Elektrisch fahren bei -7 Grad

Elektrisch fahren bei -7 Grad

Bei einer unserer weihnachtlichen Fahrten hatten wir eine Strecke, bei der sich die Temperatur zwischen minus 4 und minus 7 Grad bewegte. Funktioniert elektrisch fahren bei -7 Grad ohne Probleme?

Laden in Nempitz

So kalte Etappen hatte ich bisher selten und die Frage nach der Performance bei Kälte wird im Winter häufig gestellt. Und so habe ich die Leistungsdaten getrennt aufgezeichnet.

Allerdings muss ich die Randbedingungen ausführlich beleuchten. Wir waren vor dieser Strecke bereits einige hundert Kilometer unterwegs, das Innere des Autos, die Reifen und die Batterie waren also bereits sehr gut temperiert. Das ist nicht die typische Ausgangslage für eine winterliche Testfahrt.

Gerade deshalb möchte ich jedoch mit einem relativen Irrglauben aufräumen, nämlich dass die Leistung von E-Autos im Winter grundsätzlich schlecht und problematisch sei. Das E-Auto funktioniert im Winter ähnlich gut wie im Sommer, wenn es einmal aufgewärmt ist, was klarerweise Zeit und Energie benötigt. Es handelt sich also um ein Kurzstreckenproblem, das bei längeren Fahrten kaum eine Rolle spielt.

Wir fuhren vom Supercharger Nempitz nach Wolfsburg und wollten keinen weiteren Ladestopp einlegen, wie es uns Tesla anfänglich empfohlen hatte. Der Supercharger war sehr gut besucht und voll belegt, während wir uns näherten. Erst wenige Minuten vor unserer Ankunft wurden zwei Ladepunkte fei. Durch die geteilten Lader war die Ladeleistung nur bei etwa 70 kW. Als das Fahrzeug neben uns absteckte, stieg die Ladeleistung auf 120 kW. Wir wollten trotzdem nicht lange laden und mit der minimalen Ladung losfahren – bei 68 Prozent Ladestand starteten wir.

Die Vorhersage für den SOC bei Ankunft lag bei schmalen 3 Prozent und sorgte für leichte Unruhe in der Besatzung. Die erfahrenen Tesla-Nutzerinnen und Nutzer wissen: Tesla rechnet ziemlich konservativ und drei Prozent sollten ausreichen.

Einen kleinen Kompromiss bin ich als Vorsichtsmaßnahme eingegangen, nämlich die Klimaanlage im Ove-Modus: 19 Grad, Lüftung Stufe 3 ohne Klimaanlage und saubere Fenster. Mit vier Personen an Bord beschlugen die hinteren Scheiben trotzdem, was aber nur ein rein kosmetisches Problem darstellte. Die Geschwindigkeit war etwas zurückhalten, mit Geschwindigkeiten in der Gegend von 110 km/h und einer Steigerung in Richtung 125 km/h, sobald der vom Auto am Ziel vorhergesagte Ladestand in Richtung 10 Prozent angestiegen war.

Der Verkehr war relativ dünn, es gab also nahezu keine stromfressenden Manöver zu erledigen.

Kalte Autobahn

Wir kamen letztendlich dann auch mit 10 Prozent Ladestand an. Auf 193,7 Kilometern verbrauchten wir 39 Kilowattstunden, also 20,2 kW Verbrauch auf 100 Kilometer. Die Fahrzeit betrug eine Stunde und 43 Minuten, die Durchschnittsgeschwindigkeit respektable 112,6 km/h.

Der Verbrauch geht für diese Durchschnittsgeschwindigkeit bei Temperaturen um die -7 Grad für mich vollkommen in Ordnung. Wer also auf einer längeren Fahrt auf sehr kalte Etappen stößt, muss keine massiven Verschlechterungen der Performance des Elektroautos befürchten.

Keine Angst vor der elektrischen Langstrecke!

Wie viele Ladesäulen hat Deutschland? Teil 7

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Bisherige Folgen:

Diese Woche erschien die neue Ladesäulenliste der Bundesnetzagentur, datiert mit 1. Januar 2022. So viel gleich vorweg: Es gibt einige Überraschungen!

Die erste Überraschung ist die geänderte Website, die übersichtlicher geworden ist und einen Extrahinweis auf die neue Ladesäulenverordnung (LSV) enthält. Das ist gut, auch wenn der Inhalt der neuen LSV ziemlich enttäuschen ist – doch das ist ein anderes Thema.

Die zweite Überraschung: Es sind tatsächlich knapp 50.000 Ladepunkte zum Jahresende 2021 geworden, exakt 49.971. Die fehlenden 29 Stück wird niemand ernsthaft kritisieren.

Dafür mussten aber offensichtlich Überstunden bis ins Jahr 2022 geschoben werden: Der Anstieg im letzten Datenpunkt ist überdeutlich. Ein einmaliges Plus von 8,9 Prozent in einem einzigen Monat, der aufgrund der Weihnachtsfeiertage ein eher kurzer Monat war.

Die Ladeleistung stieg um 10,4 Prozent. Damit ist der Einfluss von Schnell- und Ultraschnellladern auch in diesem Monat über dem Durchschnitt. Während etwa 3.500 neue AC-Ladepunkte entstanden, gab es 865 neue DC-Ladepunkte. Das bedeutet ungefähr eine Verdreifachung gegenüber den Vormonaten.

Doch wie bereits erwähnt: Diese Daten sind die Aufarbeitung von allem, was 2021 vielleicht noch liegen geblieben war. Der Anstieg reflektiert also eher die Abarbeitung durch die Bundesnetzagentur und weniger den Ausbau von Ladesäulen. Trotzdem war ich im November offensichtlich zu pessimistisch, doch aufgrund der Datenlage konnten man diese Jahresendrallye nicht erwarten.

Egal, man darf schon zufrieden sein, dass das Ziel im Masterplans Ladeinfrastruktur der Bundesregierung von 50.000 Ladepunkten doch noch erreicht wurde! Die Bundesnetzagentur publiziert nun auch ein Übersichtsbild über den Hochlauf, das jedoch aus unerklärlichen Gründen derzeit im Juli 2021 endet. Mittlerweile wurde sie von der Homepage der Bundesnetzagentur wieder entfernt.

Erwartungsgemäß hat Tesla seine Ladesäulen in Deutschland nicht geöffnet, sie finden sich daher nicht in der Statistik.

Die Ausbauziele für 2022 sind sehr ambitioniert, ich werde das weiter ansehen!

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Bisherige Folgen:

E-Caddy in Nempitz

E-Caddy in Nempitz

Bei meinen Fahrten zwischen den Jahren bin ich wieder auf einen weiteren elektrischen Exoten gestoßen: Einen VW E-Caddy in Nempitz!

Volkswagen E-Caddy

Das Fahrzeug wird in Handarbeit bei ABT umgebaut und dürfte mittlerweile nicht mehr als Neuwagen erhältlich sein. Die Technik umfasst 37,3 kWh Batteriekapazität und eine theoretische Ladeleistung von 50 kW über CCS. Die Reichweite von 141 Kilometern nach WLTP und der Verbrauch von 27,3 kWh nach WLTP sind heute nicht mehr wirklich attraktiv und die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ist für das Leben auf deutschen Autobahnen definitiv zu wenig.

Der Neupreis betrug 29.990 Euro, also kein echtes Sonderangebot.

In Nempitz lag die Temperatur bei etwa minus 4 Grad, also keine elektrofreundlichen Umstände. Der E-Caddy in Nempitz hing am CCS-Anschluss einer Ionity-Säule, doch die Leistungswerte enttäuschten.

Während mehr als 50 Minuten waren nur 15,5 kWh in die Batterie geflossen, im Durchschnitt weniger als 20 kW Ladeleistung. Bei 69 Prozent Ladestand lag die momentane Ladeleistung bei schwachen 15,3 kW und das Auto prognostizierte weitere 20 Minuten Ladedauer.

70 Minuten Ladezeit für 140 Kilometer Reichweite am CCS-Anschluss ist heute nicht mehr praktikabel und sollte auch nicht so gering ausfallen. Die Batterie musste also ziemlich kühl gewesen sein. Trotzdem langsam!

Mittlerweise sollte klar sein, weshalb der E-Caddy heute ein exotisches Fahrzeug ist und immer bleiben wird…