COVID-19 und das E-Auto

Eine Pandemie ist eine furchtbare Sache – sie wird uns noch Monate und Jahre beschäftigen, weil sie enormes menschliches Leid und wirtschaftlichen Schaden nach sich zieht, der dann weiteres Leid zur Folge hat. Es handelt sich zweifellos eine beispiellose Belastung aller Gesellschaften der Erde, da gibt es nichts zu beschönigen.

Werfen wir einen Blick auf die Soziologie, die gemäß Wikipedia eine Wissenschaft ist, „die sich mit der empirischen und theoretischen Erforschung des sozialen Verhaltens befasst, also die Voraussetzungen, Abläufe und Folgen des Zusammenlebens von Menschen untersucht.“ Es gibt tatsächlich einen besonderen Zweig, nämlich die Katastrophensoziologie. Dort werden Katastrophen als immer wiederkehrende soziale Grundtatbestände bezeichnet – die nächste Katastrophe kommt also bestimmt.

Am Ende jeder Katastrophe steht – folgt man der Theorie – die Rückkoppelungsphase, in der Lehren gezogen und mit Kritik nicht gespart wird. Dementsprechend wird die globale Bewältigung von Covid-19 eine überragende Fülle von Daten für Forschungsthemen aller Fachrichtungen ergeben – damit ähnlichen Fällen, die in der Zukunft der Menschheit unausweichlich liegen werden, mit besseren Strategien und Methoden begegnet werden kann.

Als Nicht-Soziologe wende ich mich also einem wenig wissenschaftlichen empirischen Beobachtungsexperiment zu: Woran bemerkt man als E-Autofahrer eine Krise mit Ausgangsbeschränkung?

Klarerweise an der Belegung der Ladesäulen. Während sie an Arbeits- und Samstagen generell sehr gut ausgelastet sind, ist das seit letzter Woche überhaupt nicht mehr der Fall.

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Auslastung der AC-Ladepunkte in Braunschweig im Dezember 2019:

Die Ladesäulen sind sehr gut ausgelastet und die am häufigsten verfügbare Ladesäule steht in einer kostenpflichtigen Tiefgarage, ansonsten sind die Ladesäulen tagsüber praktisch im Dauereinsatz. Das war in Januar und Februar 2020 auch nicht anders, es gab für mich nur keinen großen Grund, noch mehr Screenshots anzufertigen.

Szenenwechsel! Hier ist der Stand vom 20. März 2020:

A close up of a map

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Alle Ladesäulen waren verfügbar und in der Tiefgarage wurde sie offenbar deaktiviert.

In Wolfsburg sah es am selben Samstag ähnlich aus:

Eines kann man jedenfalls feststellen: Die E-Autofahrerinnen und E-Autofahrer gehören zur disziplinierten Sorte Mensch. Aber das hatte ich immer schon vermutet, denn ohne ein klein wenig Disziplin ist das Leben mit einem Elektroauto vermutlich nicht wirklich möglich…

Geschafft! Certified Scrum Product Owner® (CSPO)

Nach zwei intensiven Tagen in Berlin mit Ilker Demirel und drei weiteren tollen Kursteilnehmern… Danke an Denys, Luisa und Rudi – ohne euch wäre es nicht so produktiv gewesen!

So eine kleine Gruppe kann ordentlich schlauchen, es gab aber dadurch wirklich viel effektiven Input.

Etwas Kontext dazu: Scrum ist ein agiles Framework, das zwar aus der Software-Ecke kommt, aber für die überwiegende Menge von Projekten erfolgreich eingesetzt werden kann.

Mehr Information zu Scrum gibt es bei scrumalliance.org, scruminc.com und vielen anderen Quellen im Internet. Sehr empfehlenswert ist der Scrum-Guide (deutsche Fassung).

Es ist vielleicht nicht überraschend, dass auch „Das E-Dilemma“ mit dem Scrum-Framework durch die Türe gekommen ist…

Mein erstes Mal…

Aus der Abteilung Begegnungen der ID.Dritten Art

Nach einer längeren Ausfahrt erreichte ich bei fortgeschrittener Dunkelheit die E-Mobility-Station in Wolfsburg. 23 Kilometer Restreichweite waren noch in der Batterie, also ein durchaus komfortables Ankommen ohne Reichweitenangst und mehrere Ladeanschlüsse waren verfügbar. Es begann gerade zu regnen.

Soweit alles normale Verhältnisse für Wolfsburg.

Und doch war etwas anders: Ein Fahrzeug stand an einem der Ladepunkte, von denen die ursprünglichen Tanksäulen ersetzt wurden. Da diese sehr selten benutzt werden, war das allein schon beachtenswert. Erst nach einiger Zeit realisierten meine vom Scheinwerferlicht geblendeten Augen: Da stand doch tatsächlich ein ID.3 in voller Lebensgröße!

Natürlich wollte ich mit dem Fahrer ins Gespräch kommen, was auch problemlos möglich war. Er stellte sich als Mitarbeiter der Forschungs- & Entwicklungsabteilung von Volkswagen vor, der mit einem Vorserienfahrzeug unterwegs wäre, um auf möglichst breiter Basis zu testen, ob das Fahrzeug mit allen Ladepunkten kommunizieren kann und fehlerlos auflädt. Dabei gäbe es auch weitestgehend keine Probleme.

Also noch mehr Bilder? Ein Foto des Interieurs war nicht so sehr erwünscht, vor allem weil die Innenraumteile noch nicht den Serienstand abbilden würden. Nun ja, die sahen wirklich mehr nach Zoe 2013 und weniger nach Volkswagen 2020 aus.

Ansonsten war das Fahrzeug innerlich durchaus ansprechend, auch im Vorserienzustand. Das kleine Display hinter dem Lenkrad sah im Betrieb tatsächlich recht niedlich aus. Das kann aber funktionieren, selbst wenn es auf den ersten Blick wie eine wilde Anhäufung von Icons anmutete. Das ist mir durchaus recht, denn persönlich mag ich das „schwarze Loch“ hinter dem Lenkrad nicht so sehr und mit so einem Setup bin ich immerhin drei Jahre lang in einem Renault Twingo herumgefahren. An Mangel an Gewöhnungszeit lag es also definitiv nicht.

Die Reichweitenerwartung läge nach Aussage des VW-Mitarbeiters bei 440 km, allerdings hätte er die Wärmepumpe verbaut. Allerdings plant Volkswagen diese Funktion bekanntlich nur bei der teuersten Variante des ID.3 First mitzugeben, was definitiv eine kleinliche Vorgangsweise ist – immerhin soll das Fahrzeug ein Erfolg werden. Auf eine billige Reichweitenverlängerung zu verzichten ist eine vergebene Chance und eine deutliche Fehleinschätzung. Billigere Autos wie der Zoe und der ähnlich positionierte (aber ebenfalls noch nicht erhältliche) Peugeot e-208 bringen die Wärmepumpenfunktion ohne Aufpreis mit.

Doch zurück zum leibhaftigen ID.3! Das Fahrzeug erscheint spürbar länger als ein Standard-Golf und nähert sich dem Längeneindruck eines Golf Variant an. Die Silhouette bei Nacht ist ebenfalls durchaus Golf-artig – eine feine Balance zwischen „doch-nicht-ganz-Golf“ und Vermeidung des Schocks des Neuen. Vielleicht lag es an der Dunkelheit und der komplett schwarzen Farbe des Versuchs-ID.3, dass sich dieser Eindruck so deutlich aufdrängte.

Die Unkenrufe in den Medien, die von massiven Softwareproblemen berichten, übertreiben also ganz offensichtlich. Bei einer neuen Plattform mit einer erheblichen Menge neuer Komponenten sind Integrationsprobleme absolut erwartbar. Mit genügend Überstunden werden das die Lieferanten der Komponenten schon hinbiegen. So fix und in Stein gegossen ist der Zeitplan ohnehin noch nicht, kein einziger Kunde konnte bisher überhaupt nur bestellen, geschweige denn einen Auslieferungszeitpunt genannt bekommen. Und nicht zu vergessen: Der neue Renault Zoe hat es bis zum Händler geschafft, um dann wegen Problemen mit der Software dann doch nicht an die Kunden übergeben zu werden. Auch wenn Renault kein Musterbeispiel gelungener Software ist: Derartige Vorkommnisse scheinen die neue Normalität zu sein.

Doch wie erwähnt: Da ist noch Zeit bis zur Auslieferung. Wenn es jetzt schon keine Probleme mehr gäbe und alle über neun Monate Daumen drehen wäre das auch sicher niemandem recht. Dann würde gejammert, dass das Fahrzeug noch nicht ausgeliefert wird, obwohl doch schon alles fertig wäre.

Wenn VW bei der Batteriekennlinie und der Wärmepumpe also nicht auf knausrig schaltet, kann man sich durchaus auf das neue Modell freuen!

Galileo – oder gut

Aus der Abteilung Facepalm

Es war einmal, da war ich tatsächlich positiv gegenüber der Fernsehsendung Galileo eingestellt. Meine Kinder haben es gerne gesehen, um vermeintlich ihren Horizont zu erweitern.

Informationen aus der Sendung wurden als unverbrüchliche Wahrheiten angenommen, immerhin läuft die Sendung seit 1998 – täglich! Natürlich kann man da den einen oder anderen kleinen Fehler verzeihen, den wir gelegentlich feststellen mussten.

Hie und da musste man schon inhaltliche Tendenzen feststellen, die nicht ganz unparteiisch gewirkt haben, beispielsweise als für Urlaubsreisen extrem niedrige Freibeträge für Mitbringsel angegeben wurden, die deutlich tiefer lagen als die gesetzlichen Werte. Beeinflussung der Seherschaft, um den Kaufkraftabfluss in Urlaubsländer durch Panikmache in Grenzen zu halten? Vielleicht.

Doch hier geht es um Elektromobilität und da hat Galileo in der Sendung am 2. Dezember 2019 eine extrem schlechtes, weil einseitiges, Bild abgegeben.

Hypothetische Frage: Was passiert in Deutschland, wenn von einem Tag auf den anderen nur noch Elektroautos fahren dürfen? Allein die vollkommen bizarre und realitätsfremden Ausgangssituation zeigt: Hier soll es nicht um Information gehen, sondern um eine möglichst extremistische Betrachtung des Elektroautos. Polsprung, Umschwenken des Golfstroms und 40 Grad im Sommer in Deutschland sind realistischere Szenarien. Dazu passt auch die geistig umnachtete Rahmenhandlung: Weil nur noch Elektroautos fahren dürfen, entwickelt sich eine Hochzeit zur Katastrophe:

  • Ständige Stromausfälle wegen der vielen ladenden Elektroautos sabotieren den Polterabend.
  • Die Schwiegereltern kommen nicht rechtzeitig an, weil sie auf eine besetzte Ladesäule treffen, dann – weil sie keine halbe Stunde warten können – einfach weiterfahren und dann in der Pampa stromlos enden.
  • Der Bräutigam hat kein Elektroauto, kann von seinen Eltern nicht mehr mitgenommen werden und muss – leider, leider – mit der Bahn fahren, die Verspätung hat.
  • Durch die nunmehr leisen Innenstädte erfährt die Wohnung der Großmutter eine so enorme Wertsteigerung, dass sie die Wohnung verkauft und am Tag der Hochzeit in den Urlaub fliegt.
  • Das E-Auto drängt den Arbeitgeber, ein Kfz-Reparaturbetrieb, des Bräutigams in die Arbeitslosigkeit.
  • Weil so viele E-Autos gebaut werden, gibt es keine Akkus mehr für neue Handys, weswegen dem Protagonisten zur Halbzeit das Handy ausfällt.

Es gibt zwar eine Art von Happy End, aber die Szenerie ist dermaßen tendenziös und einfach hirnverbrannt, dass man sich schon wundern muss, was heutzutage alles ins Fernsehen kommen darf.

Wir lernen also: Wenn du dein Handy akkuschwach ist, deine Braut keine Eltern hat, deine eigenen Eltern zu deiner Hochzeit fahren, ohne 30 Minuten Puffer einzuplanen, du nicht rechtzeitig in den Zug steigst (offenbar ein familiär vererbtes Planungsproblem), dein Arbeitgeber nur von Ölwechseln lebt und du eine Großmutter hast, die dich eigentlich nicht leiden kann – dann sind das alles Probleme, die das Elektroauto verursacht.

Oder für die Braut: Wenn du dir bei einem Stromausfall den Kopf stößt, dein Zukünftiger zur Hochzeit nicht mal einen vernünftigen Handyakku beschaffen oder pünktlich erscheinen kann, dann sind das alles Probleme, die das Elektroauto verursacht.

Das Elektroauto ist also ein Riesenproblem – oder vielleicht doch Galileo.

Advent, Advent…

Aus der Abteilung Überwachungsstart

In der Umgebung Wolfsburgs sehen die Weihnachtsbäume dieses Jahr ganz besonders interessant aus. Elegant sind sie, hochgewachsen und allesamt sehr gerade. Lediglich besonders grün sind sie nicht.

Die Rede ist von der rätselhaften Reihe an Aluminium-Masten mit ihren Gondeln an der Spitze. Sie sehen wie die Kulisse aus einer futuristischen Version von 1984 aus. Und tatsächlich, es ist eine Installation, die auf das massenhafte Sammeln von Daten auf der Autobahn ausgelegt ist, betrieben vom DLR, finanziert vom Steuerzahler und der Industrie, inklusive der Volkswagen AG.

Erklärtes Ziel ist es, die Technologie des autonomen Fahrens zu verbessern. Es zeigt, welche massive Unterstützung auf Seiten der Infrastruktur erforderlich ist, um die vielfältigen Herausforderungen des selbstgesteuerten Fahrens besser zu bewältigen. Allerdings: Das alles passiert auf einem Autobahnabschnitt, der relativ gerade und wenig hügelig ist und der unlängst saniert wurde. Das ist also der einfachste denkbare Anwendungsfall für das Roboterauto.

Sicher, der betreffende Autobahnabschnitt hat bedeutende Vorteile: Am einen Ende in Wolfsburg sitzt die Volkswagen AG und die Wolfsburg AG, am anderen Ende in Braunschweig das DLR und die Siemens AG, allesamt Partner des „Testfelds Niedersachsen“. Dazwischen stehen an die hundert elektronische Weihnachtsbäume, jeder handwerklich sehr gut ausgeführt. Nicht billig!

So viele hochleistungsfähige Kameras und Laserscanner, von denen acht Kilometer der A39 beobachtet werden, gab es noch nie auf einer Autobahn. Bleich vor Neid wäre Andreas Scheuer, wenn er an die vielen Einsatzmöglichkeiten dieser Technik für den Aufbau einer Autobahnmaut denken würde, und nicht gerade andere Sorgen hätte. Saniert wäre der niedersächsische Staatshaushalt auch ohne die 350 Millionen aus der „VW-Milliarde“, könnte man jeden automobilen Regelverstoß zentimetergenau ausmessen und entsprechend ahnden.

Eigentlich hat aber alles weit vor dem Advent begonnen, nämlich bereits im Mai 2019…

Mobile Ladesäulen

Aus der Abteilung Stromlos

Endlich war es soweit gewesen: Die mobile Ladesäule – der Power-Bank für E-Autos – an der Wolfsburger E-Mobility-Station stand nicht nur einfach da, dunkel und stumm wie der Monolith aus 2001: Odyssee im Weltraum. Sie war am 29.11.2019 tatsächlich angeschlossen und aktiv.

Immerhin wurde das Konzept von Herbert Diess am 15.03.2019 bereits angekündigt. Zwölf Stück sollten im Wolfsburger Stadtgebiet verteilt werden.

Ein eifriger e-Golf hatte sich bereits eingefunden und hing am CCS-Anschluss. Leider nicht so erfolgreich:

Protokollfehler am CCS-Anschluss zum VW e-Golf

Aber die Ladesäule winkte einladend mit ihrem grünem Lichtband, als ich am Nachhauseweg daran vorbeifuhr, und versprach einen raschen Ladevorgang. Mein Zoe musste also einfach mal angeschlossen werden.

Renault Zoe an mobiler Ladesäule - noch alles bestens

Die Ladung startete auch vorbildlich rasch und trotz eines Ladestandes von 80 Prozent flossen starke 15,7 kW in den Akku. Der AC-Anschluss bringt also definitiv 22 kW zustande und ist damit der schnellste AC-Lader an der E-Mobility Station. Und das gleich zweimal! Jede Schmalseite der mobilen Ladesäule bietet ein Display, einen CCS-Anschluss, eine AC-Typ 2-Dose und zwei Schukodosen. Auch das ist wirklich vorbildlich durchdacht.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Der Ladekunde – also ich – wird übermütig und aktiviert parallel zur Ladung die Vorklimatisierung. Nun geht es sehr schnell und die ganze Ladesäule geht in Störung – rotes Band!

Das war's für die mobile Ladesäule
Das war’s für die mobile Ladesäule

Wieder wurde der Renault Zoe als „Ladezicke“ seinem Ruf gerecht. Doch nicht so schnell: Immerhin hat das Laden bestens funktioniert, nur der Übermut des Benutzers hat den Ladeanschluss dann doch überfordert. Als Trost bleibt, dass genau dasselbe auch schon anderen Zoe-Nutzern widerfahren ist, und zwar an anderen Ladesäulen.

Vielleicht war es nur ein Effekt des bevorstehenden Black Friday? Einen Tag danach jedenfalls war die E-Auto-Powerbank leider immer noch außer Betrieb…

Edit am 1.12.2019: Kein Licht im Advent: Die Powerbank ist nun komplett abgeschaltet.

Edit am 2.12.2019: Die Powerbank läuft wieder!

Edit am 7.12.2019: Ich habe eine zweite mobile Ladesäule gesichtet, ganz in freier Wildbahn in Nordsteimke. Laden hat problemlos funktioniert und der Platz vor der Ladesäule war nicht mit Verbrennern verparkt. Top!

Neue Lademöglichkeiten

Aus der Abteilung Platzbedarf

Mobile Ladesäule in WolfsburgWieder gibt es einige neue Entwicklungen seit dem Oktober-Treffen des Wolfsburg E-Stammtischs: Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung hat das Licht der Welt erblickt. Immerhin enthält es die Elektrifizierung des Verkehrs als wesentliche Voraussetzung für die Infrastruktur zur Erreichung der Klimaziele 2030. Nun ist 2030 noch weit weg, aber für Infrastruktur sind zehn Jahre schnell verflogen. Bis dahin ist es eher ein „ich mach es jedem recht“-Paket.

Und es kommt auch mein Lieblings-Unwort vor: Zeitnah! Ich bin immer nahe an der Zeit, oder kann man sich von ihr entfernen? Das klingt verdächtig nach Zeitreisen – eine gute Idee, aber physikalisch eher unplausibel.

Mit einer Zeitreise könnte man auch feststellen, ob der Ladesäulenausbau bis 2030 so enorm vorankommen ist, wie es das Klimaschutzpaket suggeriert: 1 Million Ladepunkte bis 2030! Aber gefördert wird nur bis 2025. Bis 2022 soll es außerdem erst mal nur 50.000 neue Ladepunkte zusätzlich zu den bisherigen rund 16.700 geben. Das wären immerhin rund 16.700 pro Jahr mehr – eine glatte Verdoppelung im ersten Jahr also. Echt cool!

Zwischenstand 2022 für Zeitreisende: 66.700 Ladepunkte. Es fehlen nur noch 933.300 Stück.
 
Der Ausbau zwischen 2023 und 2030 müsste dann massiv beschleunigt werden, nämlich auf 133.000 Ladepunkte pro Jahr oder die 8,5-fache Menge im Vergleich zu den Jahresmengen davor. Das ist schon sehr ambitioniert. Vielleicht werden die nunmehr in Wolfsburg gesichteten mobilen Ladesäulen mehrfach gezählt, an jedem Standort einmal?
 
Trotzdem: Jeder neue Ladepunkt ist ein Gewinn. Und ein Hauptgewinn ist er, wenn er funktioniert und nicht schamlos überteuert ist.

Sicherung 31

Jetzt ist wieder einmal etwas passiert: Ich stand vor einer Straßensperre auf der Landesstraße L295.

Das war besonders überraschend, weil ich genau zur Vermeidung von Staus, Straßensperren und generellen Widerwärtigkeiten des Verkehrs das Navigationsgerät zum Einsatz gebracht hatte, dass im ZOE nicht brillant, aber doch mit solider Brauchbarkeit funktioniert.

Und nun dieses völlige Komplettversagen? Oder hörte ich einen Anflug von Schuldbewusstsein in der Navigationsstimme?

Aber der Arbeitstag nahm seinen Lauf und dieses merkwürdige Ereignis verblasste, allerdings nur bis zum nächsten Tag, denn wieder präsentierte sich die Landkarte vollkommen störungsfrei, und das zur Hauptverkehrs- und damit Stauzeit. Zudem hatte ich das frostbedingte Vorheizen nicht mehr über die App vornehmen können und die Reichweitenanzeige gab nicht den aktuellen Zustand wieder.

Hier war also etwas nicht ganz in Ordnung. Zwei rote Ampelphasen später hatte ich es im Untermenü der Navigation entdeckt: Das System hatte keine Verbindung mehr zum Mobilnetz.

Erste Maßnahme: Reset des Navigationsgeräts durch schnelles Drücken auf die Home-Taste. Der Neustart läuft ab, es ändert sich an der Verbindungslosigkeit: nichts.

Aufziehende Schlechtwetterlage also. Ein Werkstattaufenthalt oder gar der Austausch eines teuren Bauteils, vielleicht sogar verbunden mit einer mehrwöchigen Nichtverfügbarkeit – das passte nicht zu meiner aktuellen Lebensplanung.

Der nächsten Ladeweile sei Dank konnte ich das Internet konsultieren. Nachdem ich durch allerlei Beschwerden über ZE Online, TomTom Services, mal mehr und mal minder sinnvolle Werkstattbesuche und andere Probleme gewatet war, stieß ich auf einen vielversprechenden Beitrag über die Sicherung 31 auf goingelectric.de. Diese wäre es nämlich, die zwischen Batterie und der Kommunikationseinheit TCU stünde und mit deren Entfernung und Wiederinstallation – natürlich nach einer fünfminütigen Gedenkpause – viele Ausfälle zu beheben seien.

Alles klar, das muss versucht werden! Die Sicherungsklappe liegt im Zoe eher tief, Sicherung 31 noch tiefer. Es ist finster in dieser Sicherungshöhle und die immerhin mitgelieferte Sicherungspinzette ist klein und etwas weich.

Beim fünften Angriff auf den kleinen Plastikquader gelingt es. Einige Systemteile fallen aus, das Armaturenbrett zeigt die Warnung „Notruf prüfen“ an.

Die empfohlenen fünf Warteminuten später brachte ich die Sicherung wieder an und die inaktiven Systemteile schienen wieder zum Leben zu erwachen.

Kurzer Check im Navi: Die Verbindung war wieder vorhanden – Erfolg! Und all das mit einem Eingriff, der für den Endbenutzer nicht nur zulässig, sondern auch möglich ist.

Sicherung 31 – hier irgendwo ist sie zu finden

Lediglich die Informationsmeldung „Ladeanschluss prüfen“ bleib erhalten. Vielleicht hätte ich den Eingriff nicht während des Ladevorgangs vornehmen sollen? Aber jedes Elektron zusätzlich in der Batterie zählt!

Die Meldung verschwand jedoch und tauchte glücklicherweise weder beim Neustart noch beim nächsten Ladevorgang auf. Bis jetzt funktioniert alles – einen Reset alle zwei Jahre kann ich mitmachen, häufiger wäre vielleicht störend.

Besten Dank an den Autor des Artikels Frosch_1977!

ZOE on Tour

Aus der Abteilung Platz ist in der kleinsten Hütte

Die Elektromobilität ist reich an Geschichten und Überraschungen.

Dennoch habe ich eines nicht erwartet: Den Renault ZOE als Taxi zu sehen, und zwar in Schweden. Die Bevorzugung umweltfreundlicher Fahrzeuge ist dort im Fortschreiten begriffen, obwohl die schwedische Regierung bei der Förderung von umweltfreundlichen Autos (miljöbilar) einen nervigen Schlingerkurs fährt: In manchen Monaten gibt es Fördermittel und in manchen Monaten nicht, weil der Fördertopf gerade leer wurde und die Regierung nicht rechtzeitig nachgelegt hat.

Das macht die Bafa-Förderung vergleichsweise erfreulich, denn sie wurde nunmehr nicht nur bis 2025 verlängert, sondern wird auch ab 2021 erhöht. Oder doch schon ab 2020?

Nun gut, das wird unmittelbar zu einem Zulassungsknick bei Elektroautos und Hybriden führen, weil das kaufende Publikum die Anschaffung aufs Folgejahr verschieben wird, um in den Genuss einer höheren Förderung zu kommen. Schade! Das hätte man besser und vor allem schneller umsetzen können.

Vielleicht hatte auch VW die Hand im Spiel, die für die bereits reservierten 30.000 Autos vom Typ ID.3 keinen höheren Herstellerbeitrag mitbringen wollten, denn das hätte durchaus 30 bis 40 Millionen kosten können. Und rechnen können die Damen und Herren von Volkswagen definitiv!

Egal: Ich freue mich über den ZOE als Taxi, vor allem, weil ich das nicht wirklich für möglich gehalten habe: Der Kofferraum ist nicht riesig und auf den hinteren Plätzen ist das Platzangebot erträglich, aber nicht überbordend. Sicher: Im Taxi verbringt man nicht allzu viel Zeit, aber eine Fahrt zu dritt oder viert mit leichtem Gepäck vom Flughafen in die Stadt ist eher nicht vorstellbar.

Andererseits: In meinem ZOE hatte ich bereits vier Mitfahrer mit ebendiesem leichten Gepäck untergebracht und es waren immerhin zwei Italiener und zwei Schweden im Wickingerformat an Bord. Das hat auch funktioniert!

1:0 für den ZOE…