Das Ende von Mietmodellen

Das Ende von Mietmodellen

Mittlerweile ist der Trend nicht mehr zu übersehen: Viele Autohersteller möchten Leistungsmerkmale und Fähigkeiten zunehmend lieber vermieten und nicht verkaufen. Doch ein Gesetzesvorhaben im US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey will diesem Treiben neue Grenzen setzen. Droht nun das Ende von Mietmodellen?

Dollars!

Der Einfallsreichtum war bisher nahezu grenzenlos: Von der Sitzheizung über das intelligente Fernlicht bis zum Fahrassistenten – all das könnte man mit einer monatlichen Zahlung mieten und nicht mehr mit dem Grundpreis eines Autos erwerben.

Diese Art der Zukunft gefällt nicht jedem: ein Auto kaufen und zusätzlich Miete bezahlen? Das war bereits bei der Batteriemiete für Elektroautos nicht lange populär und derartige Konstruktionen sind mittlerweile vom Markt weitestgehend verschwunden (ich bin da kürzlich ebenfalls ausgestiegen). Gemietete Funktionen werden zudem einige unangenehme Fragen auf: Muss der Eigentümer eines Autos Komponenten warten und reparieren lassen, die er überhaupt nicht nutzen kann? Müssen sie nach einem Unfall auf Kosten des Unfallverursachers instandgesetzt werden?

Der oben angesprochene Gesetzesvorschlag möchte die Miete für alle Funktionen verbieten, denen „keine laufenden Kosten des Anbieters“ gegenüberstehen. Das Vermieten von Sitzheizungen wäre also definitiv aus dem Spiel.

Allerdings gibt es viele Funktionen, denen durch laufende Updates durchaus Kosten des Fahrzeugherstellers gegenüber stehen oder gegenüber stehen könnten.

Würde dieses Gesetzesvorhaben Realität, werden wohl viele Marketingabteilungen überlegen, wie nicht nur Kartenupdates fürs Navigationssystem, sondern viele andere Leistungsmerkmale des Automobils dringend der Fernanbindung bedürfen und deswegen nicht unter das Verbot fallen.

Sicherlich werden Airbags, Sitzgurte, Lichter, Klimaanlagen und vieles mehr zum Wohl und zur Sicherheit der Fahrzeugbenutzer fernüberwacht werden müssen und deshalb in Zukunft Kosten beim Autohersteller verursachen – und damit weiterhin vermietbar bleiben.

Das Ende von Mietmodellen auszurufen wäre also sicher verfrüht. Im Gegenteil, vielleicht wird dadurch die Fernüberwachung von Autos noch weiter intensiviert und aktiv ausgeweitet. Vielleicht müssen neue Reifen bald in der Auto-Cloud registriert werden – der Sicherheit wegen natürlich.

Eine derartige Entwicklung würde nur ein weiteres Mal demonstrieren, dass viele auch gut gemeinte Gesetze unwillkommene Seiteneffekte erzeugen können, die vielfach schlimmer sind als das Übel, das sie kurieren sollen.

In jedem Fall bleibt es spannend, die weiteren Entwicklungen auf dem Automarkt zu beobachten…

Batterien

Ich habe eine Batterie gekauft

Nein, es ist keine Wunderbatterie, im Gegenteil: Ich habe die Renault-Batterie in meinem Zoe gekauft.

Als ich das Auto im November 2017 als Vorführwagen erworben hatte, war Batteriemiete noch eine Notwendigkeit, man konnte den Zoe gar nicht anders kaufen. Ich hatte den Batteriemietvertrag über 10.000 Kilometer Laufleistung um 79 Euro pro Monat abgeschlossen. Die Kilometerleistung hatte sich jedoch als viel zu wenig herausgestellt.

Batterien
Foto von Roberto Sorin auf Unsplash

Renault hatte mir im ersten Mietjahr einen Brief geschrieben, dass sie die Kilometerleistung des Fahrzeugs überhaupt nicht zuverlässig feststellen können und deshalb der Mietvertrag erst am Ende der Mietdauer bezüglich der Mehr- oder Minderkilometer abrechnen würde.

Es gab somit kein unmittelbares Problem mit den Mehrkilometern, da ich erwartet hatte, dass meine Kilometerleistung abnehmen würde. Dann kamen COVID und das Model 3, plötzlich kamen wesentlich weniger Kilometer monatlich auf den Zähler.

Die erhebliche Differenz zwischen den 10.000 Kilometern pro Jahr und dem tatsächlichen Kilometerstand wurde nur langsam, aber beständig kleiner – alles gut!

Doch der Zoe ist ein ungemein praktisches Auto und nach wie vor fahren wir viele kleine und größere Wege, mittlerweile auch für begleitetes Fahren. Auch deshalb planen wir, das Auto noch mindestens fünf Jahre zu fahren. Außerdem gibt es derzeit kein vergleichbares Modell auf dem Markt, das gleichzeitig bestellbar ist, nicht ein bis zwei Jahre Lieferzeit hat und gleichzeitig zu einem realistischen Preis zu haben ist.

Gleichzeitig erwarte ich, dass auch Renault die Preise für die Batterien aufgrund der starken Inflationszahlen, steigender Zinsen und möglicher Erhöhungen der Leitzinsen erhöhen wird. Die Renault Bank ist schließlich eine Bank wie jede andere und rechnet mit den Finanzwerten wie jede andere Bank.

Renault hat die Barriere für den Batteriekauf extrem reduziert. Musste man früher über einen Händler anfragen lassen, gibt es heute ein Formular auf der Website der Renault Bank.

Dort wird der Prozess für den Batterie dargestellt:

Mit diesem Formular können Sie eine unverbindliche Anfrage zum Kauf der Antriebsbatterie Ihres Elektroautos stellen. Wir ermitteln den aktuellen Kaufpreis für Sie und senden Ihnen innerhalb weniger Tage das Formular zur verbindlichen Bestellung mit allen weiteren Informationen zum Ablauf per Post zu.

Wenn Sie mit den Konditionen einverstanden sind, senden Sie uns die verbindliche Bestellung ausgefüllt und unterschrieben zurück. Sobald Sie den Kaufpreis überwiesen haben, ist der Kaufvertrag gültig.

Das klingt tatsächlich einfach und ist einen Versuch wert. Also Formular ausfüllen und abschicken!

Nur wenige Tage später kam – eine Email. Wegen großen Arbeitsanfalls wurde ich um Geduld gebeten. Nun gut, in Zeiten von COVID nimmt man das bereits als Normalität. Zur Überraschung traf der Vertragsvorschlag bereits eine Woche später ein.

Die Eckdaten: Baujahr 2017, Kapazität 40 kWh, Ablauf der Werksgarantie 2025. Die Batterie gibt die Degradation bei Kilometerstand 62.850 mit 92 Prozent an.

Der verlangte Kaufpreis beträgt 4.426,80 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Lieferkosten gibt es zum Glück nicht 😉 Ich hatte zwei Wochen Zeit für die Überweisung des Kaufpreises, bevor das Angebot auslaufen würde. Stellen wir also den Vergleich an…

Zum Kostenmodell: Die Erhöhung auf 15.000 Kilometer Jahreslaufleistung kostet derzeit 99 Euro. Die große Unbekannte ist die Anzahl der Mehrkilometer am Ende der Batteriemiete und jeder davon wird 4,20 Cent kosten. Mit einem Batteriekauf wären diese Kosten zumindest in der Zukunft vermeidbar.

OptionVertrag weiter laufen lassenVertrag auf 15.000 km/Jahr erhöhenBatterie kaufen
Batteriemiete bisher4.108 Euro4.108 Euro4.108 Euro
Batteriemiete für weitere 5 Jahre4.740 Euro5.940 Euro0
Batteriekauf0 Euro0 Euro4.427 Euro
Summe8.848 Euro10.048 Euro8.535 Euro

Die Kosten liegen relativ nahe zusammen, die Renault Bank hat ihre Hausaufgaben offensichtlich gemacht. Die Probleme beim Wiederverkauf mit Batteriemiete könnte man noch einiges schreiben.

Vom heutigen Standpunkt aus ist der Batteriekauf die kostengünstigste Option.

Und deswegen: Ich habe eine Batterie gekauft.

Der Prozess war tatsächlich sehr einfach: Vertrag unterschreiben, scannen und hochladen. Geld überweisen. Wenige Tage später kam die Rechnung für den Batteriekauf und die Abrechnung für die Beendigung des Batteriemietvertrags.

Diese Einfachheit ist ein klares Zeichen dafür, dass Renault gerne aus der Mietkonstruktion aussteigen möchte. Kein Wunder, waren doch die Erfahrung mit den sterbenden Mietbatterien des Renault Fluence ziemlich negativ und endete mit dem Rückkauf aller Fahrzeuge.

Das wäre bei der riesigen Anzahl der Zoes im Markt vollkommen undenkbar…