräte gaben Iridium den Rest; heute gibt es das Netz noch für militärische und andere Sonderzwecke. Ironie am Rande: SpaceX erhielt den Auftrag, die neueste Generation der Iridium-Satelliten ins All zu befördern.

Tesla Logo Die Wartungsintervalle

Bei Tesla gibt sie nicht. Die konventionellen Hersteller arbeiten hingegen hart daran, um weiter Gründe zu finden, um ihre Fahrzeuge regelmäßig in ihre Werkstätten zu bekommen. So kann sich der Wechsel des Innenraumfilters (grundsätzlich eine gute Idee) zu einem Werkstattbesuch um mehrere hundert Euro ohne Mehrwert auswachsen.

Wenn man als Hersteller ein Werkstattnetz hat, ist das nicht anders zu erwarten. Tesla hat nur wenige Service Center und versucht, die Autos davon fernzuhalten und kleinere Reparaturen mit den mobilen Scouts abzudecken.

Mein bisher einziges Problem: Eine Heckleuchte hatte erhöhten Wasserstand. Der Scout kam vorbei und tauschte sie am Straßenrand aus.  Das kostete mich als Kunden definitiv weniger Zeit und Nerven als ein terminvereinbarter Werkstattbesuch, und sei der noch so angenehm.

Tesla Logo Der Frunk

Als Sammelbecken für selten gebrauchtes Equipment, das sonst im Kofferraum herumliegen würde: Extralanges Ladekabel, Ladeadapter, Anhängerkupplung, Taschenlampe, Küchenrolle, etc. etc. Auch kleineres Gepäck würde hineinpassen, trotz des sehr niedrigen Vorbaus der Autos.

Der Grund dafür ist technischer Natur: Teslas Antriebsmotoren („Drive Units“) sind trotz ihrer Leistung extrem kompakt und der Stromrichter ist gleich mitverbaut, es muss also nicht noch Platz für eine bei anderen Herstellern relativ große und eckige Kiste gefunden werden.

Das reduziert das Gewicht an den Fahrzeug-Enden, verkürzt die Kabelwege und spart eben auch Platz. Viele konventionelle Hersteller kleben am Konzept des Motorraums und stapeln dort die Technik hinein. Da ist dann meistens viel Luft, aber als Kunde hat man nichts davon. Ganz Verzweifelte schnitzen sich für diese Lücken tatsächlich Selbstbau-Frunks… So weit kommt es, wenn die Hersteller hartnäckig nicht auf die Kunden hören.

Tesla Logo Kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Tesla bringt Verbesserungen ins Produkt, wann immer sie dazu Gelegenheit sehen. Kein Festkleben an Modellzyklen, Facelifts oder Werksferien. Damit bekommt jeder Kunde das aktuell bestmögliche Produkt.

Sie ärgern sich, weil Sie diese Verbesserungen in Ihrem Auto noch nicht haben? Das ist bei konventionellen Herstellern auch nicht anders, es dauert nur länger, bis Sie es bemerken. Was haben Sie davon, wenn die nächsten 10.000 Kunden ein weniger gutes Auto bekommen, als es möglich wäre? Und Tesla baut so viele kleine Veränderungen ein, die man nicht einmal mitbekommt. Manche Änderung wird gemacht, um die Produktion einfacher und damit billiger zu gestalten, ohne den Nutzen spürbar zu verringern. Auch das machen alle Hersteller, gefühlt aber mehr auf Kosten der Kunden. Wer Tesla fährt, bekommt gelegentlich Verbesserungen per Over-The-Air-Update nachgeliefert.

Das alles mit „Tesla Speed“, denn gelegentlich werden zwar die Kleinen von den Großen gefressen, häufig kommt es aber anders: Die Schnellen fressen die Langsamen!

Tesla Logo Die Fahrdynamik

Tesla hat die Masse des Autos bewusst nach unten und in die Mitte des Fahrzeugs gezogen. Elon Musk hat das im Interview mit Sandy Munro mit dem Eisläufer-Vergleich erklärt: Wenn er die Arme nahe an den Körper bringt, rotiert er wesentlich schneller. Aufs Auto übertragen: Je näher die Masse am Schwerpunkt liegt, desto schneller kann man es um die Kurve werfen. Das ist schon ein spürbarer Unterschied.

Tesla Logo Der Grip

Das Torque-Vectoring der Teslas ist schon phänomenal. Zugegeben, der Allradantrieb hilft enorm, wenn er im Auto verbaut ist. Jedenfalls tut das Auto sehr viel, um sich in die von der Lenkung vorgeschlagene Richtung zu bewegen. Auch bei maximaler Beschleunigung pfeifen keine Räder, es ruckt nichts, es zieht in keine Richtung, das Auto bleibt komplett neutral in der Spur. Es verbeißt sich in den Asphalt und macht das Beste aus den Möglichkeiten der Haftreibung, auch bei rutschigen Bedingungen. Ruckartiges Ausweichmanöver bei Autobahntempo, weil ein anderer Verkehrsteilnehmer das Auto beim Spurwechsel übersehen hat? Das Auto bleibt absolut neutral, keinerlei Neigung zum Ausbrechen, die man einfangen müsste. Sehr gut!

Tesla Logo Die Knöpfe

Es gibt sie, auch in Fahrzeugen von Tesla. So wenige sind es gar nicht und alle sichtbaren Knöpfe sind beleuchtet. Sogar für die beiden Lenkradbedienelemente gibt es eine abschaltbare Beleuchtung – das grenzt beinahe schon als Überflüssige. Bis auf den Knopf fürs Handschuhfach hat mir beim Model 3 noch kein einziger gefehlt.

Tesla Logo Die Audio-Anlage

Das italienische Orgelkonzert lässt die Beinhaare vibrieren, die Musik meiner Tochter lässt mich sofort taub werden. Trotzdem wird kein Platz von irgendwelchen Subwoofern aufgefressen. Für mich gibt nur noch sehr wenig Verbesserungspotenzial beim Sound.

Tesla Logo Sitzheizung hinten als Beispiel für Nachrüstbarkeit

Auch die hintere Bank freut sich über eine warme Kehrseite. Die meisten Hersteller bieten das nicht einmal an, bei Tesla ist dieses Feature wirklich billig. Inklusive „Nachrüstlösung“ per App, weil alle Sitzbänke gleich gebaut sind und die Sitzheizung bereits beinhalten. Freischalten reicht aus.

Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist es vielleicht auch. Aber es zeigt das systemische Denken: Es ist kostengünstiger, immer dieselbe Hardware zu verbauen und vielleicht ein Nachgeschäft zu machen und nicht nur das Minimum zu verbauen und damit den Nachverkauf so teuer zu machen, dass es kaum jemand ernsthaft in Erwägung zieht.

Epilog der 10 Dinge, die man von Tesla lernen könnte

Diese Liste ist nicht nach Priorität gereiht und jeder sieht das wohl ein bisschen anders.

Update: goingelectric-User GTE_Ebi hat in diesem Post noch ein paar Punkte aus seiner Sicht nachgelegt. Danke!

Es gibt natürlich auch Dinge, die Tesla besser machen könnte, hier gerne zum Nachlesen:

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Mehr gibt es in diesem Buch zu lesen: „Das E-Dilemma und die Freude am Fahren

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10 Dinge, die Tesla vom ID.3 lernen könnte

Die Vorgeschichte

Seit meinem Artikel über 12 Dinge, die Tesla von Renault lernen könnte bin ich mittlerweile weitere 10.000 Kilometer mit dem Model 3 gefahren, konnte aber auch mit dem ID.3 einige hundert Kilometer zurücklegen.

Die Automodelle sind ziemlich unterschiedlich, zielen aber beide auf die Mitte des Marktes und das legt einen Vergleich nahe – und wie sagte der römische Dichter Ovid vor mehr als 2000 Jahren: „Recht ist es, vom Feind zu lernen“.

Wer hier jeweils der Feind ist hängt natürlich vom Standpunkt ab…

Aber nun zum Thema: 10 Dinge die Tesla vom ID.3 lernen könnte!

VW ID.3 in der Autostadt: 10 Dinge die Tesla vom ID.3 lernen könnte
VW ID.3 in der Autostadt

1. Der Spurhalteassistent

Der Tesla-Autopilot kann viele tolle Dinge, aber er macht auch kapitale Fehler oder wirft einfach hin und der Fahrer muss übernehmen. Ein Spurwechsel auf der Autobahn kann schon in ein kleines Wrestling-Match mit dem Autopiloten ausarten, die Lenkradkräfte zum Überstimmen des Systems sind für meinen Geschmack eher zu hoch. Ungeübten Fahrern möchte ich das nicht zumuten. Zusätzlich schaltet sich der Autopilot beim Eingriff durch den Fahrer ab und man muss ihn wieder aktivieren. Wer das vergisst und nicht rechtzeitig bemerkt, könnte in gefährliche Situationen kommen, denn nur ein kleines graues Lenkrad im Display erinnert an den ausgeschalteten Autopiloten.

Im ID.3 ist das Überstimmen des Spurhalteassistenten viel einfacher, weil nicht wirklich zwischen Automatik und Handbetrieb unterschieden wird und damit keinerlei erhöhte Lenkkräfte erforderlich sind. Der Spurhalteassistent bleibt im Hintergrund aktiv und übernimmt die Spurhaltung relativ sanft wieder, wenn man ihn lässt. Das macht die Autobahnfahrt bei höherer Verkehrsdichte tatsächlich etwas weniger anstrengend als im Model 3.

2. Die Verkehrszeichenerkennung

Eine der klassischen und wenig verständlichen Schwächen in der Tesla-Software. Man muss eigentlich echte Absicht vermuten, denn in der Darstellung auf dem Display werden die Tempotafeln völlig korrekt dargestellt. Die Software weiß also genau, was da am Straßenrand steht. Dennoch werden diese Informationen nur sehr fallweise verwendet. Der ID.3 macht das nicht komplett fehlerlos, aber sehr gut. Und nur ein zuverlässiges Feature ist ein brauchbares Feature!

3. Phantombremsungen

Wer Tesla fährt, kennt sie. Mit dem ID.3 habe ich noch keine erlebt und die ID.3-Fahrer im Freundeskreis nach mehreren tausend Kilometern auch nicht. Eindeutig eines der 10 Dinge, die Tesla vom ID.3 lernen könnte. Genug gesagt!

4. Der Wendekreis

Dank Hinterradantrieb ist der Wendekreis des ID.3 sensationell klein, ohne dass auf der Autobahn Unruhe aufkommt. Natürlich ist das etwas unfair, denn der ID.3 hat (noch) keinen Allradantrieb, die Teslas aber schon. Dennoch, auch das hinterradgetriebene Model 3 hat keinen kleineren Wendekreis als die Allradversion.

5. Das Piepskonzert

Aus den verschiedenen Tönen des Model 3, die in bunt gemischten Abfolgen kommen können (z.B. Kombination von geöffneter Tür und Abstandswarner), könnte man durchaus moderne Musikstücke bauen, die eines Brian Eno würdig wären (er komponierte unter anderem Klingeltöne für Nokia). Generell begleitet Tesla seinen Nutzer nahezu ständig mit Geklingel, amerikanischer Stil eben. Im ID.3 bleibt es angenehm ruhig, bis auf den Notbremsassistenten sind mir keine akustischen Meldungen aufgefallen. Angenehm!

Tesla kennt zwar den „Joe Mode“, bei dem die Lautstärke der Meldetöne reduziert werden kann, abstellen wie in Windows kann man die Systemsounds aber leider nicht.

6. Die Geschwindigkeitsregelung

Der ID.3 macht das schlau und reduziert die Geschwindigkeit vorausschauend, sodass beispielsweise an Ortseingängen das Tempolimit größtenteils bereits eingehalten wird. Das Model 3 knallt mit Landstraßentempo ins Ortsgebiet und beginnt häufig erst hunderte Meter nach dem Ortsschild mit der Geschwindigkeitsreduktion – das ist echt gefährlich und schöne Blitzerfotos sind nahezu garantiert, wenn man nicht eingreift.

In Mitteleuropa gibt es auf Höhe des Ortsschilds außerdem gerne Fahrbahnverschwenkungen, durchaus auch in Kombination mit Verengungen oder Verkehrsinseln. Wenn der Tesla auf eine derartige Konstruktion mit 100 km/h zurauscht, dann habe ich nicht die Nerven, um mir das bis zum möglichen Aufschlag anzusehen, sondern greife davor ein. Vielleicht hätte das Auto das Manöver richtig gemacht, aber ausprobieren möchte ich das mit dem eigenen Auto eher nicht. Wenn man bei einer längeren Landstraßenfahrt nicht hinter einem anderen Auto als „Bremsblock“ fährt, dann ist das jedes Mal erforderliche Bremsen am Ortseingang etwas lästig, zumal dann der Autopilot komplett abschaltet und wieder aktiviert werden muss.

7. Notbremsung

Der ID.3 macht das vorne und hinten von selbst, wenn er ein nahes Hindernis erkennt. Das Model 3 bearbeitet die Insassen zwar mit einer Reihe unterschiedlicher Töne, hält den Fahrer aber nicht davon ab, gegen ein Hindernis zu fahren (beispielsweise rückwärts gegen eine Ladesäule). Nachdem an den Teslas der Ladeport hinten eingebaut ist, ist das Einparken rückwärts immerhin der Standardfall. Man muss dieses Leistungsmerkmal nicht haben („ich kann rückwärts einparken!“), aber es ist offensichtlich machbar und dann sollte es in einem relativ teuren Auto auch drin sein.

8. Head-Up Display

Ist es praktisch oder eher nicht? Der ID.3 hat es, auch wenn ich es zu wenig konfigurierbar finde und es für meinen Geschmack zu viel anzeigt. Man kann es zum Glück auch ausschalten! In Teslas hat man diese Wahl generell nicht, es gibt schlicht und einfach kein Head-Up Display. Als Option wäre es schon fein; im Zubehörmarkt gibt es bereits Nachrüstlösungen, aber keine davon ist wirklich elegant. Da könnte Tesla durchaus nachlegen, denn das vollständig autonome Fahren (= ich sitze auf der hinteren Sitzbank und das Auto bringt mich ans Ziel) liegt spürbar noch in der Zukunft.

9. Innenabdeckung Glasdach

Beide Autos gibt es mit einem großen Glasdach. Der ID.3 bietet dabei aber eine elektrisch betätigte Stoffabdeckung, die das Model 3 nicht hat. Die Lösung von Tesla ist fertigungstechnisch einfacher und damit kostengünstiger, hat aber im Winter den Nachteil, dass der Wärmeverlust ungleich größer ist und im Sommer trotz aller Beschichtungen mehr Wärme ins Auto kommt. Im Winter, wenn der Verbrauch durch die Heizung ohnehin höher ist und der Akku weniger Leistung bringt, wiegt der Zusatzverbrauch bei Tesla aber deutlich schwerer und mit einer Abdeckung könnte man einige Prozentpunkte an Wintereffizienz hereinholen. Wie man am Thema Wärmepumpe gesehen hat: Tesla ist lernfähig und eine der nächsten Versionen des Model 3 bringt das Feature vielleicht mit.

10. Armlehnen

Im Tesla gibt es in der vorderen Reihe das klassische Ellbogenpolster auf der Mittelkonsole, beim ID.3 hat jeder Vordersitz eine eigene Armlehne, die dafür etwas schmaler ausgefallen ist. Das finde ich persönlich flexibler, wenn die Sitzhöhe der Vordersitze sehr unterschiedlich eingestellt wird (oder werden muss).

Epilog der 10 Dinge die Tesla vom ID.3 lernen könnte

An welchen Punkten herrscht derzeit Gleichstand? Definitiv in der Verwendung von fingerabdruckempfindlichem Klavierlack: Im ID.3 bei den Türgriffen, im Model 3 an der Mittelkonsole, auch wenn der Facelift 2021 des Model 3 dieses Problem beseitigt hat. VW kann wird das sicher auch noch beheben.

Außerdem: Das Model 3 hat eine fantastische Spitzenleistung beim CCS-Laden, hält sie aber nicht sehr lange durch. Der ID.3 bleibt auf niedrigerem Niveau, hat aber eine flachere Ladekurve. Das ist zwar langsamer, aber für manche etwas besser vorhersehbar. Außerdem spricht der ID.3 mit vielen alten ABB-Säulen, an denen das Model 3 nach wie vor das Laden verweigert.

Naturgemäß ist die Temperaturabhängigkeit der Ladeleistung bei beiden Autos deutlich spürbar. Die Grenzen der Physik bzw. der Chemie in den Batteriezellen kann kein Hersteller aushebeln. Es zeigt aber ganz deutlich, wie wichtig das Thermomanagement beim E-Auto ist, da gibt es noch einiges Verbesserungspotenzial.

Zum Schluss: Selbstverständlich kann Volkswagen auch vieles von Tesla lernen, aber das wäre ein ganz anderes Thema geworden 😉

Zum Beispiel: Zehn Dinge, die man von Tesla lernen könnte

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Wer mehr lesen möchte: Das E-Dilemma und die Freude am Fahren“ zu finden.

Ladepark Hilden im ID.3

Ladepark Hilden im ID.3

Wie es begann

Für uns ist das die Standard-Tour mit jedem Elektroauto. Also auch mit dem ID.3: Die Fahrt zum Ladepark Hilden steht an!

Andere Fahrten nach Hilden zum Nachlesen:
Hilden mit dem Tesla Model 3
Hilden mit dem Renault Zoe

Nun hatte Oliver überraschend seinen ID.3 bekommen: Nachdem sein Autohändler den Liefertermin im ersten Quartal 2021 angegeben hatte, kam vier Tage nach dieser Information die Nachricht, das Auto wäre bereits zur Anmeldung angeliefert worden. Das bedeutet, dass das Fahrzeug mindestens zwei Wochen vorher gefertigt worden sein musste.

ID.3 von Musicus am Ladepark Hilden

Der logistische Durchblick ist also durchaus verbesserbar, Autos fallen ja nicht zufällig vom Band! Allerspätestens bei Produktionsbeginn sollte es auch bei Volkswagen klar sein, dass das Auto nicht erst nächstes Jahr geliefert wird. Dem Kunden wird mit derart großen Unsicherheiten schon einiges zugemutet.

Egal, schnell war der Plan klar: Es musste wieder die Fahrt zum Ladepark Hilden werden, Folge drei! Die Strategie: Hinfahrt mit etwa 90 km/h ohne Ladestopp und mit Windschatten, Rückfahrt mit 130 km/h und einer kurzen Zwischenladung.

Beide Richtungen waren allerdings mit einer Autobahnsperre bei Lehrte belastet, die jeweils etwa 20 km Umweg bedeutete und den Geschwindigkeitsschnitt drückte. Insofern sind die Ergebnisse nur bedingt mit Zoe und Model 3 vergleichbar. Aber so ist das reale Leben auf der Langstrecke eben!

Wir rollen los

Mit Kilometerstand 419 starteten wir um 7:20 bei der E-Mobility-Station, wie es die Tradition vorsieht. Trotz Mitte November waren die Wetterverhältnisse nahezu gleich wie bei den beiden anderen Fahrten: 10 Grad und leicht feucht beim Losfahren, angenehm warm (19 Grad!) und trocken gegen die Mittagszeit. Wir rollten auf 19 Zoll-Ganzjahresreifen im Eco-Modus los.

Abfahrt an der E-Mobility-Station in Wolfsburg

Der ID.3 ist ein leises, angenehmes und zurückhaltendes Auto, dessen Assistenzsystem im Hintergrund bleiben, im Gegensatz zu den Assistenten von Tesla, da muss man gelegentlich schon beinahe kämpfen. Der Zoe hat nur einen konstanten Geschwindigkeitstempomaten, da gibt es wenig zu vergleichen.

Die Strecke war laut Navi 385 Kilometer und das Auto zeigte bei 100 % Ladestand eine Reichweite von 343 Kilometern an, wir starteten also tief im Minus. Die Fahrtstrecke war jedoch viel zu hoch berechnet, wir ignorierten einige Umleitungsvorschläge bei Staus, die wir dann auch nicht antrafen.

Ich war entspannt, Oliver etwas weniger. Nach 15 Minuten stieg die Spannung bei uns beiden kurz an, denn die erste Fehlermeldung kam hoch: „Störung Scheibenwischer“, und das bei beginnendem Nieseln. Es schien dann doch nur der Regensensor gewesen zu sein, die Wischer kamen ihrer Aufgabe problemlos nach.

ID.3 Scheibenwischer

Bei 20 % Ladestand gab das Auto die erste Ladewarnung aus, da hatten wir noch über 90 Kilometer Reichweite und nur noch 35 km Reststrecke. Also erreichten wir Hilden ohne weitere Überraschungen und mit einer Fahrzeit von 4:18, da waren noch 13 % bzw. 74 Kilometer im Akku. Bei Olivers Zoe Q210 ist das die Reichweite bei fast voller Batterie, so ändern sich die Zeiten…

Der ID.3 zeigt ärgerlicherweise keinen Energieverbrauch an, wir mussten aus dem (sehr guten!) Durchschnittswert von 14,3 kWh pro 100 km zurückrechnen und kamen auf einen absoluten Verbrauch von 49,8 kWh.

Verbrauchsdaten Wolfsburg-Hilden im ID.3

Die Katalogwerte des ID.3 Pro sind übrigens 13,4 kWh/100 km nach NEFZ und 15,4 kWh/100 km bzw. 426 km Reichweite nach WLTP. Wie bei 58 kWh Kapazität und einem Durchschnittsverbrauch von 15,4 kWh eine Reichweite von 426 km herauskommt und nicht 58 / 15,4 = 377 km ist ein kleines Wochenendrätsel.

Der Entladehub von rund 87 % ergab etwa 57,1 kWh entnehmbare Energie, mit Ungenauigkeiten und Rundungseffekten nahe genug an den 58 kWh aus dem Prospekt.

In Hilden konnten wir uns zwischen dem Fastned-CCS-Lader oder mindestens fünf Stunden am AC-Anschluss entscheiden. Fastned machte das Rennen und obwohl der ID.3 eine Ladezeit von 1:24 angab, war er nach 1:02 und 51 Sekunden wieder bei 100 % angekommen.

Ladevorgang ID.3 in Hilden

Die Ladesäule meldete 53,32 kWh geladene Energie, mit denen wir die verbrauchten 49,8 kWh ersetzt hatten. Das ergab 6,5 % Ladeverlust im Auto selbst, ein guter Wert. In der Ladesäule kamen nochmals 5 % Verlust dazu, die wir zum Glück nicht bezahlen mussten.

Seed & Greet war geöffnet, die Sitzgelegenheiten waren jedoch abgesperrt. Dank guten Wetters konnten wir draußen Kaffee und Kuchen genießen, wir hatten uns diesmal nur einen kurzen Stopp vorgenommen. Trotz aller Lockdowns waren wieder einige Stammgäste an den Ladesäulen aufzufinden. Auch Nino vom DanzeiBlog durfte nicht fehlen. Ein weiterer Youtuber hatte seine Freundin als Kameraperson mitgebracht und schien bereits nach nur drei Takes vor einem Model 3 zufrieden zu sein. Mit einem VW waren wir zwischen den vielen Teslas und Zoes eher der Exot des Tages, die WeCharge-Karte funktionierte bei Fastned nämlich nicht. Der Fahrer des neben dem ID.3 ladenden Porsche Taycan wirkte etwas verhärmt, weil sich das Interesse der Anwesenden praktisch ausschließlich auf den ID.3 konzentrierte…

Wir rollen zurück

Wir begaben uns bereits um 12:58 auf die Rückfahrt, das Auto zeigte 404 Kilometer Reichweite an. Die Rückfahrt sollte aber nach Möglichkeit mit 130 km/h erfolgen und damit war ein rasches Absinken der Reichweite zu erwarten.

Der Akku des ID.3 ist voll: 404 Kilometer Reichweite

Im ersten Tunnel passierte es dann: Die Außenbeleuchtung meldete einen Ausfall. In der Detailansicht wurde der rechte hintere Blinker als defekt gemeldet. Oliver kannte das bereits von der Probefahrt und war nicht weiter beunruhigt.

Für die Zwischenladung hatten wir uns die Raststation Ahlsfeld vorgenommen, an der wir aber dank einer Baustelle und unserer spontanen Begeisterung über die ersten 1000 Kilometer des ID.3 vorbeirauschten 😲.

Die Restreichweite hätte uns noch bis weit nach Hannover gebracht, der Puls blieb also niedrig. Nach kurzer Suche in mehreren Apps entschieden wir uns für eine Lademöglichkeit in Garbsen, direkt vor einem leider geschlossenen Restaurant. Dort standen vier Schnellladesäulen mit CCS und CHAdeMO bereit, alle vier überraschenderweise kostenlos. So kam es, dass wir statt der geplanten 12 Minuten dann doch für 35 Minuten pausierten. Vielleicht lag es aber auch an den Gesprächen, die wir mit den Eigentümern eines Peugeot e-208 und denen eines brandneuen Mazda MX-30 führten…

Angekommen!

Die restlichen 105 Kilometer blieben vollkommen frei von Überraschungen und um 17:35 erreichten wir wieder Wolfsburg. Eigentümlich war allerdings, dass wir bei Addition der Teilstrecken auf 713 Gesamtkilometer kamen, das Auto aber auf 721 Kilometer. Optimierungspotenzial ist im Bordcomputer wohl noch vorhanden.

Verbrauchsdaten der gesamten Fahrt im ID.3

Die Wertung

Die eingerechnete Ladepause setzen wir auf die geplante Zeit, da waren wir uns einig. Dann bleiben noch diese drei Wertungsvarianten:

  • Schnelle Variante – beide Richtungen mit 130 km/h Zielgeschwindigkeit gerechnet: 7:56 h Fahrzeit plus 24 Minuten Ladezeit = 8:20 Gesamtzeit und 144 kWh Verbrauch.
  • Langsame Variante – beide Richtungen mit 90 km/h Zielgeschwindigkeit gerechnet: 8:36 Gesamtzeit und 99,6 kWh Verbrauch.
  • Die reale Fahrt: 8:16 Fahrzeit plus 12 Minuten Ladezeit = 8:28 Gesamtzeit und 121,8 kWh Verbrauch.

Die schnelle Variante ist um 16 Minuten schneller, benötigt aber fast 50 % mehr Energie. Das lohnt sich kaum, schafft aber Zeit für Toilettenpausen…

Und wie schlägt sich der ID.3 im Vergleich zu Zoe und Tesla Model 3?

FahrzeugRenault Zoe R90Tesla Model 3 LRID.3 real
Fahrzeit11:537:358:28
Energieverbrauch93 kWh133 kWh122 kWh

Zum Nachlesen:
Hilden mit dem Tesla Model 3
Hilden mit dem Renault Zoe

Auch in der schnellen Variante ist der ID.3 etwa eine Stunde langsamer als das Model 3, allerdings täuscht dieses Ergebnis: Ohne die Streckensperrung auf der Autobahn wäre der Unterschied viel kleiner ausgefallen, eher in Richtung 30 Minuten. Der Verbrauch ist durchaus ebenbürtig, da schaffen die Wärmepumpe und die innere Stoffabdeckung des Glasdachs einiges an Energieeinsparung.

Sollten wir das Experiment vielleicht der Genauigkeit wegen aber doch noch wiederholen müssen?

😉