Entspannt in den Süden

Aus der Abteilung „Reisen bildet“

Den Ladepark Hilden hatten wir bereits besucht, was so kurz nach der Eröffnung auch ein faszinierendes Erlebnis war. Damals sind wir mit dem Tesla Model 3 gefahren, was man beinahe als zu einfach bezeichnen könnte, reicht doch die Reichweite aus, um die gesamte Strecke ohne Zwischenladung zu bewältigen.

Viele blicken auch häufig nur auf die neuesten Modelle, die jeweils auf den Markt kommen. Doch wie sieht es mit einem Elektroauto aus, das bereits sehr lange auf dem Markt ist, vorletzte Generation sozusagen?

Oliver und ich stiegen also in den vollgeladenen Zoe Q90 Baujahr 2017 mit 40 kWh Batteriekapazität und rollten im ECO-Mode und mit abgeschalteter Klimaanlage los. Die Heizung blieb eingeschaltet, es hatte nur 12 Grad und es nieselte leicht. Abfahrt um 7:15 mit 100 % Akkustand, 2,8 Bar in den Winterreifen und einer Reichweite von 273 Kilometern.

ECO-Mode bedeutet im Zoe Geschwindigkeiten größtenteils unter 100 km/h, bergauf auch weniger. Die Ladeplanung sollte mit einem einzigen Ladestopp das Auslangen finden, auch wenn ABRP zwei vorgeschlagen hatte. Wir wollten effizient, aber nicht verkehrsbehindernd fahren und so reihten wir uns in die Kette der LKWs ein, die uns freundlicherweise den spürbaren Gegenwind beiseiteschoben und auch für eine rasch trocknende Fahrbahn sorgten.

Trotzdem sank die Reichweite von Wolfsburg aus allein bis zur A2 bereits auf 231 Kilometer, viermal die tatsächliche Fahrtstrecke. Mit kalter Batterie, Gegenwind und den zu bewältigenden Steigungen war das aber zu erwarten.

In bewährter Weise hatte ich mir eine Liste von möglichen Ladestationen auf dem Weg vorbereitet, aber der Ladestand fiel nur widerwillig. Nach 271,3 Kilometern und immer noch 34 Kilometern Restreichweite rollten wir an die Ladesäule vor dem Bahnhof in Bönen, der letzten Ladesäule auf meiner Liste – das hatte ich nicht erwartet!

Wir hatten nun nur noch 85 Kilometer vor uns. Die Kaffeepause dauerte dann aber 35 Minuten und der Zoe hatte schon wieder 129 Kilometer im Akku – einfach zu viel! Kurz spekulieren wir, ob wir nicht auch komplett durchfahren hätten können. Dafür hätten wir von Anfang an noch sparsamer fahren müssen, aber für die Rückfahrt gab es noch die Optionen für einen echten Reichweite-Härtetest. Heizung müsste dann ausbleiben, damit wäre eine Kilowattstunde gespart…

Wir kamen mit beinahe schon peinlichen 33 Restkilometern um 12:38 beim Bäcker Schüren an. Das Ergebnis in Zahlen: 361,5 Kilometer in 5:23 Stunden, 76,1 km/h Durchschnitt und 45 kWh Gesamtverbrauch, 12,6 kWh pro 100 Kilometer. Mit einer optimierten Strecke hätten wir auf 344 km verkürzen können und hätten beim Laden noch 10 Minuten gespart… Verbesserungspotenziale gibt es überall.

Ab an die 22 kW-Säule und erstmal Nachladen für Auto und Mannschaft, denn Anfang November zu Mittag im Freien in der Sonne sitzen zu können ist schon extrem angenehm.

Dabei fiel uns auch der Ford Mustang Mach E zum ersten Mal auf und rasch bildete sich eine kleine Menschentraube interessierter E-Mobilisten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Fahrer den Ladepark Hilden nicht kannte und es bot sich an, möglichst rasch dorthin zu wechseln.

Dort angekommen mussten wir aber feststellen, dass die vier 22 kW-Ladepunkte bereits defekt waren. Roland Schüren war not amused und beklagte sich lautstark über den schwachen Support der Lieferfirma. Unsere Ladeplanung war bei schwachen 7 kW AC-Ladeleistung naturgemäß auch im Eimer, Durchfahren konnten wir abschreiben. Manchmal helfen zwei Dutzend CCS-Anschlüsse eben auch nicht weiter.

Trotzdem wieder ein schöner Aufenthalt mit neuen Fahrzeugen und interessanten Gesprächen!

Um 16:31 machten wir uns mit 231 km im Akku auf die Rückfahrt, ein Ladestopp wird auch diesmal ausreichen. Es ist Samstagabend und die LKW wurden selten, aber wir freuten uns über den Rückenwind.

Und wir hatten genügend Zeit, um den optimalen Ladestopp vorzubereiten. Die Wahl fiel auf eine Ladesäule vor einem Marktkauf, die angeblich noch kostenlos sein sollte. Damit versuchten wir den Hilden-Schmerz zu überwinden, alkoholfreies Bier inklusive. Um 18:19 treffen wir ein und ein Anschluss ist tatsächlich frei. Der Strom fließt gleich nach dem Anstecken! Perfekt.

Weil dieser Ladestopp etwas länger ausfallen musste, hatte ich für die verbleibenden 192 km etwas knapper kalkuliert und wir fuhren mit 219 km Reichweite wieder los.

Kein Problem: Erst kurz vor dem Ziel erinnerte uns eine Warnleuchte ans Laden und wir kamen mit 20 km Rest um 22:01 am Ausgangspunkt an. Trotzdem dauert der Rückweg wegen des längeren Ladestops immerhin 6:30.

Insgesamt waren wir 721,5 km unterwegs, Durchschnitt 75,3 km/h, Gesamtverbrauch 93 kWh bzw. 12,8 kWh pro 100 Kilometer, ein sehr guter Wert und ohne zu frieren.

Der Zoe R90 ist also nach wie vor ein wirklich gutes Reichweitenauto, wenn man es nicht eilig hat. Aber wie fällt der direkte Vergleich mit dem Model 3 aus?

FahrzeugRenault Zoe R90Tesla Model 3
Fahrzeit11:537:35-4:18
Energieverbrauch93 kWh133 kWh+40 kWh

Fazit: Mit dem Model 3 ist man ungefähr 50 % schneller unterwegs, verbraucht aber auch etwa 50 % mehr Strom. Jeder muss also selbst entscheiden, wovon weniger aufgewendet werden soll.

Auf jeden Fall hatte Oliver von Musicus endlich Gelegenheit, seine Langstreckenerfahrung zu schärfen, immerhin hat er einen ID.3 bestellt und erwartet demnächst die Lieferung…

Dann machen wir sicher Hilden Folge 3 😉


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