Alternative Antriebe

Aus der Abteilung Entsorgungsbedarf

Wer den Dinosaurier reitet...

Nun wird nach wie vor der Wasserstoffantrieb in der Diskussion gehalten, obwohl er für PKWs nur wenig Sinn hat. Mercedes-Benz hat sich gerade davon verabschiedet und den GLC F-Cell eingestellt, was vielfach berichtet wurde (beispielsweise hier). Für LKWs, Busse und Flugzeuge kommt der Wasserstoff vielleicht wieder, doch auch dafür ist der Weg noch weit.

Der Antrieb mit Erdgas ist aufgrund steuerlicher Förderung anderer Konzepte direkt in Richtung mobile Endlagerung unterwegs, auch wenn nach wie vor einige neue Modelle auf den Markt kommen, beispielsweise die Modelle Scala und Kamiq von Skoda mit jeweils den identischen Motoren.

Auch das Konzept des Range Extenders (serieller Hybridantrieb) als Rucksack eines Elektrofahrzeugs ist beispielsweise im BMW i3 bereits seit Ende 2018 Geschichte.

Das lässt ja einen traurigen Mangel an Alternativen zum batterieelektrischen Fahrzeug erwarten und auch die angeregten bis grenzbeleidigenden Diskussionen würden vollkommen entfallen.

Doch halt! So langweilig wird es glücklicherweise nicht.

Das ziemlich werbeorientierte Magazin efahrer von Chip und Focus bringen unter der Überschrift „Atom-Antrieb: Forscher bauen E-Auto-Akku mit „fast unendlicher“ Reichweite“ eine ganz neue Option ins Spiel, die schon lange nicht mehr durch die Presse gegeistert ist: Den Nuklearantrieb!

Erst 2011 berichtete die „Welt“ in einem nostalgischen Artikel über gescheiterte Visionen über den Nucleon, der mit einer Uran-Füllung 8.000 Reichweite haben sollte, aber nie gefahren ist.

Es ist also nie zu spät, um ein gescheitertes Konzept wieder aufzugreifen. Entgegen der knalligen Überschrift haben aber die Wissenschaftler der Universität Bristol keineswegs einen Akku für E-Autos gebaut – sie schlugen lediglich die Nachnutzung nuklearer Abfälle vor, die in britischen Atomreaktoren angefallen sind und noch weiter anfallen werden.

Die Idee zumindest ist genial und man fragt sich, weshalb nicht bereits die deutsche Atomindustrie darauf gekommen ist: Anstatt strahlende Abfälle teuer zwischen- und endlagern zu müssen, verkauft man sie einfach mit Profit an die Konsumenten!

Ein weiterer Vorteil besteht zweifellos darin, dass durch die – idealerweise weltweite – Verteilung des Atommülls in kleinen Portionen jegliche Grenzwerte unterschritten werden können.

Natürlich werden kleingeistige Fortschrittsverhinderer ihre Bedenken äußern: Man erinnere sich nur, wie hysterisch manche auf den gelegentlichen Brandvorfall mit einem Elektrofahrzeug reagiert haben. Dieses Thema zieht aber leider keine Aufmerksamkeit mehr auf sich.

Ein Verkehrsunfall mit nuklearer Beteiligung würde da gleich ganz anderen medialen Auftrieb bedeuten und eine willkommene Abwechslung zu den mittlerweile langweiligen Castor-Transporten bieten. Ferne Erinnerungen an Kosmos 954 werden wach.

Für die von den Forschern versprochene „unendliche Reichweite“ muss man eben auch Nachteile in Kauf nehmen. Jedoch: Es wäre das Ende der Diskussion um die Leistungsfähigkeit der Stromnetze, die Anzahl von realen oder theoretischen Ladesäulen, die Energiegewinnung und die Entsorgung von Batterien, denn das Atomauto fährt ja bereits mit Abfall und befindet sich somit während des Gebrauchs mitten in seiner Entsorgungsphase!

Wer hätte gedacht, dass trotz Corona die Saure-Gurken-Zeit bereits so früh über uns hereinbricht?