Nachdem ich über den VW ID.Polo geschrieben habe, wird es höchste Zeit, einige seiner Mitbewerber anzusehen. Zum Beispiel den neuen Twingo von Renault.
Dazu ist mir auch ein Prospekt von Renault ins Haus geflattert, als Zoe-Fahrer keine echte Überraschung.

Nach dem originellen Twingo der 1. Generation, den ich tatsächlich auch besessen habe, nach der absolut langweiligen und unrettbar unansehnlichen 2. Generation – erst erträglich nach dem Facelift – gab es auch die 3. Generation als heckangetriebenes Schwestermodell des Smart forfour. Immerhin gab es diese Version auch als reines Elektroauto.
Es war innen ziemlich schmal und kam mit 21,3 kWh nutzbarer Batteriekapazität und einer WLTP-Reichweite von 190 km. Die Fahrleistungen waren mäßig, aber ausreichend: Mit 60 kW Motorleistung kam das Fahrzeug in 12,9 Sekunden auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Dieses Modell wurde nur bis 2024 produziert und plötzlich gab es den Twingo nicht mehr.
Doch seit März 2026 wird er als Twingo IV wieder ausgeliefert und ist mittlerweile auch im Straßenbild zu sehen.

Die Fahrleistungen sind nur wenig verändert: 60 kW Motorleistung diesmal als Vorderradantrieb, 12,1 Sekunden auf 100 km/h und 130 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Batterie ist mit 27,5 kWh nutzbarer Kapazität etwas größer geworden, die WLTP-Reichweite auch: 262 Kilometer stehen im Datenblatt.
Bei der Ladeleistung herrscht etwas Diät: 11 kW per AC sind normal, 50 kW DC sind 2026 andererseits eher schmal, selbst für ein Stadtauto. Leider wurde am Thermo-Management gespart, die Batterie ist nur passiv gekühlt – Rapidgating wurde bereits bestätigt.
Mit etwa 1,3 Tonnen ist das Auto gegenüber dem Vorgänger um ungefähr 130 Kilogramm schwerer geworden, doch auch die Länge nahm um etwa 17 cm zu.
Zum Glück wurden an den Ecken des Fahrzeugs praktische Stoßkissen verbaut – eine Konzession an den etwas ruppigen Pariser Parkstil. Wer die Stadt kennt, weiß um die bei den meisten Autos angeschrammten Ecken rundum.

Das automobile kulturelle Verhalten wurde in Staffel 4 der Amazon-Autoserie „The Grand Tour“ unter dem Titel „Was ist los mit den Franzosen?“ ausgiebig aufs Korn genommen. Hoffen wir, dass den Twingos in Deutschland dieses Schicksal erspart bleibt.

Praktisch ist sicherlich, dass der neue Twingo wie sein unmittelbarer Vorgänger ein Fünftürer ist. Durch die verschiebbaren hinteren Sitze kommt in der zweiten Reihe so etwas wie Erträglichkeit auf. Allerdings: Das Auto ist nur ein Viersitzer, ähnlich wie der Hyundai Inster.

Vorne gibt es eine reduzierte Mittelkonsole, sodass man einfach vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz wechseln kann – wieder ein Vorteil bei sehr beengten Parkverhältnissen.

Ziemlich französisch sind die drei Hebel rechts an der Lenksäule: Ganghebel, Multifunktionshebel und Bedienteil für die Audio-Anlage. Die Zoe-Fahrer unter uns kennen den Audio-Satelliten bereits.

Traditionell muss bei Kleinwagen gespart werden und so sind die Oberflächen ausgiebig mit Hartplastik belegt. Aber immerhin noch ein paar echte Tasten! Hinten gibt es nur Ausstellfenster, daher entfällt auch der zweite Satz von Fensterheber-Schaltern.

Doch das Auto ist recht schlau gemacht. Durch den Antrieb am vorderen Ende ist hinten im Gepäckraum mehr Platz vorhanden, inklusive einer Wanne unter dem Laderaumboden. Das sind keine Tesla-Dimensionen, aber für einen Kleinwagen ein guter Gedanke.
Im Bild sieht man auch den V2L-Adapter, der bis zu 3,7 kW Leistung abgeben kann. Das ist eine sehr nützliche Funktion, doch bei der kleinen Batterie sollte man dabei die Restreichweite im Auge behalten.
Wärmepumpe gibt es leider keine, auch nicht gegen Aufpreis. Auch für eine Sitzheizung muss man zur teureren Variante „Techno“ greifen. Im Basismodell „Evolution“ gibt es außer der Farbwahl keine weiteren Aufpreis-Extras. Notladekabel und Ganzjahresreifen könnte man noch mitbestellen.
Die Ausstattung Evolution kommt ab 19.990 Euro und Techno ab 21.590 Euro. Elektroprämie gibt es mit den richtigen Voraussetzungen bis zu 6.000 Euro, wie für jedes BEV – solange das Budget reicht.
Im günstigsten Fall könnte man also bereits für unter 14.000 Euro (zuzüglich Überführung) in einem neuen Twingo sitzen. Damit ist das Kleinwagensegment durchaus saniert.
Darüber hinaus wird der Kern des Twingo demnächst mit veränderter Optik auch als Nissan Pixo und Dacia Spring zu haben sein und auch vom selben Band laufen.
Die Verkaufszahlen des Twingo im ersten Halbjahr 2026 waren robust und kamen in Deutschland zu 80 Prozent von Privatkunden, die aktuellen Lieferzeiten liegen bei etwa 2 bis 4 Monaten. Die Nachfrage deutet darauf hin, dass viele Käufer bei einem günstigen Stadtauto eine überschaubare Reichweite akzeptieren.
Wir werden sehen, wie sich das Auto im nächsten Winter schlägt!
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